Hertha nach dem letzten Test : Gespielte Realität

Das Freundschaftsspiel gegen Real Madrid dient Hertha BSC nur bedingt als Beispiel für die Bundesliga-Saison. Trotzdem gab es Phasen, die durchaus aufschlussreich für Markus Babbel waren.

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Getunnelt. Herthas Neuzugang Torun Tunay (links) hatte gegen Real Madrid, wie hier gegen Marcelo, einige lichte Momente.
Getunnelt. Herthas Neuzugang Torun Tunay (links) hatte gegen Real Madrid, wie hier gegen Marcelo, einige lichte Momente.Foto: dpa

Für den jungen Berliner Nachwuchsfußballer Alfredo Morales hatte sich der Abendkick gegen Real Madrid schon deswegen gelohnt, weil er sich hinterher das Trikot des früheren brasilianischen Weltfußballers Kaka ergattert hatte. „Der wird jetzt jeden Tag darin schlafen“, sagt anderntags Tunay Torun. Herthas Neuzugang aus Hamburg war irgendwie leer ausgegangen beim Trikottausch, obwohl auch er noch einmal in der Kabine der Madrilenen vorbeigeschaut hatte. Dafür aber war Torun einer derjenigen im Berliner Team, die auf dem Rasen positiv auf sich aufmerksam machen konnten. Zumindest phasenweise. Möglich, dass der offensive Allrounder gute Chancen auf einen Startplatz in der neuen Hertha-Mannschaft besitzt.

„Ich habe keine Stammelf“, sagte Markus Babbel. Im ersten Moment war Herthas Trainer die schmeichelhafte 1:3-Niederlage gegen Real ein wenig auf die Laune geschlagen. „Ich entscheide kurz vorher aus dem Bauch heraus, was das Beste für die Mannschaft ist“, grummelte er. Wer will, der konnte heraushören, dass Babbel für die neue Spielzeit nicht nach Namen gehen wird. Entscheidender wird das Spielsystem sein, mit dem Hertha den Klassenerhalt schaffen möchte. Ob das dann im Rahmen einer 4-2-3-1- Grundordnung oder doch entlang eines klassischen 4-4-2 geschehen wird, hänge auch vom jeweiligen Gegner ab. Gegen Real probierte Babbel es im 4–4-2-System, mit Adrian Ramos als zweiter Spitze neben Pierre-Michel Lasogga. „Das wird sich immer wieder vermischen“, sagt Babbel am Tag danach. Was nicht schadet, wenn wichtige Spieler ausfallen. Am Sonntag im Pokalspiel in Meuselwitz muss Roman Hubnik ersetzt werden, der sich gegen Real eine Fußprellung zugezogen hatte und nun pausieren muss.

Hertha trifft die Galaktischen
Ergebnis Nebensache: Karim Benzema erzielt das 3:1 für Real, Herthas Torwart Thomas Kraft kann es nicht mehr verhindern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: Reuters
27.07.2011 20:43Ergebnis Nebensache: Karim Benzema erzielt das 3:1 für Real, Herthas Torwart Thomas Kraft kann es nicht mehr verhindern.

Teile des Freundschaftsspiels gegen die Spanier waren durchaus aufschlussreich. Auch wenn Reals Team nur auf Durchreise war, so kann die erste Hälfte des Spiels als beispielgebend für das herhalten, was auf die Berliner in der Bundesliga zukommen dürfte. Auch hier wird der Aufsteiger oft als Underdog in die Begegnungen gehen, als einer, der bemüht sein muss, wenig Gegentore zuzulassen und gleichzeitig über schnelle Konter den eigenen Abschluss zu suchen. „Hertha hat eine gute Mannschaft mit guter Strategie – phasenweise“, sagte etwa Real Madrids Mittelfeldspieler Sami Khedira. Tatsächlich war es den Berlinern gelungen, die ersten 25 Spielminuten offen zu gestalten. Hertha ließ in der Defensive wenig zu, vermochte im Ballbesitz schnell umzuschalten und spielte einige gute Konter zu Ende. „Ich denke, dass die Berliner so in der Bundesliga bestehen können und den einen oder anderen Gegner schlagen“, sagte der deutsche Nationalspieler Khedira. Tunay Torun geht einen Schritt weiter: „Wenn wir so in der Bundesliga auftreten wie in den ersten 25 Minuten, müssen wir uns keine Sorgen machen.“

Doch Babbel sind eben auch nicht die Schwachstellen verborgen geblieben. „Wir betreiben großen Aufwand, gehen in Führung und fallen nach dem plötzlichen Ausgleich auseinander. Da brauchen wir einfach zu lange, um uns darauf zu besinnen, was wir gut gemacht haben“, sagt Babbel. Kurz darauf kassierte Hertha noch das 1:2. „Wir haben zu viele leichte Fehler gemacht“, sagt Andreas Ottl. „Wenn wir die künftig vermeiden, wird es schwer, gegen uns Tore zu erzielen“, sagte der Neuzugang aus München, „und nach vorn sollten wir die Qualität haben, die ausreicht, immer ein Tor zu machen.“

Der Aufsteiger aus Berlin dürfte gut beraten sein, erst einmal die defensive Grundordnung zu halten, um dann mit Tempogegenstößen selbst zum Abschluss zu kommen. Hier darf das Spielsystem von Hannover 96 als Vorbild dienen. Die Niedersachsen praktizierten in der vergangenen Spielzeit das schnelle Umkehrspiel nach Balleroberung sehr erfolgreich. Eine besondere Bedeutung werde dabei der Besetzung der beiden defensiven, zentralen Mittelfeldpositionen zukommen. „Für uns wird entscheidend, wie kriegen wir das hin“, sagt Babbel über seine Schaltzentrale. Gegen Real begannen Ottl und Fabian Lustenberger. „Beide müssen noch lauter werden“, sagt Babbel. Vielleicht lag es aber auch nur am Gegner, der sie etwas einschüchterte.

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