Hertha : Rot und raus

Nach dem Platzverweis gegen Josip Simunic verliert Hertha 0:2 beim Regionalligisten Wuppertal. Und wieder dürfen die Berliner im Pokal-Finale nur zuschauen.

Hertha
Schiedsrichter Christian Dingert zeigt Simunic die Rote Karte. -Foto: dpa

Es gibt gemütlichere Fußball-Arenen als das Wuppertaler Stadion am Zoo. Seit zwei Jahren befindet sich das betagte Stadion in einem ständigen Umbau. Aber mitunter gibt es in der Teilarena auch etwas zu feiern. Gestern zum Beispiel: 12 399 Zuschauer saßen oder standen auf den von Sandhügeln eingerahmten Tribünen beim Regionalligisten Wuppertaler SV und amüsierten sich über den erstklassigen Gast aus Berlin, der sich nicht wie ein Bundesligist präsentierte. Die Folge kennen die Berliner längst: Wenn im Frühjahr das DFB-Pokalendspiel im Olympiastadion ausgetragen wird, wird Hertha wieder nur zuschauen dürfen. Nach einer desolaten Vorstellung verloren die Berliner ihr Spiel in der zweiten Pokal-Runde 0:2 (0:0).

Lucien Favre sah nach dem ängstlichen Auftritt seiner Mannschaft nicht gerade glücklich aus. Herthas Trainer sagte mit gesenktem Kopf: „Das ist eine große Enttäuschung für uns, das ist klar.“ Entscheidend sei die Rote Karte gegen Josip Simunic nach 75 Spielminuten gewesen, fand der Schweizer. „Danach haben wir das Gegentor zum 0:1 bekommen und nicht mehr reagieren können.“

Es war aber nicht nur die Rote Karte gegen Simunic, sondern eine merkwürdige Passivität des Bundesligisten, die von Beginn an zu beobachten war. Der Gegner war laufstärker und zweikampfstärker. Im Nachhinein ist es verständlich, dass in Wuppertal die Vorfreude auf das Spiel groß war. WSV-Trainer Wolfgang Jerat hatte frech angekündigt: „Wir werden Hertha schlagen.“ Danach sah es nur anfangs der ersten Halbzeit nicht aus. Die Berliner hatten zunächst die besseren Chancen. Nach 20 Minuten hätte Tobias Grahn das 1:0 erzielen können. Wuppertals Torwart Christian Maly hatte einen Distanzschuss von Patrick Ebert nur mit Mühe abwehren können, Grahns folgender Kopfball war allerdings viel zu harmlos. Maly lenkte den Ball über das Tor.

Die zweite gute Möglichkeit, dem Regionalligisten früh die Euphorie im Spiel zu nehmen, vergab Solomon Okoronkwo mit einem Pfostenschuss nach 30 Spielminuten. Sonst blieb Hertha harmlos: Das Fehlen von Marko Pantelic machte sich im Sturm genauso bemerkbar wie Gilbertos Ausfall im Mittelfeld.
  
Der Außenseiter aus Wuppertal spielte gegen die uninspiriert wirkenden Berliner nach einer guten halben Stunde immer frecher auf. Schon im ersten Durchgang kam Gefahr vor dem Tor von Jaroslav Drobny auf. Doch nach einem Kopfball von Mahir Saglik war der Berliner Torwart zur Stelle. Mit Beginn der zweiten Halbzeit hatte Drobny dann schon mehr Mühe mit einem Schuss von Tobias Damm. Danach wurden die Wuppertaler immer aktiver, während der Bundesligist sich mit vielen Abspielfehlern aus dem Konzept brachte.

Es gab noch eine gute Berliner Chance durch Okoronkwo, doch der Kopfball des Nigerianers war viel zu harmlos. Auf der anderen Seite wurde es dagegen munterer. Einen Kopfball von Saglik lenkte der herausragende Drobny gerade noch über die Latte. Die Vorderleute des Berliner Torwarts wirkten danach beinahe verängstigt – mit Ausnahme von Josip Simunic. Der Kroate ließ seine Verärgerung über das schwache Spiel seiner Mannschaft ein wenig zu deutlich heraus: Bei einer heftigen Rangelei mit Manuel Bölstler traf Simunic den Gegenspieler mit der Hand im Gesicht und sah danach von Schiedsrichter Christian Dingert die Rote Karte.

Simunics Tätlichkeit führte nicht unbedingt dazu, die Nerven der ohnehin schon verunsicherten Berliner zu beruhigen. Im Gegenteil: Zehn Minuten vor Schluss landete ein aus 20 Metern getretener Distanzschuss von Sven Lintjens vorbei am machtlosen Drobny im Berliner Tor. In der Schlussphase resignierte Hertha dann. Tim Jerat, Sohn des Wuppertaler Trainers, schoss vier Minuten vor Schluss sogar noch das 2:0 für den Drittligisten. Die Wuppertaler Fans erhoben sich danach von ihren Plätzen, während die Berliner offensichtlich den Schlusspfiff herbeisehnten, um möglichst schnell in den Kabinentrakt des unwirtlichen Stadions verschwinden zu können.

Dort angekommen, sagte Solomon Okoronkwo dann: „Es ist großer Mist, gegen einen Regionalligisten so auszuscheiden.“ Da lag der Stürmer des Bundesligisten richtig, aus Sicht von Hertha hätte der gestrige Pokalabend von Wuppertal kaum schlechter verlaufen können.  

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