Hertha im Uefa-Cup : Hoffenheim auf Ukrainisch

Herthas Uefa-Cup-Gegner Metalist Charkow ist mit jungen und hungrigen Spielern erfolgreich.

Dmitrij Grebenschikow
UEFA-Pokal - Hertha BSC Berlin - Benfica Lissabon
Ein Ukrainer gegen die Ukraine. Andrej Woronin (links, gegen Benfica) trifft am Donnerstag mit Hertha auf Charkow.Foto: dpa

Miron Markewitsch hat schon immer ein gutes Auge für junge Spieler besessen. Wenn man dem Trainer des ukrainischen Erstligisten Metalist Charkow glauben darf, hat sogar sein Landsmann Andrej Woronin, der Stürmer von Hertha BSC, davon profitiert. Woronin und Markewitsch haben beruflich noch nie etwas miteinander zu tun gehabt, bis heute, wenn der Berliner Fußball-Bundesligist im zweiten Spiel der Uefa-Cup-Gruppenphase auf den Klub aus der Ukraine trifft (ab 18 Uhr in unserem Live-Ticker; keine TV-Übertragung).

Doch Markewitsch reklamiert für sich, dass Woronin ihm seine Karriere als Nationalspieler zu verdanken hat. „Es gibt eine Geschichte, die Andrej selbst wahrscheinlich noch nicht kennt“, sagt Markewitsch. „Vor einigen Jahren habe ich ihn für die Nationalmannschaft empfohlen.“ Markewitsch verfolgte damals regelmäßig die deutsche Zweite Liga im Fernsehen. Dabei fiel ihm ein junger Stürmer von Mainz 05 auf: Andrej Woronin. Markewitsch empfahl dem neuen Nationaltrainer Leonid Burajk Woronin zu beobachten. „Kurz darauf wurde Andrej in die Nationalmannschaft berufen.“

Charkow will in die Champions League

Von Markewitschs Auge für entwicklungsfähige Talente profitiert derzeit vor allem sein Arbeitgeber Metalist Charkow. Der Klub, der bis auf den Pokal der UdSSR (1989) noch nie einen Titel gewonnen hat, hat in der ukrainischen Fußballgeschichte bisher allenfalls eine Nebenrolle gespielt. Doch inzwischen strebt der Verein nach mehr. Der Klub will in die Champions League, und die Aussichten sind gar nicht mal schlecht. In der heimischen Liga belegt die Mannschaft nach 13 Spieltagen hinter Dynamo Kiew den zweiten Tabellenplatz, im Uefa-Cup hat sich Metalist durch einen Erfolg gegen Besiktas Istanbul zum ersten Mal für die Gruppenphase des Uefa-Cups qualifiziert. Markewitsch, 57 Jahre alt, hat an diesem Aufschwung ganz erheblichen Anteil. Er gilt derzeit als einer der gefragtesten Trainer im ukrainischen Fußball.

„In Charkow geht es mit dem Fußball gut voran“, sagt Markewitsch, der seit 2005 als Trainer für den Verein arbeitet und ihn in der vergangenen Saison auf den dritten Tabellenplatz geführt hat. Das Stadion und das Trainingsgelände werden gerade modernisiert. In der Nähe des Stadions entsteht eine Akademie für den Nachwuchs des Klubs. Für den sportlichen Aufschwung aber ist vor allem die erfolgreiche Transferpolitik des Trainers verantwortlich. „Wir verpflichten keine namhaften Profis“, sagt Miron Markewitsch. „Wir legen unser Augenmerk auf junge, hungrige Spieler, die zuvor in unbekannten Vereinen gespielt haben. Sie brennen darauf, sich in einem guten Verein zu beweisen.“ Einer von ihnen ist der brasilianische Stürmer Jaja, den Metalist Ende des vergangenen Jahres vom belgischen Erstligisten KVC Westerlo verpflichtet hat.

Favre: "Sie haben keinen großen Namen, aber eine starke Mannschaft"

Das alles klingt ein bisschen nach Hoffenheim auf Ukrainisch, zumal Metalist ebenso wie der Tabellenführer der Bundesliga einen offensiven Stil pflegt. „Wir versuchen unseren Zuschauern einen erfrischenden Angriffsfußball zu bieten“, sagt Markewitsch. „Die Fans sind begeistert.“ Das Spiel gegen Hertha, Charkows erster Auftritt in der Gruppenphase des Uefa-Cups, ist mit 43 000 Zuschauern längst ausverkauft. „Das wird ganz heiß, sie spielen sehr offensiv“, sagt Andrej Woronin vor dem Auftritt in seiner Heimat, und auch Herthas Trainer Lucien Favre ist von dem heutigen Gegner einigermaßen beeindruckt: „Sie haben keinen großen Namen, aber eine starke Mannschaft. Es gibt keine Schwachpunkte.“ Zwei Spiele von Metalist hat Favre sich auf DVD angesehen. „Sie spielen flach und schnell“, sagt der Schweizer.

Trainer Markewitsch hat bei Capello und Daum gelernt

Darin zeigt sich auch die Handschrift des Trainers, der unter anderem bei internationalen Größen wie Johan Cruyff, Fabio Capello und Christoph Daum hospitiert hat. Sein wichtigster Lehrmeister aber war Waleri Lobanowski, der erfolgreichste und bekannteste Trainer des ukrainischen Fußballs. Am Anfang seiner Karriere hospitierte Markewitsch einen Monat lang bei Lobanowski, der sowohl die Nationalmannschaft als auch Dynamo Kiew betreut hat. Markewitsch erwies sich als sehr gelehriger Schüler. Einige Jahre später spielte er mit dem Provinzklub Karpaty gegen das große Dynamo Kiew und den nicht weniger großen Lobanowski – Markewitsch gewann mit seiner Mannschaft dreimal hintereinander.

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