Sport : Hertha geht in die Falle

Ohne Mut, ohne Ideen und am Ende ohne Konzentration: Die Berliner verlieren 0:3 bei Bayern München

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Uli Hoeneß hat ein feines Gespür für die wirklich wichtigen Dinge. Als in der mit 66 000 Besuchern ausverkauften Münchner AllianzArena das Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und Hertha BSC gerade ein Päuschen einlegte, ging der Bayern-Manager auf das Spielfeld und trampelte ein rausgerissenes Stück Rasen fest. Soll bloß niemand hinterher sagen können, man habe wegen des schlechten Spielfeldes die Punkte in München gelassen. Die Gäste aus Berlin jedenfalls werden nach anderen Gründen forschen müssen, warum sie gestern 0:3 (0:0) verloren haben. Während die Berliner damit in der Tabelle auf den achten Platz zurückfielen, bleibt der FC Bayern als einziges Team der Liga ohne Punktverlust.

Hertha hatte sich etwas ausgerechnet beim FC Bayern. Die beiden Unentschieden aus der Vorsaison hatten die sportliche Leitung der Berliner mutig werden lassen. Trotz einiger Verletzungssorgen sahen sowohl Trainer Falko Götz als auch Manager Dieter Hoeneß eine realistische Chance, den Rekordmeister schlagen zu können. Offensichtlich hatten sie es unterlassen, ihrer Mannschaft zu sagen, wie sie es anzustellen hat. Hertha spielte defensiv und ideenlos, und genau so hat man keine Chance in München. Ein Umstand, der zur Historie der Bundesliga gehört wie der FC Bayern selbst. Das 3:0 war der 500. Heimsieg des Deutschen Meisters in der Bundesliga und der zwölfte in Folge.

„Wir haben uns schwer getan, aber insgesamt haben wir verdient gewonnen“, sagte Bayern-Trainer Felix Magath hinterher. Die Bayern waren kein übermächtiger Gegner, aber sie kontrollierten das Spiel mit wenig Aufwand und warteten geduldig auf Fehler der Berliner. Als diese ihnen schließlich den Gefallen taten, schlugen die Bayern zu. „Das Spiel hat gut begonnen, aber als wir in den letzten zehn Minuten alles riskierten, sind wir richtig bestraft worden“, sagte Falko Götz. Herthas Trainer hätte auch sagen können, dass sein Team 80 Minuten lang nie die Initiative ergriffen, sondern ausschließlich auf Aktionen der Bayern reagiert hatte.

Als der Gastgeber gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit durch einen von Arne Friedrich abgefälschten Freistoß von Michael Ballack in Führung ging, brachte Falko Götz in Solomon Okoronkwo endlich einen zweiten Stürmer. Bis dahin hatten die Berliner sich lediglich eine Torchance herausgespielt. „Das erste Gegentor war der Knackpunkt“, sagte Götz, „es hat unsere Taktik über den Haufen geworfen.“ Diese Taktik sah vor, hinten gut zu stehen und vorn womöglich irgendwie ein Tor zu machen. Nur ging an diesem Nachmittag gar nichts nach vorn. Hertha stand tief in der eigenen Hälfte und konzentrierte sich ausschließlich auf Punkt eins der ausgegebenen Spielstrategie. Das fiel auch dem Münchner Roy Makaay auf: „Die einzige Mannschaft, die heute gewinnen wollte, waren wir.“

Herthas Spielgestalter, Marcelinho und Yildiray Bastürk, litten unter dieser defensiven Grundausrichtung. Zudem offenbarte sich wieder einmal Herthas großes Manko – die fehlende Durchschlagskraft im Sturm. In Ermangelung treffsicherer Stürmer beorderte Trainer Götz in der Schlussphase den langen Alexander Madlung aus der Abwehr in das Sturmzentrum. Genau darauf hatten die Bayern gewartet. Zwei Konter schlossen der eingewechselte Mehmet Scholl und zwei Minuten später Roy Makaay zum Endstand ab.

„Durch die ersten Spieltage müssen wir uns durchmogeln“, hatte Felix Magath vor Saisonbeginn gesagt. Falko Götz musste schmunzeln, als sein Kollege das gestern noch einmal wiederholte. „Ja“, sagte Magath, „durchmogeln, bevor es im September richtig losgeht.“ Nichts gegen Hertha, aber in München warten sie auf die Champions League.

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