Sport : Hertha intern

Das Protokoll einer Krisensitzung

André Görke

Sonntagmittag. Fredi Bobic kommt als Letzter vor der Geschäftsstelle von Hertha BSC vorgefahren. Er steigt aus seinem Wagen, lächelt, sagt: „Guten Tag.“ Dann verschwindet er in der Geschäftsstelle. Es ist 12.01 Uhr.

Krisensitzung bei Hertha.

Es ist 13.46 Uhr, als sich die kleine, weiße Tür wieder öffnet, sechs Spieler kommen heraus, steigen in ihre Wagen, rauschen davon. „Kein Kommentar.“ Das sagt Dick van Burik aus dem offenen Autofenster, dann biegt er um die Ecke. Auf dem Parkplatz ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Fotografen sind froh, rechtzeitig auf den Auslöser gedrückt zu haben.

Oben, in der zweiten Etage, hatte Manager Dieter Hoeneß um 12 Uhr zum Gespräch geladen. Der Mannschaftsrat – Bobic, Dardai, Friedrich, Kovac, Rehmer, van Burik – , Trainer Huub Stevens und dessen Assistent Holger Gehrke sitzen mit am Konferenztisch. Kurz nach 14 Uhr verlassen sie die Geschäftsstelle. Wortlos.

Dann kommt der Manager. „Ihre Fragen, bitte“, sagt Hoeneß. Und antwortet: „Wir haben sehr deutliche Worte gefunden.“ Am Abend zuvor hatte er „Konsequenzen“ angekündigt. Welche? Der Trainer bleibt. Über Geldstrafen redet Hoeneß nicht. „Die Spieler strafen sich selbst, wenn sie so spielen.“ 40 Prozent des Grundgehalts der Profis seien leistungsbezogen. Hoeneß sagt: „Sie werden nicht fürs Erscheinen bezahlt. Wenn jemand nicht mitzieht, fliegen die Fetzen.“ Was wurde eigentlich besprochen? „Internes.“

Es ist 14.45 Uhr. Jetzt fährt auch Hoeneß.

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