Sport : Hertha: Kein Notplan für das Olympiastadion

Klaus Rocca

Ein Fan tat es auf dem Pinboard des Fußball-Bundesligisten im schönsten Deutsch kund: "Hertha hat schon ein Notplan!" Hat Hertha nicht, sagt Dieter Hoeneß. Der ist Manager und müsste es wissen. Hoeneß: "Wir werden die Gäule nicht scheu machen, solange die Messergebnisse nicht da sind." Das wird heute der Fall sein. Dann steht fest, ob das beim Umbau des Olympiastadions festgestellte, vermutlich Krebs erzeugende Gift PCB in so gesundheitsgefährdenden Mengen vorkommt, dass die Arena für kurze oder gar längere Zeit gesperrt werden muss. "Wir wollen die Situation nicht verniedlichen, aber auch keine Horror-Szenarien an die Wand malen", kommentierte Hoeneß.

Zum Thema Saisonrückblick: Das Hertha-Konzentrat bei Tagesspiegel Online Ingo Schiller saß gestern in großer Runde beim Senator für Stadtentwicklung. "Ich bin zuversichtlich, dass wir keinen Notplan erstellen müssen", sagte Herthas Geschäfsführer danach. Bei der Sitzung ging es nach seinen Angaben nicht darum, welche Alternativen Hertha im Negativ-Fall haben würde. "Die sportliche und finanzielle Seite Herthas war dabei kein Aspekt. Es ging vor allem um die Frage, in welcher Konzentration das PCB auf Besucher gesundheitsgefährdend wirken würde", so Schiller. Vorsichtshalber wurde das an diesem Sonntag mit den Fans stattfindende Saison-Eröffnungsfest aufs Maifeld verlegt. Das Freundschaftsspiel eine Woche später gegen den 1. FC Union könnte im Jahnsportpark oder in der Alten Försterei stattfinden.

Würde das Olympiastadion für längere Zeit gesperrt werden, träfe das Hertha hart. Höchst unzufrieden waren die Vereinsoberen schon darüber, dass durch den jetzigen Umbau die Zuschauerkapazität auf 55 000 verringert wurde. Ein Fan kürzlich im Internet: "Nun sollte Hertha doch mal über einen Neubau nachdenken. Das Olympiastadion ist Geschichte." Bei Hertha hatte man nicht nur über einen Neubau nachgedacht, sondern sich vehement für ihn eingesetzt. Doch die Leichtathletik-Anhänger, die um die Attraktivität des Istaf fürchteten, fanden letztlich genügend Befürworter. Durch die Reduzierung der Zuschauerkapazität während des Umbaus gehen Hertha beträchtliche Gelder verloren. Zumindest beim ersten Heimspiel am 4. August gegen den Meisterschafts-Mitfavoriten Borussia Dortmund hätte man die vor dem Umbau mögliche Maximal-Zuschauerzahl von 76 000 erwarten können.

Gäbe es heute ein negatives Messergebnis, müsste das Duell mit der Borussia voraussichtlich im Jahnsportpark stattfinden. Der aber hat mit einem Fassungsvermögen von 20 000 Besuchern für Bundesliga-Verhältnisse höchst unzureichende Dimensionen. Hoeneß drückt es noch sehr moderat aus: "Würde das Olympiastadion gesperrt werden, gäbe es keine wirklich gute Lösung." Bitter könnte es vor allem dann werden, müssten die Umbauarbeiten wegen der Gefährdung der Bauarbeiter für längere Zeit unterbrochen werden. Skeptiker sähen dann sogar für Berlin als WM-Spielort 2006 Gefahren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar