Sport : Hertha: Der Verein lässt sich nicht drängen

Klaus Rocca

Auch vor laufenden Fernsehkameras ließ er sich nichts entlocken. Doch es war zu spüren, dass ihm dieses Thema so unangenehm nicht ist. Wen wundert es. Es muss Jürgen Röber schmeicheln, als Nachfolger des zukünftigen Bundestrainers Christoph Daum ins Gespräch gebracht zu werden, der Bayer Leverkusen fast zur Meisterschaft geführt hätte. Natürlich wehrt er ab, spricht nur von Gerüchten, doch an denen ist bekanntlich meist etwas dran.

Böse Zungen meinen, Röber habe die Sache selbst ins Rollen gebracht. Gemeinsam mit jener Boulevard-Zeitung, die so gern Aktionen inszeniert. Längst ist bekannt, dass Röber unzufrieden ist. Unzufrieden, dass sein Vertrag bei Hertha BSC noch nicht verlängert wurde. Sein Kontrakt, erst im Februar 1999 neu unterzeichnet und pro anno mit angeblich rund 1,7 Millionen Mark dotiert, läuft noch bis zum Juni 2001, doch Röber will längerfristig planen. Was liegt näher, als das Präsidium unter Druck zu setzen.

Das ist ihm offenbar nicht gelungen. Gelassen wehrt das Gremium jeden Aktionismus ab. "Wir haben vereinbart, über eine Vertragsverlängerung erst in der Winterpause zu sprechen", sagt Vizepräsident Jörg Thomas. Und Manager Dieter Hoeneß ergänzt: "Ich habe hier in Kaprun die Angelegenheit vor der Meldung aus Leverkusen mit Jürgen Röber besprochen. Er weiß, dass da derzeit unsererseits kein Handlungsbedarf besteht."

Auch nicht seitens des Aufsichtsrates. Der tagt zwar am kommenden Dienstag, doch der "Fall Röber" ist dabei nur ein Nebenaspekt. Man werde auch über den Trainer sprechen, doch "wir sehen keine Veranlassung, das Präsidium zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung zu drängen", sagte dessen Vorsitzender Rupert Scholz. Einigkeit also bei beiden Gremien. Wobei allein das Präsidium für die Trainerfrage zuständig ist, der Aufsichtsrat kann laut Satzung lediglich Empfehlungen aussprechen. Vorbei sind die Zeiten, da ein Aufsichtsratsvorsitzender (Robert Schwan) in Unkenntnis der Sachlage Röber entlassen wollte.

Die Zurückhaltung von Präsidium und Aufsichtsrat ist verständlich. Schließlich will man erst einmal abwarten, wie sich Leistung und Niveau der Mannschaft bis zur Winterpause entwickeln. Aus der Unzufriedenheit über den (auch von Röber zugestandenen) unattraktiven Fußball in der gerade abgelaufenen Saison haben die Verantwortlichen kein Hehl gemacht. Nicht von ungefähr hat Röber für diese Saison "wesentlich sehenswerteren" Fußball versprochen. Dass er mit seinem Assistenten Bernd Storck in Kaprun ein vielseitigeres und anspruchsvolleres Training anbietet, wird in den Führungsgremien mit Wohlwollen registriert.

Möglicherweise will Röber auch dem Vorwurf begegnen, in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft gebe es gewisse Abnutzungserscheinungen. Immerhin hält sich der 46-Jährige bereits seit dem 1. Januar 1996 im Traineramt bei Hertha. In dieser Zeit stand er allerdings mehrmals auf der Kippe und entging dem vorzeitigen Rausschmiss nur durch rechtzeitige Erfolge, durch das Votum der Fans und den Einsatz von Dieter Hoeneß. Länger im Traineramt bei Hertha BSC war nur Helmut Kronsbein.

Gegen einen Ortswechsel Röbers im nächsten Jahr spricht, dass er gerade eine große Wohnung am Gendarmenmarkt bezogen hat. Auch betont er immer wieder, Berlin sei eine "phantastische Stadt", und er wolle in naher Zukunft gern die Früchte seiner Arbeit ernten. Soll wohl heißen, dass er Hertha zur Deutschen Meisterschaft führen möchte. In der kommenden Saison sei das allerdings noch Illusion.

Röber hat auch immer wieder betont, wie sehr ihn die Aufgabe in Berlin fasziniere. Anfangs, sagt der Hertha-Trainer, hätten ihn die Fußballfans in Berlin nur mitleidig belächelt, inzwischen hätten sie aber erkannt, was aus ihrer Hertha geworden sei. Gleichzeitig beklagte er aber die enorme Erwartungshaltung: "Der Berliner will immer gleich alles. Läuft es mal nicht nach Wunsch, verfällt er gleich ins Negativ-Extrem." Auch mit der "oft überzogenen" Polarisierung der Medien kam er zeitweise nicht zurecht. "Inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt", sagt Röber.

Übrigens: Röber hat Daum schon einmal beerbt, 1993 beim VfB Stuttgart. Zwei Jahre später wurde er ebenso wie Dieter Hoeneß entlassen.

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