Sport : Hertha flippert

Hertha BSC führt gegen den VfL Bochum, gerät dann 1:3 in Rückstand – und schafft am Ende noch ein Unentschieden

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Berlin - Auf dem Flachbildschirm über dem Kopf von Dieter Hoeneß flimmerten die Tore der Berliner ohne Unterlass. Doch auch im Presseraum des Olympiastadions wurden es nicht mehr als jene drei, die Hertha BSC an diesem Samstagnachmittag erzielt hatte. Für die bis dahin heimstärkste Mannschaft der Bundesliga hätten diese eigentlich reichen sollen, gegen den Tabellenvorletzten VfL Bochum. Aber da Hertha nicht nur drei Tore erzielte, sondern auch drei Tore gegen sich zuließ, „müssen wir froh sein, einen Punkt geholt zu haben“, sagte Kapitän Arne Friedrich nach dem 3:3 (1:2). Manager Dieter Hoeneß nickte.

Los ging das Duell mit den Bochumern vor nicht mal 30 000 Zuschauern mit einem herrlichen Tor von Marko Pantelic. Herthas Torjäger schlenzte den Ball nach wenigen Minuten mit seinem rechten Fuß über den zu weit vor seinem Tor stehenden Bochumer Alexander Bade. Dieser achte Saisontreffer Pantelics wirkte aber wie aus einem anderen Spiel. Nämlich jenem vor sieben Tagen gegen Nürnberg. Auch da hatte der Serbe aus ganz ähnlicher Position ein ganz ähnlich kunstvolles Führungstor erzielt. Wie beim Sieg über Nürnberg spielte Hertha erneut stark auf – Bochum war schlicht überfordert. Doch während die Berliner vor einer Woche das Spiel mit einem Sieg beenden konnten, stellten sie gestern nach 20 Minuten das erfolgsorientierte Fußballspielen ein. Plötzlich schlichen sich Dinge in ihr Spiel, „die da gar nicht reingehören“, wie es Falko Götz sagte. Der Trainer musste mit ansehen, wie sein Mittelfeld, vor allem die Herren Kevin-Prince Boateng und Ashkan Dejagah, das Spiel mit unsicheren Pässen über bisweilen 35 Metern derart verlangsamten, dass die Bochumer wieder teilnehmen konnten. Das flipperhafte Passspiel der Berliner nutzte nur dem VfL. Erst egalisierte Gekas Herthas Führung nach einer Ecke per Kopf, dann unterlief Sofian Chahed ein „kapitaler Fehler“ (Götz), den Misimovic zur Bochumer Pausenführung nutzte. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn zirkelte Misimovic auch noch einen Freistoß direkt in den Winkel zum 3:1. Die Zuschauer pfiffen.

In Ellery Cairo brachte Trainer Götz einen weiteren offensiven Spieler, Hertha bestimmte wieder das Geschehen und kam nach knapp einer Stunde durch Dick van Burik auf 2:3 heran. Schließlich brachte Götz auch noch Andreas Neuendorf herein, der zehn Minute vor dem Abpfiff „das Glück hatte, mal am rechten Fleck zu stehen“, wie er sagte. Neuendorf war der Ball nach einer zu kurz geratene Abwehraktion Bades vor seinen schwachen rechten Fuß gefallen – 3:3.

Dass der VfL Bochum, der fünf Minuten mit einem Spieler weniger auskommen musste (Gelb-Rot für Pallas), in der Nachspielzeit sogar noch hätte gewinnen können, passte ins Spiel. Eine Glanztat von Herthas Torwart Christian Fiedler gegen einen Schuss des Bochumer Kapitäns Tomasz Zdebel verhinderte Schlimmeres. Ein möglicher Sieg hätte an diesem Nachmittag jeden treffen können, die Bochumer als auch die Berliner. Wer wollte, konnte das Spiel als unterhaltsam empfinden. Das allerdings lag nicht an der hohen Qualität des Spiels, sondern eher an den individuellen Unzulänglichkeiten und kollektiven Zittrigkeiten auf beiden Seiten. Hertha fällt damit auf den sechsten Tabellenrang zurück.

Am Ende des Tages zählte Dieter Hoeneß nicht mehr die Tore, sondern die Punkte zusammen, die Hertha innerhalb einer Woche aus den Duellen mit Nürnberg, Bielefeld und Bochum eingefahren hat. Er kam auf fünf. „Es hätten neun sein können“, sagte Hoeneß und schüttelte seinen Kopf.

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