Sport : Hertha legt Traumstart hin

Der Berliner Bundesligist gewinnt nach schönen Toren von Raffael und Ebert in Frankfurt mit 2:0

Claus Vetter[Frankfurt am Main]

Für eine Auswärtsmannschaft trat Hertha BSC erstaunlich selbstbewusst an.

Das war Hertha BSC? Ja, das war Hertha BSC! Die Berliner hatten am Sonntag zu ihrem ersten Bundesligaspiel elf Profis aufgeboten, die auf dem Rasen der Frankfurter Arena einen herrlichen Fußball spielten. Die Ordnung im Berliner Spiel war 90 Minuten lang erstaunlich gut und wurde vor 44 900 Zuschauern schließlich auch mit einem 2:0 (1:0)-Erfolg belohnt, an dem es nichts zu deuteln gab. Das fand selbst Friedhelm Funkel. Seine Mannschaft habe sich ja bemüht, sagte der Frankfurter Trainer achselzuckend. Aber gegen so einen Gegner sei nicht viel drin gewesen. „Herthas Sieg war hoch verdient.“

So sah es aus, der Frankfurter Optimismus lebte nur bis zum Spielbeginn. Da schien die Sonne noch durch die Planen der Dachkonstruktion in der Frankfurter WM-Arena und die fröhlichen Fans der Hessen rieselten sich mit einem Konfettiregen ein. Es schien doch unvermeidbar, dass die vor dieser Saison hoch eingeschätzte Eintracht ihr Publikum gegen die schwächer eingeschätzten Berliner mit attraktivem Fußball verwöhnen würde. Das aber war eine Fehleinschätzung. Lichte Momente hatte Frankfurt selten, was vor allem am Gegner lag. Hertha trat für eine Auswärtsmannschaft erstaunlich selbstbewusst an. „Wir wussten eben, was wir können“, sagte Verteidiger Marc Stein. „Schließlich hatten wir den Ernstfall ja schon in einigen Spielen proben können.“

In Herthas ersten ernsthaften Spielen der Saison, den Uefa-Cup-Qualifikationspartien, hießen die Gegner allerdings Otaci und Ljubljana. Gestern wartete in Frankfurt ein Team einer anderen Güteklasse, das aber Hertha trotzdem vor keine ernsthafte Aufgabe stellen konnte. Die Berliner Abwehr agierte auch ohne den verletzten Kapitän Arne Friedrich fast fehlerlos und das offensive Mittelfeld, in dem Patrick Ebert neben Raffael spielte, brachte viel Unruhe in den Frankfurter Strafraum. Bereits in der ersten Viertelstunde hätten Raffael und Marko Pantelic jeweils aus aussichtsreicher Schussposition Frankfurts Torwart Oka Nikolov überwinden können. Nachdem die Frankfurter zwischenzeitlich ein wenig besser ins Spiel gekommen waren und eine Torchance durch Ioannis Amanatidis gehabt hatten, führten die Berliner wieder Regie – und brachten den Ball auch im Tor unter. Mit einem Doppelpass hebelten Raffael und Pantelic die erstaunte Frankfurter Defensive aus. Am linken Pfosten stehend schoss Raffael dann aus spitzem Winkel ein, Nikolov war da längst geschlagen.

Ein wunderschönes Tor beendete die erste Halbzeit, mit schwungvollen Angriffen begannen die Berliner den zweiten Durchgang. Nachdem Patrick Ebert nach Vorlage von Pantelic mit einem Flachschuss ins rechte Eck das 2:0 für Hertha erzielt hatte, war die Entscheidung gefallen. Angesichts des Berliner Wirbels im Angriff erstaunte es nicht, dass Trainer Lucien Favre seinen Zugang Armine Chermiti keine Chance gab. Der Tunesier, mit über zwei Millionen Ablöse Herthas teuerster Zugang, musste das Spiel von der Auswechselbank verfolgen.

Zuschauer Chermiti sah Herthas ersten Bundesliga-Auftaktsieg seit 1999. Ein traumhafter Start in die neue Saison sei das, fand Berlins Manager Dieter Hoeneß. Überrascht davon war er angeblich nicht: „Ich habe gewusst, dass die Mannschaft so spielen kann.“

Ganz so euphorisch wollte Trainer Favre das Spiel nicht bewerten. Er monierte zu viele Ballverluste, am Kurzpass- und Tempospiel müsse noch gearbeitet werden und überhaupt ließe sich viel verbessern. „Nächsten Samstag gegen Bielefeld wird es ganz schwer“, sagte Favre. Vielleicht war es gut so, dass der Schweizer nach dem Sieg die Stimmung ein wenig dämpfte. Bis zum Saisonende sind es schließlich noch 33 Spieltage. Obwohl Hertha mit der Vorstellung von Frankfurt nicht nur die ersten drei Punkte, sondern auch die Hoffnung auf eine gute Saison gewonnen hat.

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