Sport : Hertha kommt zurück

Die Berliner gleichen in Gladbach zweimal aus – Kampf um Uefa-Cup-Platz bleibt nach 2:2 spannend

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Nando Rafael kennt die Schwächen der Berliner Verteidiger aus ungezählten Trainingseinheiten, und natürlich versuchte er sein Insiderwissen auszunutzen. An drei Abwehrspielern schlängelte sich der frühere Berliner vorbei, erst der vierte spitzelte ihm den Ball vom Fuß, und wieder einmal war ein Angriff der Mönchengladbacher vorzeitig beendet. So lief es meistens an diesem Nachmittag. Doch selbst mit ihren limitierten Fähigkeiten hätten die Borussen Hertha BSC im Kampf um einen Uefa-Cup-Platz beinahe den größtmöglichen Schaden zugefügt. Zehn Minuten vor Schluss brachte Thomas Broich die Gladbacher zum zweiten Mal in Führung. „Das wäre der Hohn gewesen, wenn wir das Spiel verloren hätten“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. Niko Kovac bewahrte seine Mannschaft davor. Fünf Minuten nach dem 1:2 köpfte er einen Eckball zum 2:2-Endstand ein und verhinderte damit Schlimmeres.

Schon so hat sich die Situation für Hertha nicht verbessert. Weil Bayer Leverkusen in Hamburg gewann, vergrößerte sich der Rückstand auf Platz fünf von zwei Toren auf zwei Punkte. Herthas Verantwortliche bemühten sich daher, das Gute im Schlechten zu finden. „Dieser Punkt ist schon wichtig“, sagte Hoeneß. „Dadurch können wir am nächsten Spieltag an Leverkusen vorbeiziehen.“ Am Dienstag in einer Woche treffen die Berliner im eigenen Stadion auf Bayer. „Das ist das große Finale“, sagte Herthas Verteidiger Sofian Chahed. „Eines von drei.“

Das Spiel in Mönchengladbach gibt nur bedingt Aufschluss darüber, ob Hertha den Anforderungen dieser Finalserie in der Bundesliga gewachsen ist. Einerseits bestimmte sie gegen die Borussen vor 50 216 Zuschauern über weite Teile das Geschehen, selbst nachdem Yildiray Bastürk und Dick van Burik schon vor der Pause mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgefallen waren. Auch bewiesen die Berliner Nervenstärke, als sie zweimal einen Rückstand egalisierten. Doch beide Tore der Borussen illustrierten aufs Neue eine alte Schwäche der Berliner: ihre allgemeine Unordnung bei Standardsituationen. Das 1:0 fiel nach einem Freistoß, den Oliver Neuville flach in Herthas Strafraum getreten hatte. Der Ball passierte zunächst einige Beine, landete dann am Knie von Sofian Chahed und flog von dort ins eigene Tor.

Das 2:1 der Gladbacher war fast noch kurioser. Es resultierte aus einer kurz ausgeführten Ecke. Broich stand nach der Flanke von Peer Kluge völlig frei am zweiten Pfosten und lenkte den Ball ins Netz. „So was gibt es normalerweise nicht“, klagte Niko Kovac über das kindliche Abwehrverhalten seiner Kollegen. „Da gucken alle in der Weltgeschichte rum.“

Das zweite Tor der Borussen wäre jedoch gar nicht weiter ins Gewicht gefallen, wenn die Berliner zuvor ihre Überlegenheit bis zum Ende ausgespielt hätten. Dieter Hoeneß vermisste „diesen Instinkt, das Ding zuzumachen“. Die Gladbacher hatten sich den Berlinern nur in den ersten zehn Minuten als einigermaßen ebenbürtig erwiesen. Spätestens nach dem Ausgleich durch einen abgefälschten Fernschuss von Yildiray Bastürk liefen die Borussen ihren Gegenspielern zumeist nur noch planlos hinterher.

Vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte sich das ganze Ausmaß der Gladbacher Unterlegenheit. Trainer Horst Köppel hatte seinen Teil dazu beigetragen, indem er Marcell Jansen, seinen gefährlichsten Stürmer, in die Viererkette zurückversetzte. Die Berliner, die im Mittelfeld nun allen Platz hatten, vergaben nach der Pause sieben gute bis exzellente Möglichkeiten, in Führung zu gehen und damit den Widerstandsgeist der Borussen vorzeitig zu brechen.

Der ganze Spielwitz der Borussen kulminierte zehn Minuten vor Schluss in einem 30-Meter-Weitschuss von Wesley Sonck, den Herthas Torhüter Christian Fiedler zur Ecke boxte. Offensichtlich hatte dieser Anflug von Offensivgeist die Berliner derart überrascht, dass sie anschließend nur sehr maßvoll ihrer Defensivarbeit nachkamen und Broich am Fünfmeterraum ausreichend Freiraum für den Treffer zum 2:1 gewährten. „Zum Schluss hätte es dumm laufen können“, sagte Trainer Falko Götz.

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