Hertha - Köln 2:1 : Pantelic köpft Hertha zum Sieg

Der eingewechselte Stürmer trifft kurz vor Schluss zum Sieg über den 1. FC Köln und entschuldigt sich bei Trainer Lucien Favre. Hertha ist zumindest für eine Nacht Tabellenzweiter.

Sven Goldmann
Hertha BSC Berlin - 1. FC Kölnxxx
Die zwei lustigen Drei. Marko Pantelic und Patrick Ebert freuen sich, im Hintergrund feiert Herthinho.Foto: dpa

Zwanzig Minuten vor Schluss, als alle Angriffsbemühungen sich festgefahren hatten, griff Lucien Favre zum für ihn äußersten Mittel. Der Trainer von Hertha BSC wechselte Marko Pantelic ein, den Stürmer, für den er bekanntlich keine allzu großen Sympathien hegt. Der Serbe bedankte sich auf seine Weise – mit einem wunderschönen Kopfballtor, das den Berlinern kurz vor Schluss noch drei Punkte einbrachte. Vier Minuten waren noch zu spielen gegen den 1. FC Köln, da flog Pantelic in eine Ecke des ebenfalls eingewechselten Patrick Ebert und erzielte das hoch verdiente Tor zum 2:1 (1:1)-Sieg. „Das nenne ich einen guten Wechsel“, jubelte der Stadionsprecher vor 40 704 Zuschauern im Olympiastadion. Für die Berliner war es am 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga schon der vierte Sieg in Folge. In der Tabelle steht Hertha nun auf Rang zwei.

Vom Ergebnis her war es knapp, aber die Berechtigung dieses Sieges steht nicht in Frage. Hertha hat sich auf bemerkenswert hohem Niveau stabilisiert, früher wäre den Berlinern so ein Spiel wahrscheinlich verloren gegangen. Gegen Köln aber war nichts zu sehen von Arroganz oder Selbstüberschätzung. Wie schon in den Spielen der jüngsten Vergangenheit zeigte Hertha in der Offensive Szenen, wie man sie in Berlin lange nicht gesehen hat. Nach abwartendem Beginn stürzte Köln von einer Verlegenheit in die nächste. Gojko Kacars Kopfball nach einem Eckball von Andrej Woronin faustete Kölns Torhüter Farid Mondragon mit letzter Kraft zur Seite, und nach Woronins flacher Eingabe hätte Pedro Geromel beinahe ein Eigentor fabriziert.

Folgerichtig fiel nach 23 Minuten das Berliner Führungstor. Gojko Kacar erzielte es nach der schönsten Kombination des Abends. An der Mittellinie fing Raffael einen Pass von Pierre Womé ab. Scheinbar ziellos trieb der Brasilianer den Ball über den Platz, bis er kurz vor dem Strafraum einen Haken nach rechts schlug und Woronin anspielte. Der Ukrainer nahm den Ball an und spielte ihn sofort weiter auf Kacar, der noch ein paar Schritte lief und allein vor Mondragon überlegt vollendete.

Die besseren Szenen hatten die Berliner

Fortan hatte Köln zwar optische Vorteile, aber die besseren Szenen hatten weiterhin die Berliner. Woronin hätte nach Maximilian Nicus schönem Anspiel das 2:0 erzielen können, doch er schlug den Ball aus vielversprechender Position direkt auf Mondragon. Auf der anderen Seite hatte Herthas Torhüter Jaroslav Drobny Glück, als Miso Brecko mit einem 30-Meter-Schuss aus dem Nichts heraus die Latte traf. Es war dies ein Warnschuss, den Hertha aber nicht als solchen empfand. Die erste Halbzeit war schon fast vorbei, da kam Fabrice Ehret auf der linken Seite unbedrängt zum flanken. Herthas Innenverteidiger Arne Friedrich und Josip Simunic standen taktisch schlecht auf einer Linie und mussten mitansehen, wie Kölns Mittelstürmer Milivoje Novakovic hochstieg und den Ball mit dem Kopf unhaltbar für Drobny zum Ausgleich ins Netz wuchtete.

Es spricht für die gewachsene spielerische und nervliche Stärke der Berliner, dass sie diesen Rückschlag offensichtlich unbeeindruckt wegsteckten und das Spiel wieder an sich rissen. Woronin scheiterte mit einem Distanzschuss an Mondragon, bei Ciceros Kopfball klärte Ehret auf der Linie. Hertha bestimmte weiter das Tempo. Erst hatte Pantelic Pech mit einem Abseitstor, dann verzog Raffael knapp. Trainer Favre riskierte alles und brachte für Woronin und Raffael in der Schlussphase Ebert und Domowtschiski, der ebenfalls das 2:1 auf dem Fuß hatte. Hertha gab nicht auf und wurde durch Pantelics artistischen Kopfball belohnt. Nach dem Abpfiff umarmte der Torschütze Lucien Favre. „Ich sehe ein, dass ich Fehler gemacht habe“, sagte Pantelic. „Ich reiche dem Trainer die Hand.“

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