Bundesligisten im Test (1) : Die Liga wird wieder Hertha
25.07.2011 16:59 UhrAm 5. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir von nun an täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute zum Start: Aufsteiger Hertha BSC.
Was hat sich verbessert?
Die Liga. „Die Ansprüche steigen“, lautet das neue Mantra von Trainer Markus Babbel. In der Zweiten Liga hat Hertha BSC viele Spiele über die individuelle Qualität gewonnen, das wird gegen Mannschaften wie Dortmund und Bayern München schwer. Um mithalten zu können, hat Hertha vier erstligaerprobte Neuzugänge verpflichtet.
Im Tor dürfte Thomas Kraft ein leistungstechnisches Upgrade zum mitunter wackligen Aufstiegskeeper Maikel Aerts sein, war aber bei Bayern München auch mitunter wacklig zwischen den Pfosten. Maik Franz könnte in der Innenverteidigung Roman Hubnik oder Kapitän Andre Mijatovic verdrängen, was wiederum Unruhe bringen dürfte – und Probleme mit den Schiedsrichtern. Andreas Ottl, ebenfalls vom FC Bayern, ist ein technisch guter Mittelfeldabräumer, muss allerdings mit Peter Niemeyer oder Fabian Lustenberger um seinen Platz ringen. Der spielstarke Tunay Torun kann ein Gewinn auf praktisch jeder Offensivposition sein, aber mit seinen wilden Dribblings auch in praktisch jeder Defensivposition hängenbleiben.
Wer sind die Stars?
Neben den Neuen logischerweise die Alten. Der Kolumbianer Adrian Ramos war zwei Spielzeiten in Folge Herthas Toptorschütze, er könnte es nun ein drittes Mal werden. Oder Pierre-Michel Lasogga löst ihn ab, wenn er den nächsten Entwicklungsschritt macht. Dass Hertha mit beiden verlängern konnte, war wichtig. Auch Raffael wäre in dieser Rubrik zu nennen. Doch wenn der Brasilianer nicht beständiger und torgefährlicher wird, läuft er Gefahr, dass sein gelegentlicher Bankstatus der vergangenen Saison auf „dauerhaft“ abgestuft wird.
Wer hat das Sagen im Verein?
Michael Preetz. Er hat Hertha Demut, Ruhe und Kiezverbundenheit verordnet, und damit den Eindruck seines ersten Dienstjahres, das gleichzeitig Abstiegsjahr war, wieder wettgemacht. Nach dem Aufstieg sicherte er Hertha vier von vielen Vereinen umworbene Verstärkungen und mistete erfolgreich den Kader aus (den er allerdings zuvor mit zugemistet hatte). Trainer Markus Babbel spricht sich eng mit ihm ab. Das ist auch ratsam, wenn er seine erste komplette Saison als Bundesliga-Cheftrainer durchstehen will. Dazu müsste der Mann mit dem neuen Wikinger-Tattoo auch zeigen, dass seine Mannschaften nicht nur Motivation, Wille und Fitness auszeichnet, sondern auch ein spielerisches Konzept.
Wie steht es um die Finanzen?
Nicht gut. Aber besser, als es bei einem Nichtaufstieg ausgesehen hätte. Nach der Acht-Millionen-Euro-Finanzspritze eines Investors betragen die Schulden jetzt offiziell „nur“ noch 31 Millionen Euro. Irgendwann müsste man die mal abtragen, aber wann nur? Keiner der Neuen kostete Ablöse, für einen flinken Linksverteidiger wie Malik Fathi war trotzdem kein Geld da. Obwohl der Berliner Etat mit 54 Millionen Euro so hoch ist wie der von Mainz 05. Die spielen im Europapokal.
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