Sport : Hertha geht unter

Die Berliner unterliegen Leverkusen 1:5 – statt Uefa-Pokal droht nun der UI-Cup

Stefan Hermanns

Berlin - Eine Saison in der Fußball-Bundesliga geht über 34 Spieltage mit 3060 Spielminuten. Hertha BSC benötigte gestern Abend 60 Sekunden, um die Qualifikation für den Uefa-Cup zu verspielen. Im Duell mit Bayer Leverkusen gerieten die Berliner in der 27. Minute durch Dimitar Berbatow 0:2 in Rückstand. Nur eine Minute darauf erzielte der Stürmer mit seinem 18. Saisontor das 3:0 der Leverkusener. Am Ende hieß es sogar 5:1 für Bayer. Durch die höchste Saisonniederlage liegen die Berliner zwei Spieltage vor Schluss nun fünf Punkte hinter Bayer und Platz fünf. Das Saisonziel internationaler Wettbewerb wird Hertha wohl höchstens noch über den Umweg UI-Cup erreichen können.

Im Fußball ist kein Spiel wie das andere, doch bei Hertha scheint sich vieles zu wiederholen. In der fünften Minute trat Bernd Schneider den ersten Eckball von der rechten Seite in den Berliner Strafraum, Juan gewann das Kopfballduell gegen Arne Friedrich: Bayer führte 1:0. In der 27. Minute trat Tranquillo Barnetta den zweiten Eckball von der rechten Seite in den Berliner Strafraum, Berbatow gewann das Kopfballduell gegen Malik Fathi: Bayer führte 2:0.

Die beiden Tore dokumentierten die ganze Cleverness der Leverkusener. Ihre wenigen Chancen nutzten sie, und beim 3:0 demonstrierten sie mit direktem Spiel über drei Stationen, warum sie nach nun sechs Siegen in Folge die beste Mannschaft der Rückrunde sind. Während Bayers Trainer Michael Skibbe zum sechsten Mal hintereinander mit derselben Mannschaft begann, mischte Falko Götz seine Aufstellung komplett durcheinander. Herthas Trainer musste auf die verletzten Dick van Burik, Josip Simunic und Yildiray Bastürk verzichten. Andreas Neuendorf und Ellery Cairo rückten in die Anfangself, Malik Fathi spielte neben Arne Friedrich in der Innenverteidigung, seinen Platz links in der Viererkette nahm Gilberto ein.

Trotz der ungewohnten Aufstellung bestimmten die Berliner vor 51 324 Zuschauern nach dem frühen Rückstand, vor dem 0:2 und auch später wieder das Geschehen. Die Leverkusener zogen sich zurück, bauten bei Herthas Angriffen neun Feldspieler vor dem ballführenden Berliner auf. Hertha konnte sich gegen dieses Geflecht anfangs nur selten Chancen erarbeiten. In der 17. Minute hatte Sofian Chahed gleich doppeltes Pech. Erst hoppelte sein Aufsetzer aus dem Hintergrund an den Innenpfosten, dann köpfte er den Abpraller auf die Latte.

Nach dem 0:2 verlor Hertha zeitweise vollkommen die Orientierung. Sogar der sonst so besonnene Torhüter Christian Fiedler blieb davon nicht unberührt. In der 35. Minute nahm er einen Rückpass von Fathi mit den Händen auf – es gab indirekten Freistoß für Bayer, doch Berbatow schoss den Ball aus 16 Metern über das Tor. Seine lässige Ausführung war das erste Zeichen dafür, dass die Leverkusener das Spiel bereits als gewonnen verbucht hatten. Das zweite setzte Torhüter Jörg Butt, der in der 41. Minute unnötigerweise aus seinem Tor herauseilte, und von Marko Pantelic umspielt wurde. Dessen Hereingabe spitzelte Marcelinho zum 1:3 ins leere Tor.

Fünfzig Minuten blieben Hertha nach dem Anschlusstreffer, doch die Berliner schienen das Spiel schon vor der Pause drehen zu wollen. Butt fischte einen Schuss von Boateng aus der Ecke, Paul Freier rettete kurz darauf auf der Linie nach einem Kopfball Boatengs. Gleich nach der Pause scheiterte Neuendorf an Butt, dann rettete Leverkusens Torhüter mit einer Fußabwehr gegen Pantelic, und Bernd Schneider klärte nach einem Kopfball von Niko Kovac auf der Linie. Hertha hat selten so zwingend nach vorne gespielt wie gestern Abend. Das Flankenverhältnis betrug 42:5 für die Berliner. Die Tore aber erzielte Bayer. Erst staubte Carsten Ramelow per Kopf zum 4:1 ab, dann traf Schneider zum 5:1. Herthas Mittelfeldspieler Niko Kovac sagte: „Heute wissen die Leverkusener selbst nicht, wie sie das Spiel gewonnen haben.“

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