Hertha : Mehr Geld, weniger arbeiten

Vertragsverhandlungen laufen in der Regel nach einem festen Schema ab: Die eine Seite stellt ihre Forderungen, die andere hält ihre Vorstellungen dagegen, und meistens treffen sich beide Parteien irgendwo in der Mitte. Bei Gilberto ist das anders.

Stefan Hermanns
Gilberto
Gilberto (l.) in Aktion -Foto: ddp

Berlin - Im Fußball geht es im Grunde immer um die gleichen strittigen Themen: Das erste und wichtigste ist das Geld, das zweite die Vertragsdauer. Der Brasilianer Gilberto hat seinen Arbeitgeber nun mit einer ungewöhnlichen Forderung überrascht. Er verlangt von Hertha BSC Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich: Gilberto will weniger trainieren. „Ich fühle mich kaputt und müde“, sagte er dem Fernsehsender RBB. „Ich bin nicht mehr 18 Jahre, sondern 31. Das geht so nicht.“

Der Vertrag des brasilianischen Nationalspielers beim Berliner Fußball-Bundesligisten läuft am Ende dieser Saison aus. Ob er über den kommenden Sommer hinaus bei Hertha bleibt, ist fraglich. Gilberto hat mehrmals gesagt, dass der nächste Vertrag, den er abschließe, wohl der letzte große seiner Karriere sein werde. Entsprechend gut dotiert soll er sein. In dieser Woche wird sein Berater in Berlin zu Gesprächen mit Herthas Manager Dieter Hoeneß erwartet.

Hoeneß hat sich immer wieder zuversichtlich geäußert, dass sich die Angelegenheit im persönlichen Gespräch zu einem erfolgreichen Abschluss bringen lasse, obwohl beide Seiten zuletzt noch weit auseinander lagen. Angeblich will Gilberto, immerhin Stammspieler der brasilianischen Nationalmannschaft, zu den Spitzenverdienern bei Hertha aufsteigen. „Das macht mich nicht nervös“, sagt Hoeneß. Er sieht zumindest die grundsätzliche Bereitschaft Gilbertos, in Berlin zu bleiben: „Wir haben ihm ein Angebot gemacht, er hat ein Gegenangebot eingereicht. Das zeigt doch: Beide Seiten wollen verlängern.“

Der Brasilianer ist für Hertha derzeit wichtig wie nie zuvor. Erst in dieser Saison ist er in der mannschaftsinternen Hierarchie weiter aufgerückt, nachdem die Berliner darauf verzichtet hatten, einen Nachfolger für ihren Spielmacher Yildiray Bastürk zu verpflichten: Gilberto rückte von der linken Seite in die Mitte – doch der Brasilianer ist mit sich derzeit selbst nicht richtig zufrieden. Er fühlt sich ausgelaugt, auch bedingt durch die Doppelbelastung im Verein und in der Nationalmannschaft: 2005 hat er im Sommer den Confed-Cup gespielt, 2006 die Weltmeisterschaft und in diesem Jahr die Copa America. Hinzu kommen die aufwendigen Reisen zu den WM-Qualifikationsspielen in Südamerika. Vor anderthalb Wochen fehlte Gilberto bei Herthas Spiel in Karlsruhe, weil er erst nachmittags aus Brasilien kommend wieder in Deutschland gelandet wäre. Gilberto will daher seinen Nationaltrainer Carlos Dunga bitten, dass er in der Nationalmannschaft kürzer treten dürfe. Genau so stellt er sich das auch bei Hertha vor. Schon vor zwei Monaten habe er Trainer Lucien Favre dies mitgeteilt, bisher ohne Erfolg. „In Brasilien verstehen sie das, in Berlin offensichtlich nicht.“ Dieter Hoeneß sagt dazu: „Ich möchte das nicht kommentieren.“

Die Frage ist ohnehin, inwieweit solche Äußerungen nur Taktik in den Verhandlungen um einen neuen Vertrag sind. Zufällig gelangte in diesen Wochen auch das Interesse von Benfica Lissabon an Gilberto auf den Markt. Zwei Millionen soll der Klub für einen Transfer des Brasilianers schon im Winter geboten haben. Herthas Manager Dieter Hoeneß sagt: „Bei uns ist nicht einmal eine mündliche Anfrage eingegangen.“ Stefan Hermanns

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