Sport : Hertha kauft 14 Tore

Berliner verpflichten den 31-jährigen Stürmer Fredi Bobic von Hannover 96

Frank Kohl,Michael Rosentritt

Von Frank Kohl

und Michael Rosentritt

Berlin. Bei Hertha BSC gibt es in diesen Tagen nicht viele gute Nachrichten. Ein Uefa-Cup-Platz ist für den Fußball-Bundesligisten aus eigener Kraft nicht mehr zu erreichen, weshalb sich Trainer Huub Stevens gestern auf der Mitgliederversammlung wütende Pfiffe anhören musste. Manager Dieter Hoeneß tat folglich gut daran, sich für diese Veranstaltung eine positive Nachricht aufzuheben. Es war kurz nach acht Uhr, als der Manager von Hertha BSC auf dem Podium sagte: „Ich soll ihnen schöne Grüße von Fredi Bobic bestellen.“

Der Jubel im Saal war groß. Den Mitgliedern scheint es zu gefallen, dass der Nationalspieler Fredi Bobic in dieser Woche bei Hertha BSC einen Zweijahresvertrag plus Option auf ein zusätzliches Jahr unterschreiben wird. „Er hat mir heute mündlich seine Zusage gegeben“, berichtete Hoeneß den Vereinsmitgliedern. Der 31-jährige Stürmer hat gestern seinem aktuellen Klub Hannover 96 eine Absage für die kommende Saison erteilt. Dazu schreibt Fredi Bobic auf seiner Homepage: „Das Angebot aus Berlin, das Konzept von Manager Dieter Hoeneß und Trainer Huub Stevens hat mich sehr beeindruckt.“

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Auch Hoeneß hält viel von seiner Neuerwerbung. „Bobic glaubt daran, dass wir noch in den Uefa-Cup kommen“, sagte Hoeneß, „das ist genau die Winner-Mentalität, die wir brauchen.“ Im aktuellen Team scheint es an dieser Eigenschaft zu mangeln, sonst hätte der Manager nicht noch ausdrücklich ausgeführt, dass der Mittelfeldspieler, der noch gesucht wird, die gleiche Einstellung vorweisen müsse. Den ausgepfiffenen Trainer unterstützte Hoeneß demonstrativ, indem er mehr Respekt verlangte und sagte: „Die ganze Liga beneidet uns um Huub Stevens.“

Dann machte der Manager noch eine Rechnung auf. Fredi Bobic, der in dieser Spielzeit 14 Tore erzielte, ist neben Artur Wichniarek von Arminia Bielefeld, der auf 12 Treffer kommt, Herthas zweiter torgefährlicher Zugang. „Wir haben jetzt 26 Saisontore eingekauft“, sagte Hoeneß, „wir hoffen, dass sie diese Tore auch für uns schießen werden.“

Eine Hoffnung, die er bei Alex Alves längst aufgegeben hat. Am Mittwoch wird der exzentrische Stürmer von Hertha BSC in seine Heimat zurückkehren. Nach dreieinhalb Jahren endet sein Engagement beim Bundesligisten – ein Jahr früher als geplant. Für rund 15 Millionen Mark war er von Manager Dieter Hoeneß während der Wirren des Millenniums verpflichtet worden. Es war der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte und gleichzeitig der größte Flop. Alves verdiente 2,2 Millionen Euro per anno. „Er ist die größte Enttäuschung“, sagte Hoeneß der „BZ“, „wir haben so viel investiert in ihn, aber nichts zurückbekommen.“

Am Donnerstag wird Alex Alves bei seinem neuen Arbeitgeber Atletico Mineiro vorgestellt werden. Der brasilianische Klub wird den Stürmer aber nur bis zum Jahresende ausleihen. Der Verein habe 30 Prozent der Transferrechte des 28-Jährigen gekauft, heißt es in einer Presseerklärung von Atletico Mineiro. Die übrigen 70 Prozent bleiben bei Hertha und damit die Sorge, ob sich dann ein Verein für ihn findet.

Alves bleibt nur für den Rest des Jahres bei Mineiro, weil er sich mit guten Leistungen bei einem europäischen Verein wieder ins Gespräch bringen will. In Brasilien gibt es nicht so viel zu verdienen. Die Obergrenze der Spielergehälter bei Atletico liegt zurzeit bei 200 000 Reais, rund 65 000 Euro.

Alves fehlte bereits gestern, als Hoeneß bei der Mitgliederversammlung die gesamte Mannschaft auf das Podium holte. Später gab er die Verpflichtung von Fredi Bobic bekannt. Wie heißt es doch: Jedem Ende wohnt auch ein Anfang inne.

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