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Hertha-Trainer Luhukay : Der Mann mit dem halben Lächeln

01.07.2012 00:00 Uhrvon
Erst Trainer Jos Luhukay brachte Hertha wieder auf Kurs - allerdings in der Zweite Liga. Foto: dapdBild vergrößern
Erst Trainer Jos Luhukay brachte Hertha wieder auf Kurs - allerdings in der Zweite Liga. - Foto: dapd

Das Etikett scheint schon beschriftet: Der nette Herr Luhukay - freundlich, klein, introvertiert, zurückhaltend und recht entspannt. Aber Herthas neuer Trainer könnte auch ganz andere Seiten an den Tag legen. Wer ihn trifft und beobachtet, entdeckt einen unter Hochspannung stehenden Akribiker

Die zweite Halbzeit geht gleich los. Ein Freundschaftsspiel Hertha BSC gegen Berliner SC, auf einem Sportplatz in Reinickendorf. Im Hintergrund sonnen sich die Hochhäuser des Märkischen Viertels, aus den Boxen dröhnt Volksfestmusik, das Ausflugspublikum steht auf den Aschelaufbahnen für Bratwurst und Zapfbier an. Nur einer nimmt das hier todernst: Jos Luhukay steht vor der bunt besprühten Umkleidebaracke, mit ausgestreckten Armen und dreht die Hüften, mal links-, mal rechtsherum. Neben ihm lauscht Sebastian Neumann, der Trainer erklärt dem Nachwuchsverteidiger, wie er sich gegen seinen wendigen Gegenspieler zu verhalten hat.

Es geht Luhukay um Details.

Deshalb schreibt er auf seiner Trainerbank auch Notizen, von einem Spiel Zweit- gegen Sechstligist, das für Hertha nicht mehr ist als eine Trainingseinheit in Trikots. Nach dem Abpfiff strömen die Leute zur Bank und wollen Autogramme. Luhukay knipst plötzlich ein Lächeln an, das so lässig ist, als wären die Erinnerungsfotos seine eigenen Urlaubsbilder.

Im Zwiegespräch wirkt Jos Luhukay ebenfalls locker, oberflächlich betrachtet. Er hat seinen nur 1,67 Meter großen Körper in einen Ledersessel geworfen, die Beine übergeschlagen, einen Arm über die Lehne gelegt und lächelt. Aber die weißen Zähne zeigt er nie so ganz unter der schnauzbartbesäumten Oberlippe, es ist ein halbes Lächeln. Und auch die scheinbar lockere Pose wird von solch einer Körperspannung gehalten, dass er eine Viertelstunde unbewegt so sitzen kann, bevor er die Position wechselt.

Er duzt Menschen sofort, aber schaut ihnen selten direkt in die Augen und wahrt die Distanz. Luhukay, seit einer Woche Hertha-Trainer, ist ein Mischwesen: Er hat das locker-freundliche Auftreten, das vielen Niederländern zugeschrieben wird, und die misstrauische Selbstbeherrschung, die viele deutsch nennen würden. „Deutsch oder holländisch, darüber rede ich nicht gerne“, sagt der 48-Jährige, der seit fast 20 Jahren auf der anderen Seite der Grenze arbeitet. Seine Stimme ist ruhig und warm, nur der holländische Dialekt lässt sie gelegentlich ausschlagen. „Wichtig ist eine Philosophie, die den Menschen Freude macht und den Spielern Spaß bereitet.“

Was Luhukay damit meint, ist auf dem Platz so zu sehen: Der frühere Mittelfeldspieler, ein begnadeter Techniker, macht alles vor, jede Fußgelenkdrehung, fast jede Einheit findet mit Ball statt. Er lasse auch schon mal zum Takt von Musik trainieren, berichten ehemalige Spieler, trotzdem sei man danach konditionell fit wie nie zuvor.

Luhukay bezeichnet sich selbst als Straßenfußballer. Der Sohn eines indonesischen Einwanderers von den Molukken und einer Holländerin schnappte sich früher „nach jedem Essen den Ball, um auf der Straße zu spielen“. Wenn er über Fußball in all seinen Details redet, wird seine Stimme schneller und lauter, er spricht gerne darüber und ungern über anderes. „Ich bin von klein auf nur mit Fußball beschäftigt gewesen und das ist in meinem Alter immer noch so.“

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