Sport : Hertha: Punkte sofort, schöner Fußball demnächst

Klaus Rocca

Er blickte so frohgemut in die Runde und sagte es so überzeugt, dass man für einen kurzen Moment glaubte, beim falschen Spiel gewesen zu sein. "Wir haben heute", meinte Falko Götz, "eine ganz andere Hertha gesehen, eine mit Leidenschaft und Siegeswillen." Wollte da einer mit Macht Optimismus verbreiten, wo in den letzten Wochen Tristesse angesagt war? Gewiss, die andere Hertha, von der Götz sprach, kam im Jahr 2002 nach bitteren Niederlagen zum ersten Sieg. Das war erfreulich. Und deshalb durfte sich Götz nach dem 2:0 (2:0) gegen den VfB Stuttgart zu Recht freuen. Ihm war nach vier Tagen im Amt das vergönnt, was seinem Vorgänger Jürgen Röber zuletzt verwehrt worden war. Doch die große Wende zum Guten sieht anders aus. So sah es auch Manager Dieter Hoeneß, der "noch keinen spielerischen Glanz" und auch noch "keinen begeisternden Fußball" gesehen hatte.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wobei Hoeneß Verständnis für den Debütanten im Bundesliga-Trainergeschäft hatte. Götz müsse doch, meinte Hoeneß, den Spielern Selbstvertrauen vermitteln, und das könne man eben gut mit markigen Worten. Einer tankte auf seine Art Selbstvertrauen: Marcelinho. Der Brasilianer, in den letzten Wochen ein wenig von der Rolle, erzielte die Tore des Tages. Besonders das erste, ein platzierter Freistoß, war sehenswert. Beim zweiten, seinem neunten in dieser Saison, schob er Torhüter Timo Hildebrand den Ball sogar frech durch die Beine. Kommentar von Marcelinho: "Mit dem neuen Trainer ist die Stimmung wieder gut."

Nicht bei allen. Bei Rob Maas nicht, der von Götz überraschend aus dem Kader verbannt wurde. Auch nicht bei Christian Fiedler, der nach einem Vierteljahr wieder auf die Bank und Gabor Kiraly den Vortritt lassen musste. "Es mussten nach den letzten Spielen Zeichen gesetzt werden", sagte Götz. Ob es die richtigen Zeichen waren, war nicht an allen Stellen zu sehen. Kiraly wurde kaum geprüft, höchstens in der 90. Minute bei einem Schuss aus nächster Nähe von Andreas Hinkel. Alex Alves, der von Anfang an dabei sein durfte, hat das in ihn gesetzte Vertrauen jedenfalls nicht gerechtfertigt.

Bei den Fans müssen sich Götz und sein Assistent Andreas Thom das Vertrauen noch erkämpfen. Mit 25 000 Zuschauern war das Olympiastadion noch nicht einmal halb gefüllt. "Viel Glück, Falko und Andy", stand auf einem Transparent. Weitaus mehr Fans beschäftigte noch der vorzeitige Abgang des Jürgen Röber. "Jürgen, danke für alles und viel Glück", stand da. Oder "Jürgen Röber, du bist unser Held." Manager Hoeneß musste sich ein Plakat mit der Aufschrift "Hoeneß - du bist das Übel" und "Hoeneß raus"-Rufe gefallen lassen.

Doch Herthas Verantwortliche wollten sich an diesem Tag, der zumindest Anlass zur Hoffnung gab, nicht die gute Stimmung verderben lassen. Sie freuten sich über Marcelinhos Tore, eine ordentliche erste Halbzeit, gute Leistungen von Josip Simunic, Andreas Schmidt und Pal Dardai - und eben über den Sieg. Nach dem frühen 2:0 nach 37 Minuten gab es an dem kaum noch Zweifel. Schon gar nicht nach der Gelb-Roten Karte für Marcelo José Bordon 20 Minuten vor Schluss. "Spätestens da war mir klar, dass wir das nicht mehr umbiegen können", kommentierte Stuttgarts Trainer Felix Magath, der es erstaunlich gelassen hinnahm. "Am Ende mussten wir mit dem Ergebnis sogar noch zufrieden sein." Da dachte er wohl auch an den Lattentreffer vom Michael Preetz zehn Minuten vor Schluss. Es passte ins Bild, dass Herthas seit Wochen so glückloser Kapitän den Ball nicht die erforderlichen Zentimeter tiefer platzieren konnte.

Ob dieser Sieg, der gegen den doch recht biederen Gegner nicht allzu schwer fiel, die in den letzten Tagen immer wieder zitierte Verkrampfung nachhaltig gelöst hat, wird sich am Sonnabend beim Spiel gegen Münchens Löwen zeigen. Noch ist vieles Stückwerk, noch sind Unsicherheit und Nervosität zu spüren. "Aber wir haben die Basis dafür gelegt, demnächst besseren Fußball zu spielen", meinte Götz. Das klang schon wesentlich realistischer.

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