Hertha BSC : Zwischen den Ligen

Herthas Planung stockt – weil noch nicht definitiv feststeht, in welcher Klasse die Berliner spielen werden. Doch eines ist inzwischen klar: Steigt Hertha ab, muss Funkel gehen.

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Beschränkt handlungsfähig. Michael Preetz und Friedhelm Funkel können noch nicht für die nächste Saison planen. Foto: Jürgen Engler
Beschränkt handlungsfähig. Michael Preetz und Friedhelm Funkel können noch nicht für die nächste Saison planen. Foto: Jürgen...Foto: Fotoagentur-Engler

Berlin - Es ist nicht ganz einfach, Hertha BSC im Moment genau zu verorten. Sind die Berliner eigentlich noch Erstligist oder doch schon Zweitligist? Der Theorie nach können sie den Abstieg noch verhindern, realistisch aber ist das nicht mehr. Im Grunde befindet sich Hertha derzeit in einer Art Zwischenstadium – und genau das ist das Problem. Dass die Verantwortlichen sich öffentlich und offiziell nicht zum Szenario Zweite Liga äußern, wirkt angesichts der Tabellenkonstellation wie eine Flucht aus der Realität. Doch selbst wenn sie wollten, sie könnten gar nichts sagen – weil sie nichts definitiv wissen. Solange der Verein keine Klarheit hat, in welcher Klasse er in der kommenden Saison spielen wird, stockt auch die Personalplanung. Denn von der Ligazugehörigkeit hängt die Personalie ab, die alle anderen bedingt: die Frage, wer Hertha in der kommenden Saison trainiert.

Bleiben die Berliner in der Fußball-Bundesliga, bleibt auch Friedhelm Funkel Trainer. Das ist sicher, da vertraglich geregelt. Steigt Hertha ab, muss Funkel gehen. Oder etwa doch nicht? Nachdem der Trainer in der vergangenen Woche eine Art Bewerbung für die Zweite Liga abgegeben hatte, kündigte Manager Michael Preetz an, dass man sich „für diesen Fall am Ende der Saison zusammensetzen“ werde. Weil das Zwischenstadium, in dem sich Hertha BSC gerade befindet, immer auch die Zeit ist, in der die Zwischentöne eine eigene Melodie ergeben, klang plötzlich vieles nach einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem mäßig erfolgreichen Trainer. In Herthas Präsidium hat das einiges Erstaunen hervorgerufen. Wollte nicht sogar Preetz Funkel nach der Niederlage gegen Nürnberg entlassen? Woher also die unerwartete Wende? Die Unklarheiten sind inzwischen ausgeräumt, heißt es aus dem Verein: Steigt die Mannschaft ab, muss Funkel gehen.

Bliebe die Frage, wer dann sein Nachfolger wird. Dass es längst Überlegungen zu dieser Personalie gibt und verschiedene Kandidaten intern gehandelt werden, ist klar. Die Detailplanung (inklusive Verhandlungen mit dem neuen Mann) darf offiziell aber erst in dem Moment beginnen, in dem der Abstieg auch rechnerisch feststeht, frühestens also nach dem kommenden Spieltag. Das würde sie dann auch unverzüglich, ohne Rücksicht auf den noch unter Vertrag stehenden Funkel. Aus zwei Gründen soll die Trainerfrage so schnell wie möglich geklärt werden: zum einen um die Personalplanung für die kommende Saison endlich voranzutreiben; und zum anderen um den Fans nach Monaten des Darbens mal wieder eine erfreuliche Nachricht präsentieren zu können. Spätestens zur – vermutlich turbulenten – Mitgliederversammlung Ende Mai soll daher feststehen, wer Herthas Profis in der kommenden Saison betreut.

Dem neuen Trainer kommt bei der Zusammenstellung des Zweitligakaders eine Schlüsselrolle zu. Dass vom derzeitigen Personal etliche Spieler Hertha verlassen werden, steht außer Frage. Wer gehen darf oder muss, soll jedoch der neue Coach mitbestimmen. Zwölf Verträge (Drobny, Ochs, Gäng, von Bergen, Pejcinovic, Hubnik, Kobiaschwili, Kringe, Cicero, Dardai, Piszczek, Gekas) laufen ohnehin aus. Die anderen gelten ausschließlich für die Bundesliga, können von Hertha aber zu den bestehenden Konditionen verlängert werden – und sei es nur zu dem Zweck, noch eine Ablöse zu erzielen.

Manager Preetz hat schon vor Wochen alle weiteren Verhandlungen ausgesetzt, solange die sportliche Situation nicht abschließend geklärt ist. Einzig der junge Ersatztorhüter Sascha Burchert hat seinen Vertrag bisher verlängert. Einige Spieler – Pal Dardai, Lewan Kobiaschwili, Marc Stein und Artur Wichniarek – haben zumindest angedeutet, dass sie sich einen Verbleib bei Abstieg vorstellen können, zu den marktüblichen Konditionen. Als möglicher Neuzugang gilt Gerhard Tremmel, der Energie Cottbus auf jeden Fall verlassen wird. „Mal sehen“, sagt der Torhüter, der von 2004 bis 2006 bei Hertha unter Vertrag stand, zu solchen Meldungen.

Es ist wohl nicht mehr als eine Spekulation, wie es so viele gibt in diesen Tagen und Wochen: Jeder halbwegs interessante Berliner Spieler wird derzeit mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht: Jaroslav Drobny mit Stuttgart, Hoffenheim und Klubs aus dem Ausland, Gojko Kacar mit Wolfsburg, Hamburg und Vereinen aus Italien, Raffael mit Leverkusen, Dortmund und Köln, Adrian Ramos mit Stuttgart und Arne Friedrich mit Wolfsburg und – ganz frisch – dem Hamburger SV, mit dem er angeblich schon einig sei. Herthas Kapitän sagt dazu, es habe keinen Kontakt gegeben: „Ich konzentriere mich auf die Mission Klassenerhalt.“

Den Spielern geht es im Moment nicht anders als Hertha. Oder wie Manager Michael Preetz es ausdrückt: „Sie sind nicht unbedingt in der Lage, Entscheidungen zu treffen.“ Am Samstag könnte sich das ändern – für beide Seiten.

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