Hertha ohne Verteidigung : Hausgemachte Lücken

Ohne Innenverteidiger tritt Hertha BSC die Reise zu Bayer Leverkusen an. Nun muss Rehhagel in der Defensive improvisieren – das ist nicht nur Pech.

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Haut sich überall rein. Peter Niemeyer (links) ist bei Hertha BSC als defensiver Mittelfeldspieler angestellt. Weil alle Innenverteidiger fehlen, muss er hinten aushelfen. Foto: dpa
Haut sich überall rein. Peter Niemeyer (links) ist bei Hertha BSC als defensiver Mittelfeldspieler angestellt. Weil alle...Foto: dpa

Die Überzeugungsarbeit dürfte nicht schwerfallen. Alles, was Otto Rehhagel sagen müsste, wäre: Entweder du machst es – oder wir haben gar keinen. Dieser Argumentation könnte sich Peter Niemeyer nicht verschließen und würde sich sicher erbarmen, bei Hertha BSC als Innenverteidiger auszuhelfen. „Von der Figur her ist er für die Position geeignet“, sagt der Trainer über den 1,91 Meter großen Mittelfeldspieler, „wir müssen nur mit ihm reden und ihn davon überzeugen, dass er es auch kann.“

Niemeyer könnte zwar gegenargumentieren, diese Position bei Hertha nur aus der Sichtferne des defensiven Mittelfelds heraus zu kennen. Dennoch wird er sich letztlich überzeugt haben lassen. „Dass muss er und wird er auch“, sagt Rehhagel. Schließlich hat Niemeyer schon mal bei Werder Bremen Innenverteidiger gespielt. Und wenn er es nicht aushilfsweise macht – wer dann?

Alle gelernten Zentrumsleute in der Abwehr fallen heute in Leverkusen (15.30 Uhr, live bei Sky) aus. Maik Franz und Andre Mijatovic schon länger, zu Christoph Janker und Sebastian Neumann hat sich seit Dienstag auch Roman Hubnik auf die Krankenstation gesellt. Dazu kommt Fabian Lustenberger, der immerhin schon mal bei Hertha hinten ausgeholfen hat.

„Wir haben außergewöhnliches Pech“, sagt Manager Michael Preetz. Mit so einer dünn gestrickten Personaldecke, deutet er an, sei nicht zu rechnen gewesen.

Ist das so? Dass Franz kein Saisonspiel mehr bestreiten wird, ist seit Anfang Dezember klar. Der sportlich ohnehin umstrittene Kapitän Mijatovic plagte sich fast die ganze Wintervorbereitung mit seinem Sprunggelenk herum, er konnte kaum trainieren. Also ging man in die Rückrunde mit drei fitten Innenverteidigern: Roman Hubnik, Christoph Janker und Sebastian Neumann. Janker hatte in der Hinrunde nur ein Spiel über 90 Minuten bestritten, aber der ehemalige Trainer Michael Skibbe setze auf ihn. Im Gegensatz zu Neumann: Der 21-Jährige hatte noch keine Bundesliga-Sekunde gespielt. Dass der Verein auf den U21-Nationalspieler setzt und ihn aufbaut, war nicht zu erkennen: In der Hinrunde saß er nur ein paar Mal auf der Bank, durfte nur in der zweiten DFB-Pokalrunde spielen. Entsprechend auf die Bundesliga vorbereitet, sah er im ersten Einsatz gleich Gelb-Rot.

Preetz hält dagegen, man habe reagiert. „Mit Felix Bastians haben wir einen Abwehrspieler verpflichtet, der vielseitig ist und in der Innenverteidigung spielen kann“, sagt der Manager. Den setzte Skibbe aber erst gar nicht, dann im linken Mittelfeld ein, die Nachfolger Tretschok, Covic und Rehhagel als Linksverteidiger. Vor allem, um Lewan Kobiaschwili ins Mittelfeld vorziehen zu können. Dort ist er nicht nur wertvoller, sondern würde jetzt auch gebraucht. Mit Andreas Ottl und Fanol Perdedaj stehen nur zwei fitte Spieler bereit, wenn Niemeyer nach hinten rückt.

Verletzungen sind nicht die Schuld des Managements. Und jede Position doppelt zu besetzen, mag bei Herthas notgedrungen schmalem Budget nicht möglich sein. Aber wer den Kader auf schmaler Kante näht und mit Nachwuchsspielern füllt, die kaum an die Profis herangeführt werden, darf sich nicht wundern und jammern, wenn es eng wird bei Verletzungen.

Nun müssen die Profis Rehhagels Credo, jeder müsse überall spielen können (auch überall gleich gut?), Leben einhauchen. Kobiaschwili links hinten, Niemeyer innen, wie Bastians. Ob die Defensiv-Lücken dazu führen, dass Hertha auswärts offensiver auftritt? „Wir können nicht alles auf den Kopf stellen“, sagt Rehhagel. Zumindest bis der nächste Ausfall kommt.

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