Hertha BSC : Wir sprechen Deutsch!

Berlins Bundesligaclub Hertha BSC hat einen Verhaltenskodex für seine Spieler aufgestellt: Dieser betrifft nicht nur die ausländischen Fußballprofis und das Erlernen der deutschen Sprache. Disziplin, Respekt und Pünktlichkeit sollen wieder selbstverständlich werden.

Lukas Hermsmeier

BerlinDen 2. Februar 2008 hat man in Berlin nicht vergessen. Die 0:3-Niederlage beim Rückrundenstart der vorigen Saison im Olympiastadion gegen Eintracht Frankfurt war nicht nur sportlich alarmierend. Sie veranlasste die Verantwortlichen von Hertha BSC auch dazu, Identifikation und Professionalität ihrer Profis in Frage zu stellen. Am Tag nach dem Desaster kam es zum Krisengipfel zwischen Trainer Lucien Favre, Kotrainer Harald Gämperle, Manager Dieter Hoeneß und dem Sportlichen Leiter Michael Preetz. Es entstand die Idee eines Verhaltenskodexes. In Vier-Augen- Gesprächen zwischen Kapitän Arne Friedrich und Michael Preetz wurde es im Laufe der Rückrunde konkreter. Inhalt und Form mussten bestimmt werden.

Produkt dieser Gespräche ist ein 120 mal 80 Zentimeter großes Plakat, welches die Spieler jetzt mit Beginn der neuen Saison tagtäglich in der Kabine vor Augen haben. „Wir sprechen Deutsch!“ In fünf Kategorien werden die Spieler an solche Grundsätze erinnert. „Das Ganze ist kein Hexenwerk, vielmehr sind es Basics“, erzählt Preetz. Das bestätigt auch Verteidiger Sofian Chahed: „Die meisten Dinge sind für mich als Profi selbstverständlich.“

Unter anderem werden die zahlreichen Ausländer im Team noch einmal daran erinnert, Deutsch zu lernen. Vorbei sollen die Zeiten sein, in denen Hertha-Spieler nach Jahren in Berlin noch keinen deutschen Satz geradeaus sprechen können. Man erinnert sich an die Brasilianer Marcelinho und Alves. Da Hertha aber auch in Zukunft wohl kaum auf Spieler mit brasilianischer Herkunft verzichten wird, haben alle Ausländer einen Stundenplan bekommen. Michael Preetz sieht bei den aktuellen Neuzugängen keinen Grund zur Sorge. Die neuen Brasilianer Kaka und Rodnei seien „sehr fleißig“. Nicht nur die Sprache sollen die Profis beherrschen, auch Disziplin und Respekt sind anscheinend verbesserungswürdig. Zuletzt fiel der US-Amerikaner Bryan Arguez negativ auf, als er mit deutlicher Verspätung das Training aufnahm. Zur Bestrafung ließ Favre ihn als einzigen im Kader beim Test gegen Liverpool 90 Minuten auf der Bank.

Sätze wie „Pünktlichkeit beim Training“ oder „Respekt gegenüber unseren Trainern“ sollen so etwas in Zukunft verhindern. In der Jugend soll diese charakterliche Ausbildung bereits beginnen. Das vor Jahren gestartete Persönlichkeitstraining für junge Spieler wird weitergeführt. Der neu vorgestellte Verhaltenskodex gilt vorerst aber nur für die Profis. Vor dem Start in die Bundesliga am 16. August wird der Kodex in der Mannschaft besprochen. „Das macht erst dann Sinn, wenn der Kader komplett ist“, sagt Friedrich.

Neu ist ein Verhaltenskodex in der Bundesliga nicht. Nachdem Oliver Kahn die Weihnachtsfeier des FC Bayern im vorigen Jahr frühzeitig verließ, erhielt der Torwart eine Geldstrafe und wurde für ein Spiel suspendiert. Nur wenige Wochen später installierte Trainer Ottmar Hitzfeld beim Rekordmeister einen Verhaltenskodex. Das Auftreten in der Öffentlichkeit und der Umgang miteinander waren Inhaltsschwerpunkte. So wurde der Begriff Verhaltenskodex in der Bundesliga geboren.

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