Hertha im Uefa-Cup : Das Geisterspiel

Im Uefa-Cup empfängt Hertha heute St. Patrick’s aus Dublin und ganz wenige Zuschauer aus Berlin. Liegt es an den Leistungen oder an den Gegnern?

Michael Rosentritt
Favre
Trainer Lucien Favre. -Foto: ddp

Berlin - Dieter Hoeneß versuchte sich als Verkäufer der eigenen Sache. Das Schöne am internationalen Fußballgeschäft sei, dass man immer wieder etwas Neues kennenlerne. So ungefähr sagte es gestern der Manager von Hertha BSC. Diese Sicht auf die Dinge hat er so ziemlich exklusiv. Ganz offenbar denkt die fußballinteressierte Mehrheit der Berliner anders. Einen Tag vor Herthas Erstrunden-Hinspiel im Uefa-Pokal gegen St. Patrick’s Athletic FC waren lediglich 7000 Eintrittskarten (Beginn: 18 Uhr) verkauft. Hertha droht ein Geisterspiel.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, warum Hertha und Uefa-Cup nicht passen, warum es nicht eben eine Erfolgsgeschichte ist. Liegt es an der fehlenden Attraktivität der Gegnerschaft, wie man gern auf Seiten Herthas argumentiert, oder liegt es an der frühen Anstoßzeit? Dass die Gründe für die Zuschauerminusrekorde bei Hertha selbst liegen, wird dort geflissentlich ignoriert.

Fakt ist, dass Hertha seit fast zehn Jahren nur zweimal nicht mindestens den Uefa-Cup erreicht hat. Doch hat der Verein so gut wie keine Möglichkeit ausgelassen, sich dort zu blamieren. Das ist leider der einzig bleibende Eindruck. Das bislang einzige Mal, dass es ein gewisses Zuschauerinteresse noch gab, war 1999 und 2000, als Hertha in der Champions League und anschließend erst in der dritten Runde aus dem Uefa-Cup ausschied. Damals immerhin gegen Inter Mailand, und das auch noch sehr unglücklich. Seitdem verbreitet Hertha europaweit immer weniger Schrecken; 2003 und 2006 schied die Mannschaft bereist in der ersten Runde gegen Kleinvereine wie Groclin Grodzisk und Odense BK aus. Auch in der Zwischenzeit konnten die Berliner weder durch guten Fußball noch mit rauschenden Europapokalnächten auf sich aufmerksam machen. Hertha blieb selbst im zweitklassigen Europa-Wettbewerb eine Randnotiz. Dass es gelingen kann, selbst im Uefa-Cup an Image und Renommee zu gewinnen, zeigt das Beispiel Sankt Petersburg.

Bei Hertha wird schon aus Tradition nicht mit Einnahmen aus dem europäischen Geschäft geplant. Sportlich hatte sich Hertha auch zum zweiten Mal hintereinander nicht qualifiziert, doch mittels der Fairplay-Wertung gelangte Hertha über Umwege in den Uefa-Cup. Dort überstand die Mannschaft von Lucien Favre die Qualifikationsspiele gegen Nistru Otaci und Interblock Ljubljana und trifft heute auf den irischen Vertreter St. Patrick’s Athletic FC. In zwei Wochen findet in Dublin das Rückspiel statt.

„Wir wollen in die Gruppenphase, daher brauchen wir eine gute Ausgangsposition“, sagte Dieter Hoeneß gestern. Unterdessen warnte Lucien Favre vor den Iren, die in ihrer Uefa-Cup-Qualifikation den schwedischen Tabellenzweiten Elfsborg eliminiert haben. „Sie spielen mit viel Engagement, suchen jeden Zweikampf und rennen bis zur 95. Minute.“ Der Schweizer wird eine Formation aufbieten, die dem körperbetonten Spiel der Gäste etwas entgegenzusetzen weiß. Außerdem muss Favre auf Patrick Ebert verzichten, der an der Leiste verletzt ist. Auch der Einsatz von Raffael ist fraglich. So könnte es sein, dass der kampfstarke Pal Dardai sein Saisondebüt für Hertha gibt. „Wir sind ganz klar der Favorit, aber wenn wir denken, wir können nur mit 80 Prozent spielen, dann werden wir eine große Überraschung erleben“, sagte Favre.

Das geringe Zuschauerinteresse, das Hertha ja nicht nur aus dem Uefa-Cup kennt, kommentierte Dieter Hoeneß gewohnt routiniert: „Mich interessiert nur das Weiterkommen.“

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