• Hertha-Präsident geht in die Offensive: Gegenbauer will Mitglieder über Schiedsgericht entscheiden lassen

Hertha-Präsident geht in die Offensive : Gegenbauer will Mitglieder über Schiedsgericht entscheiden lassen

Nach der Kritik an der Hertha-Führung geht Präsident Werner Gegenbauer verbal in die Offensive. Zudem stellte er in Aussicht, die Mitglieder gegebenenfalls über das weitere Vorgehen vor Gericht abstimmen zu lassen. Was seine Wiederwahl angehe, stehe er nur für einen Wahlgang zur Verfügung.

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Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.
Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.Foto: dapd

„Herr Gegenbauer, lächeln Sie mal.“ Ein Journalist hatte sein Handy gezückt, um ein Foto des Präsidenten von Hertha BSC zu schießen. Werner Gegenbauer, der zu einem Gespräch in ein Berliner Hotel geladen hatte, lächelte nicht. Er wollte Wichtigeres loswerden.

Gegenbauer hatte eingeladen, weil die Vereinsführung zuvor intern versucht habe, „unsere Außendarstellung nicht noch weiter zu verschlechtern und uns gegenseitig nicht öffentlich zu zerhacken. Das muss als misslungen angesehen werden.“ Er bezog sich auf Kandidaten für das Präsidium, die in den vergangenen Tagen die Vereinsführung und vor allem Manager Michael Preetz kritisiert hatten. Bei einer Veranstaltung des Förderkreises Ostkurve sollen sich mehrere Kandidaten und Präsidiumsmitglieder gegen Preetz ausgesprochen haben, Michael Sziedat und Ingmar Pering taten dies in mehreren Medien. Dagegen wollte sich Gegenbauer nun wehren, wie auch gegen Kritik aus Internetforen und -blogs.

Mit Blick auf die Berufungsverhandlung gegen die Wertung des Relegationsspiels in Düsseldorf vor dem DFB-Bundesgericht am Freitag sagte Gegenbauer: „Es ist nicht verantwortungsbewusst, dass andere, die für das Präsidium kandidieren, dem Verein in den Rücken fallen, während Hertha in Frankfurt noch um den Klassenerhalt kämpft.“ Es sei völlig unstrittig, dass man Fehler gemacht habe. „Aber von einer Konzeption habe ich bei den anderen noch nichts gehört.“

Auch widersprach Gegenbauer dem Klub-Anwalt Christoph Schickhardt, der davon geredet hatte, das DFB-Bundesgericht sei für Hertha die letzte Instanz. Dann wäre nach dem Urteil am Freitag klar gewesen, ob Hertha absteigt oder in einem Wiederholungsspiel gegen Fortuna Düsseldorf die Chance erhält, in der Bundesliga zu bleiben. „Unser rechtlicher Beauftragter hat das etwas weniger differenziert dargestellt“, sagte Gegenbauer. Egal, wie das Urteil ausfalle, man werde sich die Begründung genau ansehen. „Es bestehen durchaus Überlegungen, auf der Mitgliederversammlung ein Votum einzuholen, ob wir weiter vor das DFB-Schiedsgericht ziehen.“ Mit einem breiterem Statement solle dem Eindruck vorgebeugt werden, es wäre die Entscheidung Einzelner. Wird die höchste Verbandsinstanz angerufen, kann sich die Frage um Herthas Ligazugehörigkeit Wochen und Monate hinziehen.

Ebenso unklar wäre die nähere Zukunft Herthas, sollte Gegenbauer bei der Mitgliederversammlung am Dienstag nächster Woche nicht im ersten Wahlgang als Präsident wiedergewählt werden. Für den Fall, dass er nicht direkt die absolute Mehrheit der Stimmen erhalte, würde er zu einem zweiten Wahlgang nicht mehr antreten. Ein erneute Stimmabgabe mache nur bei mehreren Kandidaten Sinn, sagte Gegenbauer. „Es ist angemessen, den Mitgliedern zu sagen: Entscheidet euch auch.“ Mitglieder, die damit geliebäugelt hätten, Gegenbauer als Denkzettel im ersten Durchgang die Zustimmung zu verweigern, um ihm dann im zweiten Wahlgang mangels Alternative die Stimme zu geben, könnten dies nun nicht mehr tun. Gegenbauer ist der einzige Kandidat. Sollte er sich zurückziehen, müsste Hertha einen neuen Präsidenten suchen.

Und wohl auch einen neuen Manager. Gegenbauer, der immer wieder betont hatte, an Preetz festzuhalten, verknüpfte sein Schicksal zwar nicht wortwörtlich mit dem seines Geschäftsführers Sport. Aber er sagte, wer auf einer Trennung von Preetz bestehe, könne bei der Präsidentenwahl sein „Kreuz da machen, dass sich das bewahrheitet“. Also nicht dort, wo „Gegenbauer“ steht.

In einem zukünftigen Präsidium, forderte Gegenbauer, müsse „eine andere Gesprächskultur“ herrschen. Zu oft seien Informationen an die Presse gelangt. „Ich würde auch kein Fraktionsverhalten wie in der Lokalpolitik mittragen, wo sich vor Abstimmungen abgesprochen wird“.

Bei der Mitgliederversammlung muss Gegenbauer auch darum bangen, ob die neu gewählten Präsidiumsmitglieder zukünftig in der Mehrheit seinen Kurs mittragen oder nicht. Einer, der das wohl würde, saß im Hotel neben ihm: Thorsten Manske, der als Vizepräsident kandidiert. „Herr Gegenbauer kann sich darauf verlassen, dass er in mir einen Stellvertreter hätte, den er ins Feuer schicken kann“, sagte Manske.

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