Hertha muss in Hamburg auf Lustenberger verzichten : Das Psycho-Spiel: Wie Hertha gegen den angeschlagenen HSV punkten will

Hertha BSC hofft nach zwei Niederlagen zum Rückrundenauftakt auf die Wende, muss gegen den HSV aber auf Kapitän Fabian Lustenberger verzichten.

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Fabian Lustenberger hat sich im Training einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Er fällt mindestens zwei Wochen aus.
Fabian Lustenberger hat sich im Training einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Er fällt mindestens zwei Wochen aus.Foto: imago sportfotodienst

Jos Luhukay ist in dieser Woche ausgiebig zum anstehenden Bundesligaspiel beim Hamburger SV vernommen worden, und irgendwann fiel in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Aufbaugegner“. Luhukay, der Trainer von Hertha BSC, stutzte für einen Moment. „Wer soll der Aufbaugegner sein?“, fragte er. „Wir oder die?“

Der Start in die Rückrunde ist für den Berliner Fußball-Bundesligisten alles andere als ideal verlaufen: Hertha hat das Jahr mit zwei Niederlagen begonnen und ist in der Tabelle zwei Plätze nach unten gerutscht. Zum Aufbaugegner reicht es trotzdem noch nicht, zumindest nicht gegen den HSV. Die Hamburger sind mit null Punkten und 0:6 Toren das schlechteste Team der Rückrunde, sie haben zuletzt fünf Mal hintereinander verloren, so oft wie seit seligen Seeler-Zeiten nicht, und sie stellen mit 44 Gegentoren die schlechteste Defensive der Bundesliga. „Der HSV ist in einer schwierigen Situation“, sagt Luhukay. „Aber das bedeutet nicht, dass es für uns einfacher wird.“

Die Auseinandersetzung im Hamburger Volkspark verspricht zumindest eine psychologisch interessante zu werden. „Wir haben nicht so viel Druck“, sagt Per Skjelbred, der vom HSV an Hertha ausgeliehen ist. „Ich hoffe, dass wir im Kopf stärker sind und die Situation ausnutzen können.“ Andererseits könnten die Hamburger aus ihrer misslichen Lage auch so etwas wie Trotz entwickeln. Ihr Kapitän Rafael van der Vaart will zumindest im Training gemerkt haben, „dass wir füreinander durchs Feuer gehen wollen. Es war ein anderes Gefühl als in den Wochen zuvor.“

Im dritten Spiel des Jahres trifft Hertha zum dritten Mal auf einen Gegner, der tief in den Abstiegskampf verstrickt ist. Und wenn die Berliner im Moment nicht selbst ein paar Probleme hätten, könnte man sagen, dass der Hamburger SV genau der richtige Gegner für das Team von Jos Luhukay wäre: eine Mannschaft, die unter verschärftem Druck steht; die sich – gerade vor eigenem Publikum – gezwungen sehen wird, offensiv zu spielen; die vermutlich eher mit heißem Herzen als mit kühlem Verstand auflaufen wird und die den Berlinern gerade deshalb viel Raum für ihr erfolgreiches Umschaltspiel anbieten könnte. Trotzdem sagt Luhukay: „Das wird kein Selbstläufer – im Gegenteil.“

Herthas Trainer hat gerade selbst ein paar Probleme zu bewältigen. Am Donnerstag musste Kapitän Fabian Lustenberger das Training abbrechen. Der Innenverteidiger, der in dieser Saison in allen 19 Spielen von der ersten bis zur letzten Sekunde auf dem Platz gestanden hat, hat sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Er fällt mindestens zwei Wochen aus. Die Frage, wer Lustenberger in Hamburg ersetzt, ist gar nicht so leicht zu beantworten. John Anthony Brooks wird es nicht tun. Der 21-Jährige steht nicht einmal im Kader. Brooks hat am Donnerstag erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert, zuletzt gespielt für Hertha hat er aber Mitte Dezember. Blieben Christoph Janker, der zuletzt am zweiten Spieltag in der Startelf gestanden hat, und die beiden gelernten Mittelfeldspieler Lewan Kobiaschwili und Hajime Hosogai.

Doch gerade der Japaner Hosogai wird im defensiven Mittelfeld benötigt, als Quälgeist gegen Hamburgs Schöngeist van der Vaart, als Balleroberer und – zusammen mit Per Skjelbred und Tolga Cigerci – als Schalterspieler. „Im Spiel nach vorne haben wir noch Handlungsbedarf“, sagt Luhukay. „Wir müssen versuchen, ein höheres Tempo in unser Umschaltspiel zu bekommen.“ Gerade daran hat es in den Spielen gegen Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg gefehlt. „Mut und Überzeugung“ fordert Herthas Trainer von seiner Mannschaft.

Zumindest in dieser Hinsicht müsste Hertha gegenüber dem HSV klar im Vorteil sein.

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