Hertha-Legende : Bei "Holst am Zoo"

Die Kneipe heißt längst anders, aber alle nennen sie noch nach der verstorbenen Hertha-Legende: "Holst am Zoo".

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Wolfgang Holst 1999 in der Kneipe, die er später an Hanne Weiner übergab. Foto: ©Photoagentur WENDE
Wolfgang Holst 1999 in der Kneipe, die er später an Hanne Weiner übergab.Foto: ©Photoagentur WENDE

Berlin - Es zieht in der Gasse vor der Kneipe. Auf der einen Ecke vor „Hanne am Zoo“ in der Joachimstaler Straße protzt Burger King, ein paar Schritte weiter lockt Beate Uhse mit den billigsten Pornofilmangeboten. Und direkt vor dem Laden steht eine Berliner Dönerbude. Das Radio voll aufgedreht, stinkendes Fett – der Klassiker. Gemütlich ist anders. Hinter der Glastür der Fußballkneipe aber tut sich eine andere Welt auf. Die Welt von Wolfgang Holst.

Es ist Freitagnachmittag, die Nachricht vom Tode der Hertha-Legende ist gerade erst bekannt geworden. Daniel steht hinter seinem Tresen und zapft ein Bier. Einen Moment bitte, der Barkeeper muss zuerst noch eine kleine Gruppe von Touristen bedienen. Dann aber nimmt er sich Zeit, der Kaffee an einem der massiven Holztische „geht natürlich aufs Haus“. Auf den gepolsterten Bänken sitzt man bequem zwischen den vielen Trikots und Fußballfotos in schwarz-weiß. Früher sei Wolfgang Holst hier noch regelmäßig vorbei gekommen. Seit eineinhalb Jahren aber habe es der Gründer der Fußballkneipe leider nicht mehr geschafft, erzählt Daniel. Die Leute fragen trotzdem noch nach ihm. „Jeden Tag will einer mit Wolfgang ein Bier trinken.“

Wenn ein Gast am Handy sagt, wo er sich gerade befinde, muss Daniel ihn danach stets korrigieren: „Das hier ist nicht Holst am Zoo, sondern Hanne am Zoo.“ Hans „Hanne“ Weiner, eine andere Hertha-Legende aus der guten alten Zeit des Vereins, hatte „Holst am Zoo“ 2002 übernommen und umbenannt. Holst hatte die Kneipe 1977 eröffnet.

Hanne Weiner war nicht in Berlin, als er vom Tod seines Freundes und Geschäftspartners erfuhr. In Rheine bei Osnabrück trug er seinen Schwiegervater zu Grabe. „Das ist nun der vierte Todesfall einer mir nahestehenden Person binnen weniger Tage“, sagt Weiner mit belegter Stimme. Seit 1969 kannte er Holst, er hat ihn geschätzt „als Freund und Geschäftspartner“. Die Verhandlungen über die Kneipe seien genauso fair abgelaufen, wie Holst im Umgang immer gewesen sei. „Für Hertha ist das ein erheblicher Verlust. Man kann schon sagen, dass Wolfgang den Verein gezeichnet hat in den vergangenen 20 Jahren.“

Beim Spiel der Profis am heutigen Sonntag gegen Aue wird es vor dem Anpfiff eine Schweigeminute geben. Die Spieler tragen einen Trauerflor. Fans, die ihrer Trauer über den Tod des Ehrenpräsidenten Ausdruck verleihen möchten, können dies in ausliegenden Kondolenzbüchern tun. Die Weihnachtsfeier der Mannschaft nach dem heutigen Spiel wurde abgesagt. „Niemandem im Verein wäre jetzt nach Feiern zumute, insofern war das eine nur logische und von allen Beteiligten mitgetragene Entscheidung“, sagt Vereinssprecher Peter Bohmbach.

Holst war Herthas Institution, er rettete den Verein nach dem Bundesligaskandal vor dem Aus; auch nach seiner Amtszeit als Präsident mischte er immer engagiert mit. „Der ganze Verein verneigt sich vor Wolfgang Holst“, sagt der heutige Präsident Werner Gegenbauer. „Mit ihm verlieren wir einen großen Herthaner, der alles, was er anpackte, nie für sich, sondern nur für seinen Verein tat.“

Hanne Weiner wird sich das Spiel gegen Aue in seiner Kneipe ansehen, so wie immer. Eine besondere Aktion ist nicht geplant. Das hätte Wolfgang Holst wahrscheinlich ohnehin nicht gewollt. Sein letzter Wunsch soll der Wiederaufstieg Herthas in die Bundesliga gewesen sein.

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