Sport : Hertha fordert Kacar zurück

Serbiens Verband lässt Ultimatum verstreichen

Stefan Hermanns

Berlin - Wenn die Mitarbeiter des serbischen Fußballverbandes FSS am Montag nach dem Wochenende ihre Arbeit wieder aufnehmen, werden sie in der Verbandszentrale in Belgrad unter anderem ein Fax aus Berlin vorfinden. Absender ist der Bundesligist Hertha BSC, der auf diesem Wege versucht, sein Recht geltend zu machen. Die Berliner fordern den FSS auf, ihren Mittelfeldspieler Gojko Kacar, der gerade für Serbien am olympischen Fußballturnier teilnimmt, nach Deutschland zurückzuschicken. Bis Samstagnachmittag hatte der Verband Zeit, diesen Schritt Herthas zu verhindern. Auf eine Reaktion der Serben warteten die Berliner allerdings vergebens. „Das ist schon ziemlich dreist“, sagte Vereinsjurist Jochen Sauer.

Nach einer Entscheidung des internationalen Sportgerichtshofs Cas müssen die Vereine ihre Spieler nicht für Olympia abstellen, weil das Turnier nicht im Rahmenterminkalender des Fußball-Weltverbandes steht. Hertha verzichtete nach dem Urteilsspruch des Cas trotzdem darauf, Kacar aus China abzuberufen – unter der Bedingung, dass der serbische Verband sein Gehalt für die Zeit der Abstellung übernimmt, einen Versicherungsschutz für Kacar abschließt und Hertha eine Abstellungsprämie zählt. Ursprünglich hatten die Berliner vom FSS bis Freitag eine Antwort auf ihre Forderungen verlangt, auf Bitte der Serben wurde die Frist bis zum gestrigen Samstag, 14 Uhr, verlängert. „Es hat sich keiner gerührt“, sagte Sauer. Nach seinen Informationen ist auch Gojko Kacar über das Verhalten seines Verbandes inzwischen ein bisschen angesäuert. „Wir wollen auf keinem Fall dem Spieler schaden“, sagt Sauer. Kacar habe sich anders als der Schalker Rafinha und der Bremer Diego, die eigenmächtig nach China abgereist sind, schließlich nichts zuschulden kommen lassen.

Neben Herthas Vereinsjurist versuchten auch Manager Dieter Hoeneß und der Anwalt Theo Paeffgen, der Schalke und Bremen vor dem Cas vertreten hat, mit den Serben Kontakt aufzunehmen. Vergebens. Die Schalker haben ähnliche Erfahrungen mit dem brasilianischen Verband CBF gemacht. Sie warten ebenfalls auf eine Reaktion. Notfalls will Schalke den CBF auf Schadensersatz verklagen. Einen solchen Schritt schließt auch Sauer gegen den FSS als letztes Mittel nicht aus.

Die Serben bestreiten heute gegen die Elfenbeinküste ihr zweites Gruppenspiel. Bei ihrem ersten Auftritt, einem 1:1 gegen Australien, blieb Kacar fast 75 Minuten auf der Ersatzbank. „Das kann ich nicht nachvollziehen, wenn man vorher so einen Zirkus veranstaltet“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Seit gestern weiß er: Der Zirkus geht weiter. Stefan Hermanns

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