Hertha-Cottbus : Dieser Weg wird kein leichter sein

Gegen Außenseiter wie Cottbus hat Hertha noch Probleme, die Vorgaben eines schnellen Spiels umzusetzen. Manager Dieter Hoeneß erwartet dennoch ''schlicht einen Sieg''.

Michael Rosentritt
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Einen Kopf zu spät. Herthas Tobias Grahn zog nicht nur gegen Schalkes Bordon den Kürzeren. -Foto: ddp

BerlinWenn es einen Satz gibt, der sich wie ein Mantra über Hertha BSC gelegt hat, dann ist es dieser: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wann immer sich Spieler, Trainer oder Funktionäre des Berliner Fußball-Bundesligisten öffentlich äußern, fällt dieser Satz. „Wir sind auf einem guten Weg“ – lässt sich immer sagen. Nach Siegen, auch nach Niederlagen. Nach dem 0:1 bei Schalke 04 sagte etwa Arne Friedrich, der Mannschaftkapitän: Man dürfe keine Wunderdinge erwarten, „wir sind aber auf einem guten Weg“. Für die Berliner war es die zweite Niederlage in Serie, die vierte insgesamt, und es darf schon gefragt werden, wie gut der Weg wirklich ist, auf dem sich Hertha wähnt.

Wenn Hertha heute Energie Cottbus im Olympiastadion empfängt, erwartet Manager Dieter Hoeneß „schlicht einen Sieg“. Bislang ist die Saisonbilanz geteilt: Vier Siegen stehen vier Niederlagen gegenüber. Während Trainer Lucien Favre sich im Ungefähren ausdrückt („Wir müssen jetzt reagieren“), wird Ur-Mittelfeldspieler Pal Dardai griffig: „Wir haben drei Heimspiele gewonnen und das letzte verloren. Es wird Zeit, dass wir wieder anfangen, drei Spiele zu gewinnen.“

Vor allem die drei Spiele der vergangenen Woche haben der neu zusammengestellten Hertha zugesetzt. Nur drei von neun möglichen Punkten waren die Ausbeute. „Wenn ich ein Fazit dieser Woche ziehen soll, dann ärgert mich nur die Niederlage gegen Rostock. In Schalke, gegen so eine starke Mannschaft, kann man verlieren“, sagte Dieter Hoeneß. Man kann sich diesem Urteil anschließen.

Wenn es optimal läuft für Hertha, wenn die Spieler ein Maximum der Vorgaben des Trainers umsetzen, können Mannschaften wie der VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund bezwungen werden. Dann spielt Hertha mutig und gut ausbalanciert nach vorn, kreiert Torchancen und lässt bei hoher Organisation dem Gegner wenig Raum. Dortmund ist eine Mannschaft, die sich in etwa auf dem Entwicklungsniveau Herthas befindet; im günstigsten Fall können solche Klubs im Kampf um die Uefa-Cup-Plätze eingreifen. Gegen Rostock aber, einen Abstiegskandidaten, musste Hertha erfahren, dass die Mechanismen, die der Methodiker Lucien Favre zu automatisieren versucht, nicht im Selbstlauf funktionieren. Hansa entzauberte die Berliner mit Einsatzwillen, Kämpfertum und Laufbereitschaft. Diese Erkenntnis bezahlte Hertha mit einer bitteren Heimniederlage, die aufzeigt, dass Hertha auch schnell einen nicht so guten Weg einschlagen kann.

Die verschmerzbare Niederlage in Gelsenkirchen, bei einem Champions-League-Teilnehmer, zeigte lediglich auf, dass selbst ein guter Weg für Hertha nach oben Grenzen hat. Spitzenmannschaften wie Schalke haben den Berlinern neben der Spielerqualität noch physische und spielerische Konstanz voraus. Schalke holte neun Punkte aus den drei letzten Spielen und blieb ohne Gegentor. Schalke kann nicht der Maßstab für Hertha sein. Noch nicht.

Manager Hoeneß hat am ersten Septembertag seinen Drei-Stufen-Plan formuliert. „In diesem Jahr wollen wir einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, im nächsten Jahr den Uefa-Cup, im übernächsten Jahr wollen wir die Champions League angreifen.“ Der Verein hat in der jüngeren Vergangenheit durchaus wechselhafte Erfahrungen gemacht mit Saisonzielen. Das führte so weit, dass Hoeneß in der vergangenen Saison darauf verzichtete, einen konkreten Tabellenplatz anzusteuern. Die Mannschaft sollte sich entwickeln. Am Ende landete sie auf Rang zehn und zerfiel. Auf die Frage, warum Hoeneß ohne Not jetzt gleich die Ziele für drei Spielzeiten ausrief, antwortete der Manager: „Ich glaube einfach daran.“

Lucien Favre wird in Berlin seine Aufbauarbeit fortsetzen – auch gegen Cottbus. Ansätze bieten sich viele, nicht nur was die taktische Ausreifung anbelangt. Wichtig wird auch sein, die neuen Spieler schnell an die Rhythmik der Bundesliga zu gewöhnen. Vor allem trifft das auf den Schweden Tobias Grahn und den Brasilianer André Lima zu. Bisher haben die Neuen die Qualität der Mannschaft noch nicht nachhaltig heben können.

Hertha wähnt sich auf einem guten Weg. Eine positive Leitmelodie hat der Verein schon gefunden. Nun muss sie richtig und konzentriert gespielt werden. Gerade gegen Außenseiter wie Cottbus.

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