Sport : Hertha BSC: Wie sich die Spieler für die nächste Saison stark machen

Klaus Rocca

Jürgen Röber war sauer. Und Josip Simunic übersäuert. Beim Ausdauertraining entpuppte sich der Kroate, vom Hamburger SV gekommen, als Niete. Also verordnete ihm der Trainer gewissermaßen Strafrunden. Die absolvierte Simunic brav, während seine Mannschaftskollegen von Hertha BSC im Trainingslager auf dem Platz des WKS Kaprun gegen den Ball traten.

Simunic war schon beim Laktattest durchs Sieb gefallen. Bei dieser Überprüfung der Belastungsfähigkeit des Körpers, stets vor Saisonbeginn vorgenommen, war Simunic der mit Abstand Schlechteste. Er habe, so Simunic, im Urlaub eine starke Erkältung gehabt und habe deshalb nicht die Hausaufgaben erledigen können. Ob das eine Schutzbehauptung war, blieb offen. Die schlechte körperliche Verfassung war jedenfalls auch für Manager Dieter Hoeneß eine "Dummheit".

Andere waren weitaus besser, wie Stefan Beinlich, Michael Preetz und Bryan Roy. Bei den morgendlichen Dauerläufen jetzt in Kaprun sind sie in der ersten, leistungsstärksten Gruppe. Simunic läuft in der letzten. Ebenso wie Dick van Burik. "Bei Dick muss man aber berücksichtigen, dass er sich nach der letzten Saison hatte operieren lassen", kommentierte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, der mit den Physiotherapeuten Jörg Drill und Thomas Sennewald die medizinische Abteilung des Berliner Fußball-Bundesligisten bildet.

In medizinischer Hinsicht müssen die Hertha-Kicker vor der Saison einiges über sich ergehen lassen. So stehen neben dem Laktattest auch ein orthopädischer Check, ein Belastungs-EKG und ein Herzechogramm auf dem Plan. Während Dopingsubstanzen nach Angaben von Schleicher bei Hertha keine Rolle spielen, wird das umstrittene Kreatin verabreicht. Dazu Schleicher: "Aber wir setzen es nach sechs Wochen wieder ab, weil es Muskelverhärtungen oder gar Muskelfaserrisse hervorrufen kann." Kreatin ist eine natürliche Substanz, die in geringen Mengen auch im Körper gebildet wird und die Muskelkraft verstärkt. "Die Spieler sagen, dass sie nach der Einnahme von Kreatin mehr Spannung in der Muskulatur haben." Wiederholt war vom IOC erwogen worden, Kreatin auf die Dopingliste zu setzen.

Schleicher hält im Übrigen Doping im Fußball, bislang selten nachgewiesen, aber vom DFB seit Jahren auch in der Bundesliga kontrolliert, im Gegensatz zu vielen Experten sehr wohl für leistungssteigernd. Es gebe nicht nur Mittel zur Muskelvergrößerung, sondern auch solche, die das Wachsein und die Konzentrationsfähigkeit fördern. Dann seien Spieler beim Torschuss konzentrierter, antrittsschneller und reagierten in gewissen Spielsituationen besser. Doch wie sagte Schleicher: "Ich verbürge mich dafür, dass bei uns nicht gedopt wird. Seitdem ich im Verein bin, hat kein Spieler Dopingsubstanzen gefordert, und mich haben auch weder die Trainer noch die Vereinsführung gedrängt, welche zu verabreichen."

Stefan Beinlich, der Herthaner mit den besten Laktatwerten, schwört übrigens auf ein ganz spezielles Mittel: Haifischknorpelpulver. Er brachte es eigens aus Leverkusen mit nach Berlin.

Ob Kreatin oder Haifischknorpelpulver wirklich helfen, sei dahingestellt. Heute müssen sich die Herthaner jedenfalls in einer ordentlichen körperlichen Verfassung präsentieren, wenn es im Seespitzstadion von Zell am See bei einem Turnier gegen die SpVgg Unterhaching geht (18.45 Uhr, live im DSF). Der Sieger bestreitet das Finale gegen den Gewinner des Duells zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen.

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