Sport : Hertha redet sich stark

Die Berliner sollten im Trainingslager den Teamgeist verbessern

Ingo Schmidt-Tychsen

Marbella - Es hätte ein bitterer Abschied werden können. Die Atmosphäre im Testspiel zwischen Hertha BSC und dem FC Malaga war aufgeheizt, die 200 spanischen Zuschauer auf dem Trainingsplatz in Marbella applaudierten höhnisch, als Solomon Okoronkwo beim Stand von 0:2 einen Ball weit neben das Tor drosch. Zuvor hatte sein Gegenspieler ihm ohne Grund in die Beine getreten, der 18-jährige Nigerianer war mit einem lauten Schrei zu Boden gefallen. Dass Okoronkwo mit einem harten Revanchefoul reagieren würde, war fast abzusehen. Doch es passierte nichts. Hertha drehte das Testspiel gegen den spanischen Erstligisten sogar noch und gewann 3:2 (0:2). Die Tore für die Berliner erzielten Niko Kovac, Marcelinho und Yildiray Bastürk.

Noch am Tag zuvor hatte Trainer Falko Götz den übermotivierten Profi Okoronkwo vom Vormittagstraining ausgeschlossen, weil er sich während eines Spiels zuerst über ein angeblich zu hartes Foul beschwert und dann den Ball vor Wut über den gesamten Platz geschossen hatte. Bei der Übungseinheit am Nachmittag durfte er nicht mitmachen und musste stattdessen Deutschunterricht nehmen. „Es ist genug geredet worden, jetzt ist der nächste Schritt gefordert“, sagte Götz.

Geredet haben die Berliner tatsächlich viel während des zehntägigen Trainingslagers in Marbella. Unter anderem deshalb waren die Berliner nach Spanien gereist, anstatt – wie im vergangenen Jahr – in Berlin zu trainieren. „Hier sind wir immer zusammen, verbringen viel Zeit miteinander“, sagte Götz. Der Mannschaft hatte es in der Hinrunde nämlich an mannschaftlicher Geschlossenheit gefehlt.

Daran wollten die Berliner in Spanien arbeiten. „Da kann man natürlich nicht einen Ausflug zusammen machen, der dann sofort Wirkung zeigt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Einmal gelang sogar das, zumindest in der Außendarstellung des Klubs. Bei einem Ausflug an den Strand wurde der breiten Öffentlichkeit das Bild einer fröhlichen Mannschaft vorgespielt. Es wurde Rugby gespielt, mit Eiern umher geworfen und es wurden Burgen aus Sand gebaut – der Manager Hoeneß mitten im Getümmel, die Fotografen der Boulevardzeitungen am Rand.

Auf dem Fußballplatz gab es nur kleine Hinweise auf den Zusammenhalt und die innere Ordnung. Niko Kovac kümmerte sich auffallend häufig um den jüngeren Teil des Kaders. Er tadelte und lobte lautstark – Widerworte gab es nie. Selbst als er Okoronkwo für einen nicht gespielten Pass mit sehr harten, unschönen Worten zusammenbrüllte, senkte dieser nur den Kopf und spielte anschließend weiter. Der Brasilianer Marcelinho zeigte sich außergewöhnlich locker und gesprächig. Immer wieder plauderte er mit Marko Pantelic, Gilberto oder dem 18-jährigen Kevin-Prince Boateng.

Doch es gab auch weniger erfreuliche Nachrichten aus Spanien: Elf Spieler hatten sich geweigert, dem Auftrag von Manager Hoeneß nachzukommen, sich schriftlich mit Herthas Situation auseinander zu setzen. Auch Marcelinho löste Unruhe aus, als er von einem Vereinswechsel im Sommer 2007 sprach.

In Zukunft soll das Verhalten der Profis strenger geregelt werden. Hoeneß und Götz entwarfen gemeinsam einen so genannten Maßnahmenkatalog, der den Spielern in einer längeren Rede des Managers vorgestellt wurde. Dieser wird in der Kabine der Mannschaft aufgehängt. Der Verein bemüht sich, doch es ist schwierig, in die Hierarchie und Struktur einer Mannschaft einzugreifen. Das ist offenbar auch Falko Götz bewusst: „Ob wir etwas gelernt haben, wird sich am ersten Spieltag der Rückrunde im Spiel gegen Hannover zeigen.“

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