Sport : Hertha klettert wieder hoch

Berliner vergeben gegen Bochum viele Chancen, verlieren van Burik durch Feldverweis – und gewinnen 1:0

Klaus Rocca

Berlin. Franz-Xaver Wack, im Hauptberuf Zahnarzt im bayerischen Biberach, hätte Pal Dardai dankbar sein müssen. Das Tor des Ungarn bewahrte Wack wohl davor, das Olympiastadion unter Polizeischutz zu verlassen. Die Wut der Fans unter den 37 000 Zuschauern hatte sich an jenem umstrittenen Platzverweis für Dick van Burik entzündet, nach dem Hertha BSC fast 50 Minuten dezimiert dem VfL Bochum gegenüberstand. Und dann dank Dardais sehenswertem Volleyschuss doch als 1:0 (0:0)-Sieger den Platz verließ. „Die Wiedergutmachung nach der Schlappe in Leverkusen ist uns gelungen“, durfte Manager Dieter Hoeneß resümieren. Zusätzliche Freude bereitete ihm Herthas Rückkehr auf den vierten Tabellenplatz.

Auch Hoeneß war erbost über Wacks Entscheidung, sagte ihm zur Pause unfreundliche Worte. „Die erste Gelbe Karte kann man geben, die zweite darf man nicht zeigen“, sagte er. Da hatte er freilich noch nicht die Fernsehbilder gesehen. Die ließen erkennen, dass die Gelb-Rote Karte für van Burik hart, aber durchaus vertretbar war. Herthas Holländer hatte binnen 90 Sekunden erst den Ex-Herthaner Dariusz Wosz von hinten gefoult und dann, erneut von hinten, Thomas Christiansen. Wack, seit 1996 Leiter von Erstligaspielen und seit 2000 Fifa-Schiedsrichter, zögerte keine Sekunde. Und sein Assistent Günter Perl meinte schon zur Pause: „Dick van Burik hat sich höchst unprofessionell verhalten.“ Sollte heißen: Wer gerade verwarnt ist, hält sich in der Folgezeit bei Duellen zurück. Van Burik hatte im Übrigen 2001 im Uefa-Cup-Spiel gegen Servette Genf ebenfalls Gelb-Rot, im April vergangenen Jahres in München beim Spiel gegen die Bayern Rot gesehen.

Die Wahrscheinlichkeit, in Unterzahl – selbst gegen einen Abstiegskandidaten wie den VfL Bochum – zu verlieren, ist groß. Umso mehr, wenn man vor Dardais Tor Chancen zuhauf vergeben hat. „Normalerweise wird das bestraft, gewinnt man nach so vielen versiebten Möglichkeiten nicht mehr“, sagte Huub Stevens später. Dass Michael Preetz bei einem Kopfball nur den Pfosten traf, war noch am ehesten zu akzeptieren. Andere wie Marcelinho und Alves mussten sich schon eher den Vorwurf gefallen lassen, versagt zu haben.

Doch es gab noch ein Happyend. Weil die Bochumer ihre numerische Überlegenheit nicht so konsequent wahrnahmen, wie man es von einem Team erwarten muss, dem der Absturz droht. „Wir versuchten es leider mit der Brechstange“, sagte Peter Neururer, 1991 für wenige Wochen bei Hertha Trainer. Ein glückliches Ende gab es aber auch, weil die Herthaner nie ihren Siegeswillen verloren. „Wir haben die Bochumer dafür bestraft, dass sie uns vor der Pause mit ihrem Zeitschinden verarscht haben“, sagte Thorben Marx.

Bestraft wurden sie auch, weil sie bei Dardais Tor nach einer guten Stunde die Flanke von Bart Goor offenbar unterschätzten. Dardai nahm den Ball volley und schoss ins lange Eck. Goor: „Das haben wir zuletzt immer wieder im Training geübt.“ Ehe Herthas Fans spotteten „Zweite Liga, Bochum ist dabei“, mussten sie freilich noch bange Minuten durchstehen. So, als Christiansen, immerhin schon 14facher Saisontorschütze, einen Freistoß raffiniert schoss, Torhüter Gabor Kiraly den Ball aber mit glänzender Reaktion an den Pfosten lenkte. In der Schlussminute stürmte sogar Torhüter Rein van Duijnhoven mit, doch vergeblich. „Vor dem Spiel hatten wir nicht an einen Sieg gedacht, weil Hertha zu stark ist, nach dem Feldverweis hätten wir es aber packen müssen“, sagte Neururer.

Hertha hat sich das gestern sicher alles leichter vorgestellt. Van Buriks Übereinsatz war kein guter Dienst. Zur Strafe muss er, bis zu seinem Ausscheiden Herthas Bester, am kommenden Sonnabend in Rostock pausieren. So wie Marx, der zum fünften Male verwarnt wurde. Vielleicht fallen auch Marcelinho und Preetz aus. Der Brasilianer erlitt eine Oberschenkelverletzung, beim Mannschaftskapitän wurden im Krankenhaus Becken- und Rippenprellungen diagnostiziert.

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