Hertha : Ende der Sentimentalität

Stefan Hermanns über den personellen Umbruch bei Hertha BSC, die Unterschiede zu Bayern München und den neuen Trainer.

Stefan Hermanns
Dieter und Uli Hoeneß Fotos: dpa
Realismus (Dieter Hoeneß, links) und der Blick nach oben (Uli Hoeneß)Fotos: dpa

Dieter Hoeneß mag es nicht besonders, wenn er mit seinem Bruder Uli verglichen wird. Das kann man verstehen: Die berufliche Bilanz spricht nicht unbedingt für den Jüngeren der beiden. Allerdings provoziert D. Hoeneß auch immer wieder den Vergleich. In diesem Sommer hat Uli bei den Bayern den größten personellen Umbruch seit Einführung des gregorianischen Kalenders vollzogen – und was macht Dieter bei Hertha? Den zweitgrößten Umbruch der Fußballgeschichte. Aber so ist das nun mal in diesem innerfamiliären Wettstreit: Für D. bleibt immer nur Platz zwei.

Man kann die Angelegenheit auch anders sehen: Wenn die Hoeneße eine Sache machen, machen sie sie auch richtig – jeder nach seinen Möglichkeiten. Uli kann mal eben 70 Millionen vom Festgeldkonto abziehen, Dieter muss erst eine komplette Mannschaft verkaufen, um die nötigen Mittel zur Verfügung zu haben. Das birgt ein nicht geringes Risiko, vor allem mit Blick auf den Saisonstart. Selbst wenn Dieter Hoeneß bis dahin noch ein paar Verpflichtungen getätigt haben sollte – die Mannschaft wird auf keinen Fall eingespielt sein. Genau das aber ist erforderlich, damit sie den hohen Grad an Automatisierung erreicht, der dem neuen Trainer Lucien Favre vorschwebt.

Dieter Hoeneß hat in diesem Sommer mit seinem bisherigen Prinzip gebrochen, die Mannschaft nur behutsam zu verändern. Dahinter steckte auch eine gewisse Scheu vor Grausamkeiten, eine für den Profifußball ungewöhnliche Sentimentalität. Über Jahre hat Hertha verdiente Spieler mitgeschleppt, deren sportlicher Wert den Ambitionen des Vereins längst nicht mehr entsprochen hat. Das unterschiedet Dieter Hoeneß übrigens nicht von seinem Bruder Uli.

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