Sport : Hertha ohne Halt

Die Berliner verlieren in Wolfsburg 0:2 und können den Uefa-Cup nicht mehr aus eigener Kraft erreichen

André Görke

Wolfsburg. Mit Blaulicht ging’s zur Autobahn, vorn ein Mannschaftswagen, hinten zwei. „Wir sind Herthaner – und Ihr nicht!“, schrien die Fans, dann bog der Mannschaftsbus von Hertha BSC um die Ecke. Die Uhr zeigte 18.21 Uhr, in Wolfsburg kehrte an diesem Abend ein Stück Normalität ein.

Es war ein schlimmer Arbeitstag für den Berliner Fußball-Bundesligisten. Hertha verlor nicht nur 0:2 (0:1) beim VfL Wolfsburg, sondern verspielte auch den fünften Tabellenplatz, der am Saisonende zur Teilnahme am Uefa-Cup berechtigt. Werder Bremen ist an den Berlinern vorbeigezogen. Hertha muss am nächsten Sonnabend im Olympiastadion gegen Kaiserslautern gewinnen und zeitgleich auf eine Niederlage Hamburgs gegen Rostock hoffen, oder darauf, dass Bremens nicht in Mönchengladbach gewinnt. „Wir sind in eine Situation geraten, die wir vermeiden wollten“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß nach dem Abpfiff. „Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand.“

Als Hoeneß sprach, eskalierte vor dem Stadion die Situation. Etwa 100 Hertha-Fans blockierten die Ausfahrt des Mannschaftsbusses. „Scheiß Millionäre!“, schrien sie. Die Polizei rannte herbei, auch Ordner, dann schließlich Dieter Hoeneß. Herthas Manager versuchte zu retten, was noch zu retten war. Er stellte sich zwischen die Fans und redete, dann ließ er Herthas Mannschaftskapitän Michael Preetz holen und auch Trainer Huub Stevens. Nach etwas mehr als 20 Minuten hatte sich die Lage beruhigt. Als der Mannschaftsbus schließlich anfuhr, schwiegen die Fans – und applaudierten hämisch.

Taktik nach fünf Minuten dahin

Die Stimmung in der Wolfsburger Volkswagen-Arena war nach einer Stunde gekippt. Dorinel Munteanu hatte da gerade die 2:0-Führung für den VfL Wolfsburg erzielt. Auf der Tribüne erhoben sich die rund 3500 mitgereisten Hertha-Fans und riefen: „Stevens raus!“ Dann: „Jürgen Röber – du bist der beste Mann!“ Röber hatte Hertha sechs Jahre trainiert, jetzt steht er in Wolfsburg unter Vertrag. Sein Nachfolger in Berlin, Huub Stevens, lehnte zu diesem Zeitpunkt an der Werbebande und schüttelte fassungslos den Kopf.

Schon nach fünf Minuten hatte sich seine Taktik erledigt an diesem Nachmittag. Stevens hatte seine beiden Stürmer Michael Preetz und Luizao auf der Bank gelassen und dafür den jungen Angolaner Nando Rafael gebracht. In die Viererkette kehrte Herthas Abwehrchef Dick van Burik nach seinem Muskelfaserriss in der Wade zurück. Van Burik war es dann, der Wolfsburgs Robsen Ponte im Strafraum zu Fall brachte. Tomislav Maric traf per Foulelfmeter zum 1:0.

Nun war es nicht so, dass Hertha danach überhaupt keine Chance mehr hatte. Allein der Belgier Bart Goor hätte zwei Tore erzielen können, auch Nando, in der zweiten Halbzeit schließlich der eingewechselte Alexander Madlung. Kurz vor Abpfiff hatte sich Hertha ein Eckenverhältnis von 8:3 herausgespielt, „nur wir haben halt einfach nicht die Tore gemacht“, sagte Stevens. „Unsere Chancenauswertung war schlecht.“ Dass seine Mannschaft mit den zwei Gegentoren im Endeffekt noch gut bedient war, wird ihm nicht verborgen geblieben sein.

Herthas Nationalspieler Arne Friedrich sprach von einer „verdienten Niederlage“. Friedrich ließ sich nach einer halben Stunde auswechseln, „weil meine alte Verletzung an der Leiste wieder aufgebrochen ist“. Friedrich war der Erste, der deutliche Worte fand. „Wir sind mit dem Ziel in die Saison gegangen, die ersten drei der Liga anzugreifen. Unser Minimalziel war der Uefa-Cup. Und jetzt stehen wir dumm da.“ Null Punkte aus den letzten drei Spielen, 5:12 Tore. Seit zehn Wochen steht Hertha BSC erstmals nicht mehr auf einem der ersten fünf Plätze. Die Berliner sind Sechster – dieser Platz berechtigt zur Teilnahme am UI-Cup. Damit hätte der Klub alle seine Saisonziele verfehlt.

So richtete sich die Wut der Hertha-Fans nicht allein gegen die Mannschaft. Als Manager Hoeneß am Abend vor die Fans trat, riefen sie: „Hoeneß raus!“

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