Sport : Hertha reagiert zu spät

Berlins Bundesligist verliert nach zwei frühen Gegentoren 1:2 in Hamburg – Marcelinho sieht Gelb-Rot

Mathias Klappenbach[Hamburg]

Dieter Hoeneß tobte in den Katakomben der Hamburger AOL-Arena. „Alles gegen Bastürk abzupfeifen, das ist eine Sauerei!“, rief der Manager von Hertha BSC Schiedsrichter Markus Merk hinterher, als der nach dem Abpfiff in seine Kabine ging. Aber es lag nicht am Schiedsrichter, dass Hertha BSC gestern 1:2 (0:2) beim Hamburger SV unterlag. „Wenn du nach sieben Minuten 0:2 zurückliegst, ist die Wahrscheinlichkeit nicht mehr groß, beim HSV zu gewinnen“, sagte Herthas Trainer Falko Götz.

Seine Mannschaft hatte in den ersten Spielminuten gegen die selbstbewusst auftretenden Gastgeber nur eine bescheidene Nebenrolle eingenommen. Und die war eine tragische, ausgefüllt von Innenverteidiger Dick van Burik. In der zweiten Minute beförderte der Niederländer einen Eckball von Stefan Beinlich mit dem Kopf ins eigene Tor. „Ich habe den Ball noch berührt“ sagte van Burik, der weitere drei Minuten später wieder im Mittelpunkt stand. Am Ende eines Laufduells mit Emile Mpenza, der kurz vor dem Hamburger Führungstreffer schon die Latte des Berliner Tores getroffen hatte, gab es Elfmeter für den HSV. „Ich weiß gar nicht, ob ich ihn getroffen habe oder ob die Aktion überhaupt im Strafraum war“, sagte van Burik. „Auf jeden Fall habe ich schon vor dem Zweikampf einen Stich im Oberschenkel gespürt.“ Später stellte sich heraus, dass er sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen hatte. Van Burik fällt für die letzten drei Spiele vor der Winterpause aus.

Mehdi Mahdavikia verwandelte den Strafstoß zum 2:0 für die Hamburger, und in der Folge schien das Spiel zu einer Demonstration der Stärke des Tabellenzweiten der Bundesliga zu werden. Hertha kam kaum ins Spiel, die Hamburger Atouba, Demel und Mahdavikia versuchten schon, die 54 129 Zuschauer mit riskanten Dribblings am eigenen Strafraum zu unterhalten. Beinlich schlenzte noch einen Freistoß ans Lattenkreuz, im Nachschuss scheiterte Mpenza gleich zweimal hintereinander.

Erst kurz vor der Halbzeit gab es die erste große Torchance für die bis dahin hoffnungslos unterlegenen Berliner, als Marko Pantelic freistehend aus fünf Metern über das Tor köpfte. Die Hoffnungen der Herthaner, auf dieser Szene aufbauen zu können, schienen in der zweiten Hälfte nach wenigen Minuten vorbei zu sein: Marcelinho trottete vom Platz, weil Schiedsrichter Merk ihm die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte. In der ersten Halbzeit hatte der Brasilianer Gelb wegen Meckerns gesehen und nun Benjamin Lauth mit der Hand ins Gesicht gegriffen. „Letzte Woche war er Himmel hoch jauchzend, diese Woche wieder zu Tode betrübt“, sagte Falko Götz, der Sanktionen gegen Marcelinho wegen dessen Unbeherrschtheit ankündigte.

So nahm Marcelinho die zweite tragische Nebenrolle ein, und fast wäre er dabei unfreiwillig zum tragischen Helden geworden: Hertha spielte plötzlich ohne den Spielmacher besser als zuvor mit ihm. „In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, was uns eigentlich so stark macht: der Teamgeist“, sagte Niko Kovac. Marcelinhos Verhalten fand er „unentschuldbar“.

Nach und nach gewannen die Berliner mehr Zweikämpfe im Mittelfeld, und bei den Kontern der Hamburger war es immer wieder der glücklose Mpenza, der die Entscheidung für seine Mannschaft vergab. Eine Viertelstunde vor dem Ende gelang dem starken Bastürk der Anschlusstreffer, weil vier Hamburger Spieler den Türken unbeteiligt durchs Mittelfeld begleiteten und Hamburgs Torhüter Sascha Kirschstein seinen Flachschuss unter dem Körper durchrutschen ließ. Die zehn Berliner drängten den HSV nun in dessen Hälfte, aber das Ausgleichstor fiel nicht mehr. „Der HSV hat damit die Plätze eins bis drei klargemacht“, sagte Niko Kovac. „Zwölf Punkte Rückstand sind für uns kaum noch aufzuholen.“ Auch Falko Götz sprach nach dem Spiel nicht mehr von der Champions League, sondern nur vom „internationalen Wettbewerb“.

Wie Marcelinho im nächsten Spiel, am Donnerstag im Uefa-Cup gegen Steaua Bukarest, auftreten wird, weiß wohl noch nicht einmal er selbst. Dick van Burik wusste nur so viel: „Das nächste Mal fahre ich nach Hamburg gar nicht erst mit.“

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