Sport : Hertha fremdelt

Die Berliner haben seit sieben Monaten kein Auswärtsspiel mehr gewonnen

Stefan Hermanns

Berlin - Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, dass die Stärke von Hertha BSC bei der Konkurrenz auf große Hochachtung stößt. Hans Meyer, der Trainer des 1. FC Nürnberg, hat am Wochenende gesagt, für seine Mannschaft sei es normal, wenn sie ein Spiel gewinne, das nächste verliere und sich damit auf Dauer irgendwo im Mittelfeld der Tabelle wiederfinde. Hertha aber müsse „gewinnen, gewinnen, verlieren“, also im Schnitt zwei Punkte pro Spiel erwirtschaften. So weit die Theorie, in der Praxis scheitert die Sache mit den zwei Siegen hintereinander allerdings daran, dass die Berliner wie alle anderen Mannschaften auch in der Regel keine zwei Heimspiele hintereinander bestreiten dürfen.

Nach zehn Spieltagen hat Hertha 16 Punkte erzielt, 13 davon in den Heimspielen. Keine andere Mannschaft war bisher zu Hause erfolgreicher. Umgekehrt allerdings heißt das: In der Fremde haben die Berliner in fünf Spielen nur drei Punkte zusammengetragen. Das ist die schlechteste Bilanz der Liga, nimmt man die selbst ernannten Auswärtsdeppen von Borussia Mönchengladbach (fünf Spiele, fünf Niederlagen) einmal aus der Wertung. „Die Bilanz wird einfach dadurch verhagelt, dass wir dreimal unentschieden gespielt haben“, sagt Trainer Falko Götz. Vor allem aber wird sie durch die beiden jüngsten Niederlagen bei Bayern München (2:4) und Energie Cottbus (0:2) verhagelt. Wenn die Berliner am Mittwoch bei Arminia Bielefeld antreten, liegt ihr letzter Auswärtssieg auf den Tag bereits sieben Monate zurück. Am 8. April gewann Hertha 2:0 beim späteren Absteiger 1. FC Kaiserslautern.

Was die Mannschaft zu Hause auszeichnet, geht ihr in fremden Stadien weitgehend ab: „dieser absolute Biss“, wie Manager Dieter Hoeneß es ausdrückt. „Zu Hause ist die mentale Stärke da“, selbst ein Rückschlag wie am Samstag der Ausgleich der Nürnberger direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit irritiert die Mannschaft nicht nachhaltig, in der Fremde aber fehlt den Berlinern diese Entschlossenheit. Hoeneß hatte bei den jüngsten Auswärtsspielen ein bisschen das Gefühl, dass die Mannschaft mit der Einstellung ins Spiel geht: „Nur nicht verlieren!“ Aber es reiche nicht, nur abzuwarten und insgesamt ein bisschen kontrollierter aufzutreten. „Wir müssen unsere Grundeinstellung ändern“, sagt Herthas Manager.

Es gibt unterschiedliche Denkrichtungen, ob für dieses Unterfangen gerade die Bielefelder der richtige Gegner sind. Falko Götz ist „ganz froh, dass die im Moment einen ganz guten Lauf haben“. Sechster ist die Arminia derzeit, zu Hause hat sie von fünf Spielen vier gewonnen, mit einem Sieg zieht sie an den Berlinern vorbei. Unterschätzen kann Hertha den Gegner unter diesen Voraussetzungen wohl kaum, zumal die beiden letzten Auftritte auf der Alm wenig erquicklich waren. „Die haben uns schön ausgekontert“, sagt Torhüter Christian Fiedler. 0:1 und 0:3 unterlag Hertha. Manager Dieter Hoeneß hofft daher, „dass bei unseren Spielern noch ein paar Rechnungen offen sind“. Wobei: „Den Bielefeldern kann man keinen Vorwurf machen, dass sie versuchen, gegen uns zu gewinnen.“

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