Sport : Hertha BSC: Werbung mit dem Wechsel

Klaus Rocca

Jürgen Röber schluckte kurz, ließ sich aber sonst nichts anmerken. Gerade hatte Dieter Hoeneß verkündet, ein Trainerwechsel setze nun mal neue Kräfte frei. Hoeneß, Manager bei Hertha BSC, wollte das jedoch keineswegs als Spitze gegen den neben ihm sitzenden Röber gewertet wissen, der bekanntlich am Saisonende den Verein verlässt. Hoeneß wollte damit nur Werbung machen für das heutige Viertelfinal-Pokalspiel des Berliner Fußball-Bundesligisten gegen den 1. FC Köln (19 Uhr, Olympiastadion). Spätestens nach dem Rausschmiss Ewald Lienens in Köln müsse nun jedem, so Hoeneß, klar sein, dass dieses Spiel "keineswegs ein Selbstläufer ist". Bei gerade mal 12 000 im Vorverkauf abgesetzten Karten muss man eben ein wenig nachhelfen. Die Erinnerung an das 1977 gegen den 1. FC Köln verlorene Wiederholungsspiel im Pokalfinale reicht da nicht.

Zum Thema Fotostrecke I: Bilder der Saison 01/02
Fotostrecke II: Hertha Backstage
Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Vielleicht wird mit dem Trainerwechsel beim 1. FC Köln nun tatsächlich Röbers Traum, sich mit dem Pokal-Finalsieg am 11. Mai von Berlin zu verabschieden, schwerer zu realisieren sein. Nicht nur, weil neue Kräfte freigesetzt werden. Auch weil, wie Röber mutmaßt, "einige Kölner Spieler nun kein Alibi mehr haben". Soll wohl heißen: Ist der ungeliebte Trainer weg, gibt es bei Versagen keine Schuldzuweisung mehr in diese Richtung. Doch wer wie Hertha nun endlich mal im Pokal das Heimrecht hat und dabei nicht gerade ein Topteam im Olympiastadion empfängt, der sollte auch mit dieser Erschwernis fertig werden. Das sieht man auch bei Hertha BSC so, wird es aber so nicht sagen.

Röber war verwundert, als er von der Beurlaubung Lienens vernahm. Da habe der in der Winterpause die gesamte Vorbereitung auf die Zeit danach mitgemacht - und dann jage man ihn gleich nach der ersten Partie davon, noch dazu nach einem Auswärtsspiel. Aber eigentlich, fügte Herthas Trainer schnell hinzu, sei das allein Sache des 1. FC Köln. Doch kann man es Röber verübeln, dass er mit einem Kollegen mitleidet? Selbst wenn der nicht der beliebteste der Zunft ist. "Man muss ihn eben so nehmen, wie er ist", sagt Röber. Er komme jedenfalls gut mit ihm klar. In nächster Zeit wird es freilich nur wenige Berührungspunkte geben.

An die Vorstellung, er könne der nächste sein, dem die Rote Karte gezeigt wird, wollte Röber lieber keinen Gedanken verschwenden. Als gestern ein Journalist zur Frage ansetzte, was mit ihm passieren könnte, falls Hertha heute wie in Dortmund verlöre, unterbrach ihn Röber barsch: "Die Frage lassen wir mal." Natürlich kennt der Hertha-Trainer die Vermutung, er werde bei einer Serie von Misserfolgen das Saisonende nicht im Amt erleben. Das könnte schon in dieser "Woche der Entscheidung", wie sie auch von Herthas Verantwortlichen genannt wird, akut werden. Dann würden jene frohlocken, die schon Wetten auf Röbers vorzeitigen Abgang abgeschlossen haben.

Im Oktober wollte Röber schon einmal zurücktreten. Das war nach dem blamablen 0:4 gegen den Hamburger SV. Der hatte da gerade einen Trainerwechsel vollzogen. Ein schlechtes Omen für heute?

0 Kommentare

Neuester Kommentar