Hertha - Galatasaray 0:1 : Groß-Istanbul gewinnt in Klein-Istanbul

Durch einen umstrittenen Handelfmeter verliert Hertha BSC gegen Galatasaray Istanbul im Olympiastadion 0:1.

Michael Rosentritt
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Uefa-Cup-Misere. Hertha enttäuscht.Foto: ddp

Ein bisschen war es gestern Abend so, als sei der große Fußball in die deutsche Hauptstadt zurückgekehrt. Der Gegner trug einen prominenten Namen - Galatasaray Istanbul, das Spiel wurde live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen und auch die Kulisse war da: 62.612 Zuschauer. Obwohl der Anlass „nur" der vierte Spieltag der Gruppenphase des Uefa-Pokals war, so erinnerte der Rahmen an jenen Herbsttag vor neun Jahren, als Hertha in der Champions League im Olympiastadion gegen denselben Gegner gespielt hatte. Damals verlor Hertha 1:4, gestern etwas unglücklich mit 0:1 (0:0). Während die Gäste bereits die Zwischenrunde im Februar erreicht haben, droht Hertha das Aus. Um das zu verhindern benötigt Hertha am 18. Dezember bei Olympiakos Piräus einen Sieg.

Entgegen schlimmsten Befürchtungen musste Herthas Trainer Lucien Favre nicht gleich drei Stammspieler ersetzen. Während Andrej Woronin auflaufen und der angeschlagene Cicero zumindest auf der Ersatzbank Platz nehmen konnte, fiel lediglich Maximilian Nicu aus. Neu ins Team rückte Marko Pantelic. Der Serbe war es auch, der bereits nach fünf Minuten einen ersten Schuss auf das Gehäuse der Türken abgab.

Auf den komplizierten Platzverhältnissen entwickelte sich ein munteres Spielchen, was vor allem an den offensiv ausgerichteten Gegnern lag. Im Ballbesitz suchte Galatasaray sofort den direkten Weg in die Spitze. Nur mit vereinten Kräften konnte Herthas Abwehrverbund nach zwölf Minuten Istanbuls Stürmerstar Milan Baros am Torschuss hindern. Der Tscheche, der am Wochenende in der türkischen Meisterschaft drei Tore erzielt hatte, bereitete der Innerverteidigung des Bundesligadritten immer mal wieder Probleme. Nach zwanzig Minuten verhinderten dann die Fingerspitzen von Herthas Torwart gleich zweimal hintereinander die Führung der Gäste. Jaroslav Drobny lenkte jeweils die Schüsse von Galatasarays Spielmacher Lincoln am Tor vorbei.

Die Spielanlage der Türken wirkte reifer. Die Gäste entwickelten mehr Zug zum Tor. Hertha war zwar bemüht, aber den Berlinern unterliefen einige Ungenauigkeiten im Spielaufbau, sodass sich den Gästen immer wieder gefährliche Konterchancen boten. Insbesondere Raffael und Ebert auf den Außenbahnen konnten das Spiel der Berliner nicht nachhaltig beleben. Nach einer halbe Stunde hatte die Mannschaft des früheren Bundesligatrainers Michael Skibbe vollends die Kontrolle über Ball und Spiel gewonnen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte Hertha Glück, dass der italienische Schiedsrichter Rizzoli nicht auf Strafstoß entschied, nachdem Gojko Kacar den früheren Schalker Lincoln auf Höhe der Strafraumgrenze von den Beinen geholt hatte. Rizzoli unterstellte Lincoln eine Schwalbe und zeigt ihm Gelb.

Hertha musste das Spiel gewinnen, so viel war bereits vor dem Duell mit dem 17-maligen Türkischen Meister klar. Doch es bedurfte erst einer eindringlichen Halbzeitansprache Favres, dass dies auch auf dem Rasen zu sehen war. Favres Mannschaft wurde druckvoller. Nach einer Stunde bot sich Hertha die bis dahin beste Torchance, die allerdings Woronin und Pantelic im Zusammenspiel vertendelten. Kurz darauf verließ Pantelic das Feld, für ihn kam Cicero. Hertha hatte in dieser Phase mehr Spielanteile und auch die gefährlicheren Aktionen. Einen Distanzschuss von Kacar konnte Torwart de Sanctis nur mit Mühe zur Ecke lenken.Beinahe im Gegenzug fiel das 1:0 für Galatasaray. Bei dem Versuch eine Flanke von Kewell zu unterbinden, bekam der eingewechselte Steve von Bergen den Ball an den Unterarm, was der Schiedsrichter als absichtliches Handspiel auslegte. Den Elfmeter verwandelte Baros sicher. Hertha stemmte sich nur mit Mut gegen die Niederlage. Istanbuls Verteidiger Servet kratzte einen Schuss Kacar von der Linie, anschließend lenkte Torwart de Sanctis einen Kopfball von Josip Simunic über die Latte. Am Ende blieb es beim 0:1 und für Hertha die Erkenntnis, vielleicht zu spät erwacht zu sein. So ist es ein weiter Weg bis zum ganz großen Fußball.

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