Hertha gegen Köln : Pantelic kann sich beweisen

Weil Herthas Angreifer Andrej Woronin schwächelt, sollte Marko Pantelic heute in Köln gesetzt sein.

Michael Rosentritt
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Liebling der Fans. Für diesen Status hat Marko Pantelic viel geleistet. Für Hertha hat er bislang 44 Tore erzielt. Foto: Fishing4

Andrej Woronin hatte sich für die gestrige Übungseinheit die knallrote Trainingsjacke übergezogen. Sein blondierter Pferdeschwanz, der einen hübschen Kontrast dazu bildete, wippte lustig hinterher. Herthas stürmender Ukrainer hatte sich am vergangenen Samstag gegen Bochum wieder zurückgemeldet auf der Bühne Bundesliga. Er bildete zusammen mit Marko Pantelic das Sturmduo der Berliner. Doch im ersten Spiel nach seiner dreiwöchigen Sperre fiel er deutlich ab gegenüber Pantelic. Nicht, dass ihn der Trainer für das heutige Spiel in Köln vergisst  (20 Uhr, live im Tagesspiegel.de-Ticker). Wählte Woronin deshalb die Signalfarbe?

Am 11. April hatte der 29-jährige Woronin während der 0:2-Niederlage in Hannover die Rote Karte gesehen – seine erste in der Bundesliga überhaupt. Daraufhin war er für drei Spiele gesperrt worden. In diesen drei Spielen ersetzte ihn Marko Pantelic. Der 30 Jahre alte Serbe tat dies durchaus überzeugend. Ihm gelangen zwei Torvorlagen und gegen Bochum erzielte er sogar das wichtige 1:0. Das 2:0 markierte später Raffael, der von Herthas Trainer Lucien Favre zurück ins linke Mittelfeld geschoben wurde. Für gewöhnlich spielt der Brasilianer als eine Art hängende Spitze, zumeist neben Woronin. Zu welcher Variante wird sich Favre nun für das heutige Spiel in Köln entscheiden?

Andrej Woronin ist die ungewollte Pause nicht gerade bekommen. „Andrej hat lange nicht gespielt, das hat man auch gesehen“, sagte Favre nach dem Spiel gegen Bochum. Komplimente hören sich auch aus dem vorsichtig sprechenden Munde Favres anders an. Gemessen an dem, was Woronin schon zu leisten imstande war, war sein Auftritt gegen Bochum ein Ausfall. Ihm war so gut wie nichts gelungen, weshalb ihn Favre auch nach 70 Minuten gegen Waleri Domowtschiski austauschte. Fünf Minuten später wurde zwar auch Pantelic ausgewechselt, das aber, weil er sich einen Bluterguss im rechten Oberschenkel zugezogen hatte. „Egal, wer spielt, wir brauchen von jedem einzelnen Spieler eine gute Leistung“, sagte Favre gestern. Auch dieses Mal ließ der Schweizer Trainer sich nicht locken. Über seine Startaufstellung spricht er genauso ungern wie über die mögliche Meisterschaft.

Auf Kölner Seite steht da schon mehr fest, der FC muss heute auf vier Stammspieler verzichten. Der Stürmer Milivoje Novakovic (16 Saisontreffer) und Verteidiger Kevin Pezzoni sind wegen ihrer jeweils fünften Gelben Karte gesperrt, Verteidiger Youssef Mohamad wurde wegen seiner Roten Karte im Spiel bei der TSG Hoffenheim wegen unsportlichen Verhaltens sogar für zwei Spiele gesperrt. Torhüter Faryd Mondragon fällt wegen einer Schulterverletzung aus und wird durch Thomas Kessler ersetzt, der damit sein Erstliga-Debüt gibt.

Doch Lucien Favre mochte das nicht als Vorteil für seine Mannschaft sehen. „Sie werden frische Leute bringen, die noch nicht so oft gespielt haben und ihre Chance nutzen wollen.“ Lucien Favre ist eben vorsichtig – und das, obwohl der 1. FC Köln nicht unbedingt heimstark ist. Von 15 Auftritten im eigenen Stadion in dieser Spielzeit hat die Mannschaft von Trainer Christoph Daum lediglich vier gewonnen, das aber immerhin gegen Mannschaften wie Bremen und Schalke. „Der FC ist im klassischen Sinne eine launische Diva, eine, die zu allem fähig ist“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Wenn du sie am falschen Tag erwischst, wird es schwer, sie zu schlagen. Wenn wir an unser Limit gehen, dann können wir sie schlagen, aber auch nur dann.“

Mit wem also wird Hertha ans Limit gehen? Klar ist auf jeden Fall, dass Gojko Kacar ins Team zurückkehrt, der gegen Bochum gesperrt war. Vieles spricht dafür, dass ihn Favre in der Startelf aufbietet, Cicero dann wieder nach links ausweicht und Raffael somit nach vorn rutscht. „Es ist wichtig, dass die Spieler schnell zurückkommen“, sagte Favre knapp.

Er dürfte damit auch Marko Pantelic gemeint haben, der sich zuletzt wieder in ansteigender Form präsentierte. Der Serbe wird keinen neuen Vertrag in Berlin erhalten. Obwohl seine Tage gezählt sind, gibt er sich motiviert. Pantelic lächelte gestern milde und sagte: „Hertha wird immer in meinem Herzen bleiben. Jetzt wollen wird das große Ding machen.“

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