Sport : Hertha muss gut treffen: Spielerfolge sind bereits einkalkuliert

C. v. L.

Für einen garantierten Festpreis von 473 Millionen Mark wird der Augsburger Baukonzern Walter Bau AG nach einem Beschluss des Senats das Olympiastadion in den nächsten Jahren sanieren und modernisieren. Das Abgeordnetenhaus muss den Vereinbarungen noch zustimmen.

Nach Plänen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner werden unter anderem die Zuschauerbereiche auf rund 76.000 überdachte Sitzplätze ausgebaut, 113 Einzellogen unterhalb des Stadiondaches sowie 15 Einzellogen im Bereich der neuen Ehrentribüne eingerichtet, die Ehrengast- und VIP-Bereiche von derzeit rund 800 auf etwa 4800 ausgeweitet und 875 Autostellplätze - davon 600 in Tiefgaragen - eingerichtet.

Das Spielfeld wird um 2,65 Meter gesenkt, der unterer Zuschauerbereich um zwei feste Reihen erweitert. Der Umbau soll bei laufendem Betrieb bei einer Kapazität von 55.000 Plätzen erfolgen und am 20. Mai beginnen. Fertig soll alles Ende Dezember 2004 sein.

Die vertraglich gesicherte dringend notwendige Instandsetzung und Modernisierung des unter Denkmalschutz stehenden Olympiastadions sei eine Investition in die Zukunft, sagte gestern Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Unabhängig davon, ob die Fußball-WM 2006 nun nach Berlin komme oder nicht, werde diese außergewöhnliche Sportstätte so ausgerüstet, dass sie für mehrere Jahrzehnte als Austragungsort großer Sportereignisse und hochrangigen Entertainments zur Verfügung stehe.

Von den 473 Millionen Mark überweist das Land Berlin an Walter Bau 383 Millionen Mark; in dieser Summe ist der Bundesanteil von 100 Millionen Mark enthalten. Die restlichen 90 Millionen Mark steuert Walter Bau in Form eines Kredites bei, der in den folgenden 13 Jahren mit Raten aus der Betriebsgesellschaft von zunächst zehn Millionen Mark abgedient wird. Walter Bau, mit Hertha BSC gleichberechtigter Mehrheitsgesellschafter - das Land Berlin hält 25,1 Prozent - erhält auch das Recht zur Nutzung des Olympiastadions für 13 Jahre.

Die Vereinbarungen sehen vor, dass die jährliche Pacht von rund zehn Millionen Mark grundsätzlich aus den Einnahmen der Betriebsgesellschaft bestritten wird, die gegenwärtig mit knapp 15 Millionen Mark veranschlagt sind, wobei 11 Millionen Mark von Hertha BSC kommen sollen. Die Rechnung geht allerdings von einer "mittelguten" Saison des Bundesligisten und entsprechendem Zuschauerinteresse aus. "Ein Risiko", gab Strieder zu bedenken, Hertha müsse also mindestens im Mittelfeld der Bundesliga bleiben, "sonst gibt es Probleme". Dafür stehen zunächst 20 Millionen Mark einer Liquiditätsreserve von Walter Bau und Hertha BSC zur Verfügung. Sind sie aufgebraucht, muss Berlin garantieren.

Das Konzept habe den Vorteil geringerer Baukosten (zunächst war von 517 Millionen Mark die Rede) und einem garantierten Festpreis, sagte Strieder. Dem Land blieben 90 Millionen Mark für andere Investitionen übrig. Die Bündnisgrünen sprachen von einem "Millionengeschenk für den Profifußball". Die PDS forderte vom Senat eine Erklärung, welche Investitionen zugunsten des Stadions gestrichen werden sollten.

Walter Bau hält weitere Entscheidungen für das Olympia-Gelände für möglich. Denkbar seien etwa eine Geschäftsstelle von Hertha BSC, ein Fuball-Internat und ein Hotel mit entsprechender Gastronomie.

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