Hertha : Ein abgefälschter Sieg

Der Stürmer Marko Pantelic erzielt bei Herthas 2:1 in Duisburg beide Tore. Der Sieg spült den Hauptstadt-Klub auf Rang fünf der Tabelle.

Stefan Hermanns[Duisburg]
Pantelic
Umjubelter Matchwinner. Marko Pantelic schießt Hertha zum Sieg. -Foto: dpa

In der MSV-Arena zu Duisburg wird in der Halbzeitpause eine lokalpatriotische Hymne gespielt, in der die spröde Schönheit der Stadt im Ruhrgebiet besungen wird. Eine Zeile darin lautet „Montagmorgen raus ist einfach nur ein Graus“, aber um das Grausen in Duisburg zu erleben, kann man sich auch ein Fußball-Bundesligaspiel des MSV ansehen. Gestern jedenfalls wurde das montägliche Schrecken bereits vorweggenommen: in der Begegnung des Aufsteigers gegen Hertha BSC. Den Berlinern genügten einige wenige lichte Momente in der zweiten Hälfte, die Marko Pantelic mit zwei Toren zu einem letztlich verdienten 2:1 (0:0)-Erfolg vollendete. Es waren für die Berliner die ersten Auswärtstore in dieser Saison und im dritten Versuch der erste Auswärtssieg. „Wir stehen jetzt ordentlich da“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

In der ersten Halbzeit allerdings war bei den Berlinern wieder einmal wenig ordentlich, von ihrer Abwehrarbeit vielleicht einmal abgesehen. „Wir haben nicht gut gespielt“, sagte Trainer Lucien Favre. Die Duisburger bestimmten vor der Pause das Spiel, konnten sich jedoch trotz besten Willens keine klaren Chancen erarbeiten. Der biedere Aufsteiger offenbarte erschreckende fußballerische Unzulänglichkeiten. Doch Hertha schaffte es mühelos, sich dem dürftigen Niveau anzupassen. „Wir haben wieder die Fehler gemacht, die wir schon häufiger gemacht haben“, sagte Malik Fathi. Die Berliner standen zu tief, wechselten zu behäbig von der Abwehr in die Offensive und trauten sich nach vorne zu wenig zu.

Trotzdem war Herthas Mittelfeldspieler Pal Dardai zur Pause zuversichtlich. Zum einen weil Favre einige taktische Umstellungen vornahm. „Mehr ackern, mehr zeigen“ sollte die Mannschaft nach dem Willen des Trainers, berichtete Dardai. Zum anderen ahnte der Mittelfeldspieler, dass die Duisburger das hohe Tempo nicht durchhalten würden. Genauso kam es. Der MSV machte noch mehr Fehler, die entscheidenden nutzte Hertha. Nach einer Stunde verlor Duisburgs Tararache den Ball im Mittelfeld, Marko Pantelic schloss den folgenden Konter mit einem Schuss von der Strafraumlinie ab: Der Ball wurde noch abgefälscht und landete im Netz.

In der ersten Halbzeit hatte Pantelic eine sehr viel bessere Chance zur Führung kläglich vergeben: Nach einer Flanke von Patrick Ebert stand er völlig frei am Fünfmeterraum. Der Serbe aber schoss den Ball überhastet am Tor vorbei. „Es spricht für ihn, dass er danach den Biss hat, das Spiel alleine entscheiden zu wollen“, sagte Hoeneß. „Das zeigt seine Torjägerqualitäten.“ Nicht mal zehn Minuten nach dem 1:0 erzielte Pantelic auch das 2:0, erneut mit einem abgefälschten Schuss. „Wir haben beide Tore selber produziert“, sagte Duisburgs Trainer Bommer.

Hertha profitierte zudem davon, dass die Duisburger ihre Innenverteidigung im Laufe des Spiels ersetzen mussten. Schon in der ersten Halbzeit musste Iulian Filipescu (Muskelfaserriss) vom Platz, kurz vor dem 0:1 auch Björn Schlicke (Verdacht auf Rippenbruch). Der Aufsteiger kann solche Ausfälle kaum kompensieren – anders als Hertha. Der Berliner Kapitän Arne Friedrich wurde nach einer Viertelstunde mit einer Rippen- und Brustbeinprellung ausgewechselt. Der Verteidiger konnte nicht atmen und wurde vorsichtshalber im Krankenhaus untersucht. Der Verdacht auf eine Lungenverletzung bestätigte sich nicht.

Für Friedrich rückte Steve von Bergen in die Viererkette. „Er bringt fußballerisch und taktisch sehr viel mit“, sagte Malik Fathi. Der Schweizer organisierte die Abwehr sehr umsichtig, war zweikampfstark – und doch entscheidend am Anschlusstreffer des MSV beteiligt. Zwölf Minuten vor Schluss köpfte sein Gegenspieler Klemen Lavric eine Flanke von Tobias Willi zum 1:2 ins Berliner Tor, weil von Bergen zuvor unter dem Ball hindurchgesprungen war. „Ich kam nicht hoch“, sagte er. „Ich hatte Steine in der Hose.“

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