Sport : Hertha rumpelt weiter

Obwohl die Berliner in Frankfurt in Führung gehen, reicht es gegen den Aufsteiger nur zu einem 1:1

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Auf der Tribüne der Frankfurter Commerzbank-Arena saß ein fassungsloser Dieter Hoeneß. Der Manager von Hertha BSC musste mitansehen, wie seine Mannschaft einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gab und am Ende mit einem 1:1 (1:0) noch gut bedient war. Trotz einer Führung durch Kevin Boateng verloren die Berliner vor 33 000 Zuschauern mit fortlaufender Spieldauer die Kontrolle auf dem Rasen und offenbarten ungeahnte Schwächen. Die letzten 20 Minuten mussten die Berliner in Unterzahl spielen, nachdem Alexander Madlung die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

Nur eine Woche nachdem die Berliner in die Bundesliga-Rückrunde gerumpelt waren (1:1 gegen Hannover), blamierte sich das Team von Falko Götz nun auch in Frankfurt. Der letzte Bundesligasieg liegt jetzt schon zwei Monate zurück. Sollte am kommenden Dienstag das Heimspiel gegen den FC Bayern München nicht eine Wende zum Besseren gelingen, droht den Berlinern eine Krise.

Wirbel herrschte bereits zu Wochenbeginn in Berlin. Der galt allerdings dem Transfer Vaclav Sverkos’. Der Tscheche war kurz vor Transferschluss von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen worden und spielte zur Überraschung vieler in Frankfurt gleich von Beginn an. Da Trainer Götz aber nicht von seinem favorisierten Ein-Mann-Sturm-System abweichen wollte, musste Marko Pantelic zunächst auf die Reservebank. Der 22-jährige Sverkos hatte sich mit zahlreichen Toren in nur drei Trainingstagen verheißungsvoll eingeführt. Zudem hatte er für die Gladbacher bisher ein Saisontor erzielt – gegen Eintracht Frankfurt.

Doch zunächst waren die defensiven Künste der Berliner gefragt. Der frühere Herthaner Marko Rehmer prüfte mit einem Kopfball nach nur fünf Minuten Torwart Gerhard Tremmel, der den verletzten Christian Fiedler vertrat. Aber die erste halbe Stunde gehörte den Gästen aus Berlin, die mehr Aufwand betrieben. Und das wurde in der 20. Minute belohnt. Nach einem Querpass von Arne Friedrich leitete Marcelinho den Ball geschickt mit der Hacke weiter auf Boateng. Dessen Schuss aus 18 Metern wurde von Rehmer leicht abgelenkt, so dass der Ball über das von Torwart Oka Nikolov ausgefahrene Bein rollte. Bei seinem Versuch, den Ball noch im Nachfassen zu erreichen, stieß Nikolov ihn mit dem Kopf über die Torlinie.

Hertha führte, und das forderte die Frankfurter, die zuletzt in vier Heimspielen ungeschlagen geblieben waren, heraus. Vor dem Halbzeitpfiff erspielten sie sich drei gute Möglichkeiten. Zweimal scheiterte Amanatidis an Tremmel, einmal schoss Alexander Meier am Tor knapp vorbei. Die Berliner hatten das Spiel aus der Hand gegeben, was sich aber erst zu Beginn der zweiten Hälfte rächen sollte. „Nach der Pause ist der Faden vollkommen gerissen“, sagte Götz hinterher. Als die Berliner erneut einen Flankenball nicht unter Kontrolle bringen konnten, gelang Jermaine Jones der Ausgleich. Sein strammer Nachschuss von der Strafraumgrenze wurde von Madlung noch abgefälscht, Tremmel war machtlos. „Wenn man nicht in die Zweikämpfe geht, kann man keine Bälle erobern“, sagte Dick van Burik und kritisierte den Einsatz einiger seiner Mitspieler. Oder aber sie waren unmotiviert zur Sache gegangen, wie der kantige Alexander Madlung, der 20 Minuten vor Schluss nach einem ungeschickten Rempler an Reinhard die zweite Gelbe Karte sah und damit vom Platz musste.

Madlung fehlt damit gegen die Bayern, ebenso wie Josip Simunic, der in dieser Woche wieder mit dem Lauftraining begonnen hat, gestern aber erneut über Probleme klagte. Am Montag wird er deshalb nach München reisen, um sich vom Spezialisten Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Zuletzt hatten Simunic’ Wechselabsichten einigen Wirbel ausgelöst. Angeblich steht der Abwehrspieler, dessen Vertrag in diesem Sommer ausläuft, in konkreten Verhandlungen mit Olympiakos Piräus.

Die Frankfurter waren in der Schlussphase längst überlegen. Nur der starke Tremmel verhinderte die drohende Niederlage. So parierte er einen Distanzschuss von Jones brillant. Den Nachschuss hatte Rehmer aus Nahdistanz an den Pfosten gesetzt. „Für mich war es ein gutes Spiel, es kamen viele Bälle auf mein Tor“, sagte Tremmel, „aber es geht nicht um mich.“ Am Ende müsse man mit dem Punkt zufrieden sein.

Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel sieht seine Mannschaft „auf dem richtigen Weg“, auch wenn er klagte: „Wir hätten aufgrund des Chancenverhältnisses gewinnen müssen.“ Hertha dagegen hinkt weiterhin den eigenen Erwartungen hinterher. Weshalb auch von Dieter Hoeneß nichts mehr zu hören war. Herthas Manager verließ gruß- und wortlos das Stadion.

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