Sport : Hertha: Der bessere Alves

Frank Kohl

Die 15,2 Millionen Mark für Alex Alves waren eine Fehlinvestition. So viel ist klar. Am liebsten würde Hertha BSC den Stürmer sofort wieder nach Brasilien zurückschicken. Dort ist er schon vielen Vereinen angeboten worden und hatte sich auch selbst erfolglos über brasilianische Zeitungen ins Gespräch gebracht. Doch das heißt nicht, dass Hertha von Brasilianern nun genug hat. Im Gegenteil. Schließlich haben die großen Drei der Bundesliga - Bayer Leverkusen, Bayern München, Borussia Dortmund - zuletzt gute Erfahrungen mit Brasilianern gemacht. Und schließlich hat Marcelinho in dieser Saison bewiesen, dass sich Brasilianer auch in Berlin wohl fühlen und bei Hertha Leistung bringen können.

Herthas Handlungsreisender heißt Rudi Wojtowicz (siehe Interview). Der ehemalige Profi trägt jetzt den Titel Chefscout und ist oft in Südamerika unterwegs. Eine seiner Entdeckungen ist ein Mann, der ebenfalls den Namen Alves trägt, Guilherme de Cassio Alves, in Brasilien als "Guilherme" bekannt. Der Preis für den Stürmer soll 13,6 Millionen Mark betragen. Hertha ist interessiert, das hat sich in Brasilien längst rumgesprochen, obwohl der Verein das offiziell dementiert.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Alexandre Kalil, Präsident von Guilhermes Verein Atletico Mineiro bestätigte, dass ein Kontakt zwischen den Vereinen besteht, wollte aber keine Einzelheiten berichten. "Am Montag ist erstmals ein Vertreter von Hertha BSC an uns herangetreten, hat sich über Guilherme informiert und das Interesse aus Berlin bekundet, in den kommenden Tagen werden wir uns an einen Tisch setzen." Gleichzeitig signalisierte er die Bereitschaft an einem Verkauf oder an einem Tauschgeschäft zwischen Guilherme und Alex Alves. Kalil sagte: "Wenn aus Deutschland ein gutes Angebot vorliegt, kann das Geschäft ohne Probleme abgeschlossen werden."

Die Berliner ihrerseits brauchen dringend einen Stürmer, nicht nur wegen des Flops Alves, sondern auch wegen Michael Preetz, dessen Karriere zu Ende geht. Der 27-jährige Stürmer bringt alle Voraussetzungen mit, um die zentrale Sturmposition einzunehmen. Dort ist Guilherme kaum vom Ball zu trennen. Mit seiner Größe von 1,83 Meter und seinen 82 Kilo Körpergewicht beherrscht er in Brasilien die Sechzehnmeterräume. In der aktuellen Spielzeit hat er in 49 Spielen 33 Tore geschossen. Der torgefährliche Guilherme zeichnet sich durch Einsatzbereitschaft und Spielintelligenz aus, einziges Defizit ist die fehlende Antrittsschnelligkeit.

Im Gegensatz zu dem Berliner Alves ist Guilherme kein ballverliebter Fußballartist. Seine Karriere hat er 1993 beim FC Sao Paulo begonnen, ehe er drei Jahre lang bei Rayo Vallecano in Spanien spielte. 1997 wechselte er wieder nach Brasilien zu Gremio zurück. Seinen Durchbruch aber schaffte er 1999 bei Atletico Mineiro, als er in 27 Spielen 28 Tore erzielte. Im selben Jahr war er erstmals in die brasilianische Nationalelf berufen worden. Nationaltrainer Felipe Scolari nominierte Guilherme im Sommer dieses Jahres für die Amerika-Meisterschaft in Kolumbien. Den Mann, den er dabei ersetzte, trägt einen prominenten Namen: Giovane Elber. Noch so eine Empfehlung für Guilherme.

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