Hertha-Dortmund : 90 Minuten mit Marko Pantelic

Wie Herthas Stürmer das Spiel gegen den BVB erlebte.

Sven Goldmann
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Marko Pantelic -Foto: dpa

BerlinVor einer Woche ist Marko Pantelic 29 Jahre alt geworden. Das ist ein reifes Alter für einen Stürmer, aber Herthas Trainer Lucien Favre will ihm noch etwas beibringen. Das Schießen mit dem linken Fuß, den Pantelic für gewöhnlich nur zum Halten des Gleichgewichts nutzt. „Wir üben das im Training“, sagt der Perfektionist aus der Schweiz, „Marko ist jung genug, das noch zu lernen“ , ein besser Teamspieler sei er ja auch schon geworden. Das zeigt Pantelic gleich in der ersten Minute, mit schönem Pass auf Ebert. Der schießt hart und platziert – an den Pfosten.

Es sind solche Szenen, die den neuen Marko Pantelic auszeichnen. Den, der nicht mehr nur für den eigenen Erfolg spielt, sondern auch für den der Kollegen. Wann immer es gefährlich wird für Dortmund, hat Pantelic seinen Fuß im Spiel. Seinen rechten Fuß. Lucios langen Diagonalpass nimmt er, hart bedrängt von Wörns und Kruska, perfekt an, schießt aber zu hoch. Fathis flache Eingabe jagt er im Fallen aufs Tor, Weidenfeller hält. Nach Dortmunds Führung durch Petric, die so gar nicht dem Spielverlauf entspricht, ist es Pantelic, der sofort Tempo macht. Ein Schuss von Simunic wird abgeblockt, Pantelic setzt nach, trifft den Ball aber nicht richtig, so dass Weidenfeller wieder das bessere Ende für sich hat.

Dann ist er wieder als Vorbereiter im Einsatz. Mit geschickter Körpertäuschung schickt er gleich drei Dortmunder auf den falschen Weg und zirkelt den Ball unter artistischer Verrenkung des rechten Fußes zu Dardai, dessen Rechtsschuss knapp vorbei geht. Der Ausgleich liegt in der Luft, erzielt wird er – natürlich von Pantelic. Eberts Freistoß bleibt in der Mauer hängen, Herthas Serbe ist schneller als alle Dortmunder und drischt den Ball (mit welchem Fuß wohl?) unter die Latte. Es ist sein viertes Saisontor. Keiner in der Bundesliga hat häufiger getroffen.

Zur zweiten Halbzeit kommt Pantelic als Letzter auf den Platz. Lima wartet geduldig am Anstoßpunkt, und schon geht es weiter in Richtung Dortmunder Tor. Gilbertos linker Fuß findet Pantelics rechten, Weidenfeller fliegt und wehrt ab, Lucio staubt ab zum 2:1. Dedé grätscht im Strafraum, Pantelic stürzt, eine Spur zu spektakulär, so dass der Elfmeterpfiff ausbleibt. Okoronkwos 3:1 ist so ziemlich die einzige torgefährliche Berliner Szene, mit der Herthas Mittelstürmer nichts zu tun hat. Dazu arbeitet er im eigenen Strafraum, grätscht in Höhe der Mittellinie, muntert den glücklosen Lima auf, er ist kurzum omnipräsent.

Marko Pantelic aber wäre nicht Marko Pantelic, fände nicht auch die Theatralik angemessenen Platz. An der Seitenlinie foult ihn Kruska. Pantelic stürzt, schreit, er hält sich den Kopf, der ganz gewiss nicht getroffen wurde. Die Zeit verrinnt, der Schiedsrichter lässt sie nachspielen und ermöglicht Pantelic so eine letzte Chance, er vergibt sie, dribbelnd mit dem rechten Fuß. Dann ist Schluss – und für den Perfektionisten Favre bleibt die beruhigende Erkenntnis, dass er auch seinem an diesem Tag besten Spieler noch etwas beibringen kann. Sven Goldmann

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