Sport : Hertha reibt sich

Josip Simunic geht im Training auf seinen Mannschaftskollegen Pal Dardai los

Stefan Hermanns

Berlin - Josip Simunic legte Wert auf größtmögliche Distanz. Auf der einen Seite des Trainingsplatzes trabte die Mannschaft, auf der anderen Simunic. Näher kamen sie sich nicht mehr. Herthas Innenverteidiger verließ als Erster das Feld, auf dem Weg in die Kabine gab er noch ein paar Autogramme – Erklärungen gab er nicht. Selbst sein Kopfschütteln war nur mit einiger Anstrengung zu erkennen. „Der ist im Moment Einzelsportler“, sagte Pal Dardai. Fragt sich nur: In welcher Sportart? Kurz vor Ende der Trainingseinheit des Fußball-Bundesligisten war Simunic auf Dardai losgegangen und gegen seinen Kollegen handgreiflich geworden.

Es fing mit einem normalen Zweikampf an: Dardai grätschte Simunic den Ball ab, es war ein Tackling von internationaler Härte, aber weder hinterhältig noch brutal. Simunic rannte Dardai hinterher, er rang ihn zu Boden, schubste ihn, Dardai versuchte aufzustehen und wurde erneut zu Boden gestoßen, dann wurden beide voneinander getrennt. „Das war ein normaler Zweikampf!“, rief der Ungar. „Wenn du nicht verlieren kannst, musst du aufhören!“ Anschließend beschimpften sie sich gegenseitig.

Dardai gilt als äußerst umgänglich und zurückhaltend. Davon war gestern nach dem Vorfall nichts zu spüren: „Bei uns gibt es Spieler, die haben den Kopf nicht beim Training“, sagte er. „Deren Nerven sind kaputt.“ Vor kurzem war Dardai selbst im Training Opfer eines rüden Fouls geworden. Bei einer Attacke von Kevin-Prince Boateng hatte er sich am Knöchel verletzt, fünf Wochen lang fiel der Mittelfeldspieler anschließend aus. Einen Vorwurf hat Dardai Boateng nie gemacht.

Simunics Verhalten gibt selbst seinen Kollegen Rätsel auf. „Wir wissen auch nicht, was er hat“, sagt ein Führungsspieler der Berliner. Laut Manager Dieter Hoeneß gibt es für Simunics Missmut „keinen tieferen Hintergrund. Er möchte einfach, dass wir uns verbessern.“ Seit Wochen wirkt der Kroate mürrisch und ungehalten. Schon am Wochenende, nach dem 1:3 in Bremen, hatte er nicht geredet, obwohl er nach fast vier Jahren wieder ein Bundesligator erzielt hatte – allerdings waren ihm auch zwei der drei Bremer Treffer angelastet worden. Am nächsten Tag beim Auslaufen raunzte er: „Ich bin wahrscheinlich auch schuld, wenn ich gar nicht spiele.“ Schon nach Herthas Niederlage in Cottbus hatte er den Journalisten mit erhobenem Zeigefinger gedroht: „Passt ja auf, was ihr morgen schreibt!“ Simunic wittert zurzeit hinter jeder Frage einen Angriff; selbst aus dem Angebot, seine Sicht der Dinge zu schildern, wie es die journalistische Fairness gebietet, folgert er, dass wieder etwas Negatives über ihn geschrieben werde.

„Bei dem einen oder anderen hält der Frust ein bisschen länger an“, sagte Trainer Falko Götz zu dem Vorfall im Training. „Entscheidend ist, wie man damit umgeht. So geht es natürlich nicht.“ Als normale Auseinandersetzung unter Männern will er die Attacke auf Dardai jedenfalls nicht durchgehen lassen. „Natürlich will ein Trainer auch Reibungspunkte im Training haben“, sagte Götz. „Aber auch da gibt es Grenzen, und die waren in diesem Fall überschritten.“ Herthas Trainer kündigte an, er werde ein Gespräch mit dem Kroaten führen. Josip Simunic sagte: „Morgen ist Training. Dann spielen wir wieder Fußball.“

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