Hertha : Burik: Zwölf Zeilen für zehn Jahre

Illoyal, weil der Vater den Boatengs einen Vereinswechsel empfohlen hat? Hertha BSC und Dick van Burik gehen getrennte Wege.

Michael Rosentritt
Burik
Ende einer Ära: Dick van Burik verlässt Hertha BSC. -Foto: ddp

BerlinAm Ende ging alles relativ emotionslos über die Bühne. Eine Ära endete mit einer zwölfzeiligen Pressemitteilung des Vereins. Hertha BSC und Dick van Burik werden den bis zum 30. Juni 2008 bestehenden Vertrag auflösen, steht dort geschrieben. Zehn Jahre war Dick van Burik Stammspieler beim Berliner Bundesligisten. Und dann dieses Ende. Van Burik, etwas blass im Gesicht, verließ gestern Nachmittag die Geschäftsstelle, bestieg wortlos sein Auto und brauste davon.

Die Trennung hatte sich in den vergangenen Tagen angedeutet. Nach einem weiteren 45-minütigen Gespräch zwischen Manager Dieter Hoeneß und van Burik gegen Mittag des gestrigen Tages hatte sich der langjährige Abwehrchef eine Bedenkzeit erbeten, die ihm der Verein gewährte. Am Nachmittag dann vermeldete der Berliner Bundesligist schriftlich Vollzug. Ungeklärt blieben die Bedingungen, unter denen es zur Vertragsauflösung kommt. Bisher konnte keine Einigung erzielt werden. Unabhängig davon wird der 33 Jahre alte Holländer nicht mehr am Trainingsbetrieb teilnehmen. Hoeneß war gestern nicht zu erreichen.

Als einen der Gründe für die Trennung gibt der Verein die Einschätzung des neuen Trainers Lucien Favre über die sportliche Perspektive van Buriks an. Vor allem aber dürfte dem Verein die Beratertätigkeit seines Vaters aufgestoßen sein. Karel van Burik berät neben seinem Sohn auch die Hertha-Profis Kevin und Jerome Boateng. Letzterer hatte jüngst eine von Hertha erwünschte Vertragsverlängerung abgelehnt. Der Hamburger SV soll dem Spieler ein mehr als doppelt so hoch dotiertes Angebot unterbreitet haben. Hertha glaubt, dass Dick van Burik sich illoyal dem Verein gegenüber verhalten hat, indem er Boateng einen Vereinswechsel empfohlen haben soll. „Die Vorwürfe sind lächerlich. Man sollte die Entscheidung meines Bruders, seinen Vertrag bei Hertha nicht zu verlängern, akzeptieren“, hatte Kevin Boateng zuvor erklärt. Kevin und Jerome erschienen gestern nicht zum Nachmittagstraining, beide hatten Behandlungstermine.

„Ich bedauere die Entscheidung. Das ist sportlich und menschlich ein Verlust“, sagte Mannschaftskapitän Arne Friedrich. Er wisse aber nicht, was hinter den Kulissen gelaufen sei.

Mit dem Abschied von Dick van Burik endet eine Ära. Der Holländer war direkt nach dem Aufstieg in die Bundesliga im Sommer 1997 zu Hertha gekommen. In dieser Zeit absolvierte van Burik 245 Bundesliga- und 26 Europapokalspiele für die Berliner und kickte zusammen mit Akteuren wie Rekdal, Sverrisson, Roy, Preetz, Wosz, Alves und Deisler. Van Burik, der die berühmte Fußballschule von Ajax Amsterdam durchlief, zählte stets zum Stammpersonal. Außerhalb des Feldes war er immer mal wieder mit Manager Dieter Hoeneß aneinandergeraten. Van Burik ließ sich nie den Mund verbieten, Missstände sprach er offen an. Er war einer der wenigen Spieler, der sich auch in sportlichen Krisenzeiten den Medien stellte.

Auch ohne Kapitänsbinde, die er zwischenzeitlich trug, hatte sein Wort innerhalb der Mannschaft Gewicht. Seine dominante Stellung stellte er über Jahre in den Dienst der Mannschaft. Von der Vereinsführung war es seit Jahren ausdrücklich erwünscht, dass er den jungen Spielern als Ratgeber zur Seite steht. Für sie galt als Vorbild für Professionalität.

Dieses Kapitel ist nun beendet. Wo und ob überhaupt van Burik seine sportliche Karriere fortsetzt, ist offen. Fraglich ist auch, wie Hertha die Vakanz im Team auszugleichen gedenkt.

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