Sport : Hertha kommt nach Hause

Beim 3:0 gegen Mönchengladbach gewinnen die Berliner erstmals seit 21 Jahren ein Pokal-Heimspiel

Stefan Hermanns

Berlin - Die Fans von Hertha BSC haben seit einigen Wochen ein neues Lieblingslied. Es handelt – kurz zusammengefasst – davon, dass sie die Meisterschaft holen, außerdem den Uefa-Cup und den DFB-Pokal. Mancher mag diese Einstellung für größenwahnsinnig halten, oder aber für den Ausdruck einer gewissen Ironie. Den Text können Herthas Anhänger aber auch in den kommenden Wochen noch unverändert singen. Denn auch im Achtelfinale des DFB-Pokals zählt der Berliner Fußball-Bundesligist noch zu den Teilnehmern des Wettbewerbs. Hertha gewann gestern Abend das Zweitrundenspiel gegen Borussia Mönchengladbach durch Tore von Fathi, Cairo und Marx 3:0 (1:0). Es war der erste Heimsieg der Berliner im DFB-Pokal seit 21 Jahren. „Jede Serie geht einmal zu Ende“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Die Berliner, bei denen Ellery Cairo und Josip Simunic in die Anfangself gerückt waren, spielten vor 25 143 Zuschauer im Olympiastadion, wie es sich für eine Heimmannschaft gehört. Sie investierten mehr, attackierten die Gladbacher früh in deren Hälfte und zwangen sie immer wieder zu Fehlern. Meistens verloren die Gäste den Ball schon im Spielaufbau. „Wir hatten von Anfang an die Einstellung, die nächste Runde zu erreichen“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Allerdings dauerte es eine Weile, ehe sich die Überlegenheit seiner Mannschaft auch in gefährlichen Offensivaktionen äußerte. Die erste Chance hatten die Berliner erst nach mehr als 20 Minuten. Arne Friedrich setzte sich an der rechten Seite gegen Filip Daems durch, seinen Schuss aufs kurze Eck konnte Gladbachs Torhüter Kasey Keller jedoch abwehren.

Vom neuen Selbstbewusstsein der Borussen nach vier Siegen aus den vergangenen fünf Begegnungen war wenig zu sehen. „Wir haben das Spiel nicht so angenommen, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Gladbachs Trainer Horst Köppel. Seine Spieler wirkten wie bei der 0:6-Niederlage im Olympiastadion vor gut elf Monaten verunsichert und unkonzentriert. Zum Beispiel in der 35. Minute bei Herthas Führungstreffer. Die Borussen mäkelten bei einer Ecke noch über die Entscheidung des Schiedsrichters, da hatte Andreas Neuendorf den Ball bereits zum völlig unbeobachteten Friedrich gepasst, und dessen Flanke konnte der ebenfalls ungedeckte Malik Fathi ins Tor köpfen. Für den Linksverteidiger war es das erste Pflichtspieltor im Hertha-Trikot. „Ein Wunder ist heute geschehen“, sagte Fathi, der nach seinem Tor ein Problem hatte, das er vorher gar nicht kannte: „Ich wusste gar nicht, wie man zu jubeln hat.“

Beim letzten Pokalheimspiel im Januar 2002 – gegen den späteren Absteiger 1. FC Köln – hatte Hertha ebenfalls 1:0 geführt. Kurz vor Schluss kassierten die Berliner damals allerdings den Ausgleich und in der Verlängerung dann auch noch den Treffer zum 1:2-Endstand. Diesmal bestand diese Gefahr zu keiner Zeit. Der starke Cairo schoss die Berliner schon kurz nach der Pause 2:0 in Führung und beseitigte damit die letzten Zweifel am Weiterkommen. Nach einem langen Pass in die Spitze flankte Neuendorf an den Fünfmeterraum, über einige Umwege landete der Ball schließlich bei Cairo, der mit dem Abschluss keine Mühe hatte.

Die Gladbacher blieben auch nach der Pause harmlos. Bis zum Schluss erspielten sie sich nicht eine einzige Tormöglichkeit. Obwohl die Berliner sich bemühten, keine unnötigen Kräfte mehr zu vergeuden, blieben sie jederzeit die gefährlichere Mannschaft. Zehn Minuten vor Schluss traf der eingewechselte Thorben Marx sogar noch zum 3:0-Endstand. „Wir haben clever gespielt, konzentriert gespielt“, sagte Manager Hoeneß. „Das war wirklich eine runde Geschichte.“

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