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Michael Preetz im 11Freunde.de-Interview : "Es wurde viel Unfug geredet"

19.12.2012 15:46 Uhrvon
Michael Preetz, 45, ist seit Sommer 2009 Manager bei Hertha BSC. In seine Amtszeit fallen zwei Bundesliga-Abstiege und ein Aufstieg. In der aktuellen Zweitliga-Saison überwintert Hertha auf Tabellenplatz zwei. Foto: dpaBild vergrößern
Michael Preetz, 45, ist seit Sommer 2009 Manager bei Hertha BSC. In seine Amtszeit fallen zwei Bundesliga-Abstiege und ein Aufstieg. In der aktuellen Zweitliga-Saison überwintert... - Foto: dpa

Hinter Hertha-Manager Michael Preetz liegt das härteste Jahr seiner sportlichen Laufbahn. Der 45-Jährige spricht im 11Freunde.de-Interview über die Skibbe-Entlassung, das Chaos-Spiel in der Relegation, Tiefschläge aus dem Präsidium und Herthas schlechten Leumund beim DFB.

Michael Preetz, das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu. War es ein gutes oder ein schlechtes Jahr? 

Auf jeden Fall das intensivste Jahr meiner sportlichen Karriere. Mit einem schlimmen ersten Halbjahr und einem versöhnlichen zweiten.

Gehen wir ein Jahr zurück: Wie haben Sie sich 2012 damals vorgestellt? 

Die Zielsetzung in der Saison 2011/12 war der Klassenhalt. Die Hinrunde war okay, wir haben zwar nicht durchgängig guten Fußball gespielt, aber doch solide Punkte gesammelt. Deswegen war ich im Winter überzeugt, dass wir unser Ziel erreichen und die Mannschaft wie geplant weiter entwickeln können.

Aus der aktuellen Perspektive könnten Sie sagen: Es ist viel schöner um den Zweitligaaufstieg zu kämpfen, als im Oberhaus im Abstiegskampf zu stehen? 

Natürlich macht es tendenziell mehr Spaß viele Spiele zu gewinnen als wenige. Aber für mich als ehemaliger Profisportler geht es darum, mich mit den Besten zu messen. Und für Hertha BSC gibt es dauerhaft keinen anderen Platz im deutschen Fußball als die 1. Bundesliga. Auch wenn klar ist, dass wir in unserer wirtschaftlichen Lage in der ersten Liga deutlich weniger Spiele gewinnen würden. Aber dem Druck stelle ich mich gerne. Zumal ein Zweiligajahr schlicht einen Einnahmeverlust von rund fünfzig Prozent bedeutet.

Sie sind auf einem guten Weg. So wie Jos Luhukay im Sommer prophezeit hat: Nach einem holprigen Start wird es seit Oktober immer schwerer Hertha BSC zu schlagen. 

Alles schön und gut. Wir haben allerdings auch in der Hinrunde 2011/12 Kurs Richtung Klassenerhalt gehalten. Und das Ende ist bekannt. Was lernen wir daraus?

Den Tag nicht vor dem Abend loben. 

Richtig. Danke, dass Sie diese Weisheit benutzen. Auch wenn es sich gegenwärtig sehr gut anfühlt. Die Abrechnung, um die es hier geht, ist erst im Mai zu erwarten.

Es gibt wenige Bundesligamanager, deren Rücktritt über einen so langen Zeitraum so vehement öffentlich gefordert wurde wie Ihrer in diesem Jahr. Hat 2012 Wunden hinterlassen? 

Die ersten Monate waren hart. Ich bin hier verantwortlich, stehe vorne dran und war teilweise auch zurecht in der Kritik. Dennoch kann ich Ihnen auf die Frage gar keine konkrete Antwort geben, da durch die eng getaktete Abfolge der Ereignisse seither gar keine Zeit war, die Dinge wirklich zu verarbeiten.

Was ist beim Abstieg schief gelaufen? 

Zum Jahreswechsel 2011/12, aber auch schon vorher, sind Dinge passiert, die von Vorneherein nicht planbar waren. Wenn dann kurz nacheinander zwei Trainer entlassen werden, muss ich mich der Verantwortung stellen. Allerdings hat mich die Art des Umgangs schon gewundert. Das hatte einen Härtegrad, den ich so noch nicht kannte. Und doch habe ich durch viele Widerstände in meiner Profilaufbahn eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Kritik, die mich halbwegs unbeschadet durch diese Phase geführt haben.

Sind Sie in den Wochen, als es um den Abstieg ging, auch mal von Wildfremden angeblökt worden? 

Nein, die Geschichten auf der Straße, das Pöbeln, kenne ich nur noch aus meiner Zeit als Spieler. Als Manager kann ich mich nicht daran erinnern, was vielleicht auch daran liegt, das sich in so einer Phase ohnehin das Gefühl in einem breit macht, die Leute würden mich anders ansehen als sonst.

Sind Sie im Präsidium mal härter angegangen worden? 

Nein, die Leute, die nicht hinter mir und meiner Arbeit standen, haben es vorgezogen, ihre Kritik über die Zeitungen zu äußern, statt es mir direkt ins Gesicht zu sagen. Was wohl auch damit zusammenhing, dass die meisten im Präsidium – angeführt von Werner Gegenbauer – Einigkeit bezüglich meiner Person demonstrierten.  

Vize-Präsident Jörg Thomas und die Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter drangen unabhängig voneinander auf Ihre baldige Ablösung. 

Davon habe ich nur in der Zeitung gelesen. In der letzten Saison haben wir uns alle zwei Wochen turnusmäßig mit dem Präsidium getroffen, aber da gab es keine einzige offene Auseinandersetzung. Einige versuchten wohl die Gunst der Stunde zu nutzen, um Wahlkampf zu machen. In einer Zeit, wir reden über März, April 2012, in der wir noch alle Chancen hatten, unser Saisonziel zu erreichen. In einer sportlich schwierigen Zeit, in der es eklatant wichtig gewesen wäre, Geschlossenheit im Verein, nach innen, aber besonders auch nach außen, zu demonstrieren. Was schade war, weil so der ohnehin vorhandene Flächenbrand weiter befeuert wurde.

Wären Sie noch im Amt, wenn der Hertha-Präsident nicht Werner Gegenbauer hieße? 

Ihre Frage ist sehr hypothetisch, aber wenn sie das nicht wäre, würde zweifelsohne vieles dafür sprechen, dass ich es wohl nicht mehr wäre.

Das heißt? 

Dass es in der Fußballbranche nur wenige Leute wie Werner Gegenbauer gibt, die das Rückgrat besitzen, an Leuten festzuhalten, wenn sie von ihnen überzeugt sind. Es gibt viele, die in Extremsituationen opportun sind und Führungskräfte opfern, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Der Präsident hätte mehrfach in diesem Jahr Gelegenheit dazu gehabt, er hat es aber nicht gemacht.

Wie belastend war die Situation in der Abstiegssaison für Ihre Familie? 

Ich habe eine knapp 16-jährige Tochter, bei der in der Schule jeder weiß, was der Vater beruflich macht. Ist doch klar, dass da auf dem Schulhof und in den sozialen Netzwerken solche Dinge diskutiert werden. Meine Tochter hat in dieser Phase sehr schnell und unmissverständlich lernen müssen, wer ihre wirklichen Freunde sind und wer nicht.

Wieviel haben Sie davon mitbekommen? 

Das war fast das Schlimmste an der Situation. Während die berufliche Lage sehr angespannt war, blieb mir kaum Zeit, mich mit der Familie darüber auszutauschen, wie es ihr dabei geht. Da fühlt man sich gleich doppelt schlecht, es läuft weder beruflich rund, noch konnte ich mich in ausreichendem Maße um die Familie kümmern.

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