Sport : Hertha: Ende der Leidenszeit

Klaus Rocca

Er ist wieder da. Mit Wort und Bild, im Fachblatt "Kicker" als Kommentator. Stefan Beinlich ist wieder gefragt. Er, um den es über Monate so ruhig war.

Am kommenden Montag geht Beinlichs Leidenszeit - voraussichtlich - zu Ende. Dann ist er wieder im Kreise seiner Mannschaftskollegen, beim Saison-Auftakttraining von Hertha BSC. "Unheimliche Vorfreude" verspürt er. Kein Wunder, schließlich war er seit Dezember vergangenen Jahres außen vor. Und zwischenzeitlich gab es nicht wenige, die Stefan Beinlich das Ende seiner Fußballer-Karriere voraussagten.

Zum Thema Saisonrückblick: Das Hertha-Konzentrat bei Tagesspiegel Online Eine seltene Fußverletzung, gewissermaßen die Vorstufe des Hammerzehs, hatte ihm so arg zu schaffen gemacht. Zwei Zehen drohten sich zu überlagern. Mit einem Spezialschuh, besonders breit, und einer entsprechenden Einlage gingen Mediziner und Physiotherapeuten das Übel an. Lange Zeit vergebens. Fünf Stunden tägliches Martyrium in einer Rehaklinik schienen sich nicht auszuzahlen. Doch Beinlich gab nicht auf. Es zahlte sich aus.

Zuletzt im Urlaub hatte er kaum noch Beschwerden. Täglich joggte der Nationalspieler an der türkischen Riviera. Nicht im glühend heißen Sand, sondern auf einer Laufstrecke durch den Wald. Schmerzen verspürte er kaum noch. Doch Beinlich gibt sich keinen Illusionen hin: "Beim harten Training wird es nicht so bleiben. Der Fuß muss sich an die hohen Belastungen erst einmal gewöhnen."

Seit Dienstag bereitet er ihn in der Rehaklinik auf das vor, was ihn von Montag an erwartet. Auch die Muskulatur muss gestärkt werden. Beinlich ist ein geduldiger Patient. Sehr zur Freude von Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher und Physiotherapeut Jörg Drill. Schleicher hatte Beinlich ans Herz gelegt, die Verletzung so lange wie möglich auszukurieren. Beinlich war folgsam. Zumal ihm Spritzen zwar kurzzeitig halfen, er die 15 Spiele zu Anfang der vergangenen Saison aber nie ohne Schmerzen bestreiten konnte.

Nun will er es noch einmal wissen. Weil er mit seinen 29 Jahren noch große Ziele hat. "Ich will mit Hertha Meister werden", sagt Beinlich ganz nüchtern. Schon in dieser Saison? "Das wird sich nach den ersten Spielen zeigen." Die Mannschaft sei kompakter geworden, in der Offensive stärker. Ziel sei auf jeden Fall die Champions League. Dafür ist diesmal schon der dritte Platz erforderlich.

Zweifel, er könne bei Herthas Überangebot im Mittelfeld durchs Sieb fallen, hat Beinlich nicht. Muss er wohl auch nicht haben. "Ich bin sicher, dass der Trainer auf mich baut", sagt Beinlich selbstbewusst. Was der Trainer bestätigt: "Wenn der Stefan fit ist und seine Trainingsleistung bringt, dann ist er gesetzt." Wobei Jürgen Röber weiß, dass mit Beinlich nicht nur mehr Druck in die Angriffsaktionen kommt, sondern auch das spielerische Niveau steigt. Da lag in der letzten Saison bei Hertha einiges im Argen.

Einer freut sich schon besonders auf Beinlich: Michael Preetz, bei Auswärtsspielen sein Zimmernachbar. Mit Stefan Beinlich, sagt der Mannschaftskapitän, hätte Hertha zuletzt die Qualifikation zur Champions League geschafft, weil er ein "kompletter Spieler" ist. Und fügte hinzu: "Ich hoffe, er bleibt gesund." Ein wenig Sorge schwang da mit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben