Hertha - Rostock : Die Bereitschaftslosen

Beim 1:3 gegen Rostock investiert Hertha BSC zu wenig - deshalb funktioniert das neue System nicht.

Michael Rosentritt
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So geht es nicht. Pantelic (r.) schimpft mit sich und Sturmpartner Lima. -Foto: dpa

BerlinMarko Pantelic und Josip Simunic durchliefen die Mixed Zone im Keller der Olympiastadions mit gesenktem Haupt und verweigerten jeglichen Kommentar. Pantelic hob einmal – um Verständnis bittend – seinen rechten Arm, Simunic Körpersprache sagte: Sprecht mich bloß nicht an. Etwas einfallsreicher, wenngleich nicht sachdienlicher, machte es der junge Patrick Ebert. Er übersprang eine Absperrung und vermied auf dem Weg in die Kabine so die enge Passage vorbei an den Journalisten. Die 1:3-Niederlage gegen Rostock hatte viele Gesichter und viele Gründe an diesem Abend. Der Hauptgrund aber, weshalb es überhaupt dazu kommen konnte, war die Bereitschaftslosigkeit der Berliner Bundesligaprofis auf dem Spielfeld.

„Meine Mannschaft hat schnell die Konzentration verloren und dann einfach zu wenig gemacht“, sagte Lucien Favre. Herthas Trainer hatte schon vor dem Spiel gespürt, dass es schwierig werden würde, aber dass Rostock seiner Mannschaft die erste Saisonheimniederlage zufügen würde, so pessimistisch war er nicht. Dabei war Hertha nach nicht einmal zwei vollständig abgespielten Minuten durch einen wunderschönen Kopfballtreffer von Marko Pantelic in Führung gegangen. Wie sich hinterher herausstellte war es das, was nicht hätte passieren dürfen. „Es ging zu einfach am Anfang“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Mit diesem Start hätten wir es uns leichter machen können. Aber dann hätten wir bereit sein müssen, den einen Schritt mehr zu tun.“ Dieser eine Schritt fehlte dann die restlichen 88 Minuten überall auf dem Platz. Den Berlinern mangelte es an Laufbereitschaft, an Entschlossenheit und an Zweikampfpräsens, kurz: es fehlte an Power.

„Wir sind gut ins Spiel gekommen, aber die Mechanismen haben nicht mehr gegriffen“, sagte Kapitän Arne Friedrich. Es ist schwer vorstellbar, dass Favre in seiner täglichen, methodischen Arbeit unerwähnt ließ, dass die sich langsam ausprägenden Mechanismen nicht von selbst funktionieren, sondern schnelles Denken, schnelles Spielen und viel Laufen voraussetzen. Vielleicht wähnten sich einige Spieler schon weiter.

Das erste Mal in dieser Saison war Hertha als eindeutiger Favorit ins Spiel gegangen. Hertha hatte zwischenzeitlich den oberen Tabellenrand erobert, Rostock gerade erst den unteren verlassen. Hier die Mannschaft der Stunde, auf der andere Seite der Aufsteiger, dem bisher die Bundesligatauglichkeit abgesprochen worden war. Doch nach der raschen Führung agierte Hertha nicht selbstsicher, sondern selbstgefällig. Was Favre wohl vermutete. „Oh lala, das Tor kommt früh“, hatte der Trainer gleich nach dem 1:0 für sich gedacht. Und wurde prompt bestätigt. Seine Spieler hätten etwas durchgepustet, plötzlich sei die Spannung verloren gegangen. Das alles mündete schließlich in „einem kollektiven, athletischen Defizit“, wie es Favre sagte.

„Ja, da läuft etwas im Unterbewusstsein ab, und obwohl du weißt, dass du etwas ändern musst, kriegst du es nicht hin“, sagte Pal Dardai. Hertha spielte den Rest des Spiels nur noch so mit. Hansa gab den Takt vor und spielte so, wie es Hertha eigentlich vor hatte. Die Rostocker waren in der Balleroberung energischer, ließen den Ball schnell zirkulieren und standen gut organissiert in der Defensive. Hertha dagegen wirkte vor allem in der zweiten Halbzeit überhastet, ja beinahe kopflos.

Die Frage, ob er als Trainer, der dieselbe Startformation wählte wie gegen Dortmund, sein Personal nicht hätte rotieren lassen sollen, beantwortete Favre entschieden: „Ich halte es für möglich, dass ein Profi auch zwei Spiele hintereinander gewinnen kann.“ Was er am Freitag beim Spiel in Gelsenkrichen gegen Schalke zu tun gedenkt, sei noch nicht sicher. Nur: „Diese Niederlage wirft uns nicht um“, sagte Lucien Favre, „aber vor uns liegt noch viel Arbeit.“

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