Sport : Hertha gegen Hertha

Beim Länderspiel in Kroatien treffen vier Berliner aufeinander

André Görke

Berlin. Hans Meyer hatte am Sonntag keine große Lust, über den Alltag zu reden, für ein kleines Spielchen blieb aber noch Zeit. „Lasst uns wetten“, sagte Hans Meyer zu den Reportern am Trainingsplatz, „Wie viele Herthaner stehen am Mittwoch in der ersten Mannschaft?“ Vier! Nein, drei! „Tja, ich weiß es“, sagte Meyer, „es sind – zwei!“ Nach dieser Information war zwar kaum jemand schlauer, weil der Trainer von Hertha BSC nicht sagte, wer diese beiden Spieler sind, aber immerhin verriet er noch: „Einer spielt für Rudi, einer für Kroatien; die beiden anderen werden später eingewechselt.“

Mit etwas Glück könnte es am Mittwochabend in Split beim Fußball-Länderspiel zwischen Kroatien und Deutschland (20.45 Uhr, live im ZDF) sogar zu einem direkten Duell zweier Berliner kommen: Wenn sich nämlich Herthas kroatischer Verteidiger Josip Simunic um seinen Vereinskollegen Fredi Bobic kümmert. Die beiden anderen nominierten Nationalspieler von Hertha BSC, Arne Friedrich und Niko Kovac, dürften sich auf dem Rasen eher selten sehen; beide spielen defensiv.

Josip Simunic bot am Wochenende bei Herthas 3:2-Sieg in Freiburg eine überaus ansprechende Leistung und spielte aus taktischen Gründen vor der Abwehr. Diesen Job hatte er schon in den Neunzigerjahren für seinen ehemaligen Klub in Canberra (Australien) übernommen. Am Mittwoch aber in Split wird Simunic vermutlich wieder als Innenverteidiger in der Abwehrkette spielen. Das Duell mit Bobic sei für ihn „unwichtig“, sagt Simunic. Natürlich würden beide die Laufwege und die Qualitäten des Kollegen kennen. Wie im Training sei es jedoch nicht, sagt Simunic. „In Kroatien ist es immer etwas Besonderes, gegen Deutschland, gegen eine der besten Mannschaften der Welt, zu spielen.“

Herthas Trainer Hans Meyer hat in der vergangenen Woche mit dem deutschen Teamchef Rudi Völler und dem kroatischen Trainer Otto Baric telefoniert. Glücklich ist Meyer nicht darüber, dass die Nationalspieler in dieser Woche verreist sind und somit die Vorbereitung auf das kommende Bundesligaspiel verpassen. Am Sonntag tritt Hertha im Olympiastadion gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf an: Eintracht Frankfurt. Wenn ein Spieler wie Friedrich in der Woche zusätzlich belastet wird oder sich gar verletzt, ist das ein Nachteil gegenüber den anderen Abstiegskandidaten, die „nicht diese Probleme haben“, sagt Meyer.

Bis zu 15 Profis von Hertha gehören den Kadern der Nationalteams an. Die anderen kroatischen Spieler, die in der Bundesliga unter Vertrag stehen, befinden sich mit ihren Arbeitgebern in anderen Tabellenregionen. Robert Kovac (Bayern München), Boris Zivkovic (Stuttgart), Marko Babic (Leverkusen) und Ivan Klasnic (Bremen) haben andere Sorgen; jedenfalls keine Abstiegsangst.

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