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Hertha BSC - Werder Bremen 1:1 : Gewöhnlicher Fußball, unbefriedigendes Ergebnis

Hertha müht sich erneut und muss sich bei der Bundesliga-Premiere von Schiedsrichterin Steinhaus mit einem Punkt begnügen.

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Für Schiedsrichterin Steinhaus war es bei ihrer Bundesligapremiere ein recht angenehm zu leitendes Spiel. Foto: AFP
Für Schiedsrichterin Steinhaus war es bei ihrer Bundesligapremiere ein recht angenehm zu leitendes Spiel.Foto: AFP

Kurz vor dem Anpfiff wurde auf den Videowänden im Olympiastadion ein kleiner Film eingespielt, um die historische Bedeutung des Nachmittags herauszustreichen. Es erschienen: Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst, Marlene Dietrich, Angela Merkel und zum Schluss Bibiana Steinhaus, die dazu auserkoren war, das Spiel zwischen Hertha BSC und Werder Bremen zu leiten – als erste Frau überhaupt in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Bei der Vorstellung durch den Stadionsprecher gab es sogar Applaus – sehr ungewöhnlich für einen Schiedsrichter. Davon abgesehen war es ein handelsüblicher Nachmittag, den die 49 118 Zuschauer erlebten. Ein Nachmittag mit recht gewöhnlichem Fußball und einem für Hertha unbefriedigenden Ergebnis. Dabei mussten die Berliner mit dem 1:1 (1:0)-Unentschieden sogar noch zufrieden sein. „Wir sind ja noch nicht Barcelona“, sagte Herthas Kapitän Vedad Ibisevic.

Herthas Trainer Pal Dardai hatte sich wie zuletzt im Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund für ein 4-2-3-1-System entschieden, wenn auch, mit Alexander Esswein für Salomon Kalou, in leicht veränderter Besetzung. Das Spiel sah in der Anfangsphase auch so aus, als wäre Hertha die Auswärtsmannschaft. Werder begann mutig, attackierte forsch und kam schon in der vierten Minute zu einer guten Chance. Nach einer Flanke von Fin Bartels kam Florian Kainz im Strafraum unbehelligt zum Abschluss; seinen Dropkick lenkte Torhüter Rune Jarstein über die Latte.

Steinhaus‘ Zweikampfbewertung war nicht immer schlüssig

„In den ersten 20 Minuten haben wir nicht richtig ins Spiel gefunden“, sagte Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt. Dem Auftritt der Berliner fehlte die Struktur, geordnet nach vorne ging es selten. „Viel Hickhack, viel Zufall“, sah Pal Dardai. Die fußballerische Qualität war entsprechend überschaubar. Wenn es mal halbwegs gefährlich wurde, dann vor dem Tor der Berliner. So als sich Bartels im Dribbling gegen Plattenhardt durchsetzte und den Ball klug auf Thomas Delaney zurücklegte. Dessen Schuss aber war eine bessere Rückgabe, mit der Jarstein keine Probleme hatte. Und nach einer halben Stunde flog ein abgefälschter Schuss von Florian Kainz knapp am Tor vorbei.

Für Steinhaus war es bei ihrer Bundesligapremiere ein recht angenehm zu leitendes Spiel, von beiden Seiten nicht übermäßig emotional geführt. Sie selbst war anschließend vor allem „erleichtert, dass es jetzt rum ist“ und nun wieder die Normalität Einzug halte. Ibisevic äußerte „großen Respekt“ für Steinhaus. „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir in der Liga mehr Schiedsrichterinnen hätten.“ Per Skjelbred fand ihr Debüt „einfach gut“. Und das obwohl er zehn Minuten vor der Pause als der erste von einer Frau verwarnte Spieler in die Bundesligageschichte einging. Die Gelbe Karte für ihn war vertretbar. Zu Beginn aber war Steinhaus‘ Zweikampfbewertung nicht immer komplett schlüssig, zwei Mal unterband sie durch einen zu schnellen Pfiff einen Vorteil der Bremer. In einer entscheidenden Situation machte sie es allerdings genau richtig – und ermöglichte Hertha auf diese Weise den ersten Torschuss überhaupt. „Das spricht für Erfahrung“, sagte Dardai.

Der Australier Leckie erzielte auch das dritte Saisontor von Hertha

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 37 Minuten gespielt. Ibisevic hatte Robert Bauer den Ball abgeluchst und Vladimir Darida bedient. Der Tscheche wurde am Strafraum von Milos Veljkovic zu Fall gebracht. Doch Steinhaus ließ laufen, so dass Mathew Leckie mit einem Flachschuss durch die Beine von Torhüter Jiri Pavlenka zum 1:0 treffen konnte. Mehr Effizienz geht nicht. Es war das dritte Tor für die Berliner im dritten Spiel dieser Saison. Und das dritte für den Australier Leckie.

Die Bremer waren in der jüngeren Vergangenheit ein echter Angstgegner für die Berliner, schon sieben Spiele hatte Hertha nicht mehr gegen Werder gewonnen. Mit der Führung im Rücken schien Dardais Team den Schrecken erst einmal gebannt zu haben. Hertha bestimmte zu Beginn der zweiten Hälfte das Geschehen, doch wie aus dem Nichts kam Werder dank einer überragenden Einzelleistung von Thomas Delaney zurück. Der Däne lupfte den Ball am Strafraum über Niklas Stark hinweg und traf mit einem Volleyschuss zum 1:1. Es war Werders erstes Tor in dieser Saison. „Wir tun uns immer schwer gegen Bremen – ich weiß nicht, warum“, sagte Per Skjelbred.

Fast hätte es Hertha noch schlimmer erwischt, doch Bartels scheiterte wenige Minuten nach dem Ausgleich an Jarstein. Dardai reagierte, brachte Salomon Kalou und kurz darauf Valentin Stocker. Der Schweizer hatte bei seinem Saisondebüt eine Viertelstunde vor Schluss eine prächtige Gelegenheit zum 2:1. Nach einer Ecke nahm er den Ball volley und zwang Pavlenka zum Nachfassen. Später scheiterten auch noch Ibisevic mit einem Kopfball und Kalou in der Nachspielzeit. „Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen“, sagte Dardai. Doch so blieb es beim 1:1, mit dem für Werder eine Serie von, saisonübergreifend, fünf Niederlagen endete. Am 29. April hatten die Bremer zuletzt nicht verloren. Beim 2:0 gegen Hertha BSC.

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