Hertha siegt gegen 1860 München : Erst die Arbeit, dann die Spielfreude

Beim 3:0-Sieg gegen 1860 München zeigt Hertha BSC genau das, was Trainer Jos Luhukay von seiner Mannschaft sehen will. Der Auftritt gegen den Aufstiegskonkurrenten kam „dem sehr nahe kam, was der Trainer fordert“.

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Ein Mann, zwei Tore. Änis Ben-Hatira (l., im Duell mit Kai Bülow) erzielte zwei Tore beim 3:0-Sieg gegen 1860. Mann des Spiels war er trotzdem nicht. Bei Herthas stärkster Saisonleistung gab es mehrere Männer des Spiels.
Ein Mann, zwei Tore. Änis Ben-Hatira (l., im Duell mit Kai Bülow) erzielte zwei Tore beim 3:0-Sieg gegen 1860. Mann des Spiels war...Foto: dpa

Peter Niemeyer legte einen vorbildlichen Laufweg hin. Er spurtete tief aus der eigenen Hälfte an die Mittellinie – und erwischte Sami Allagui gerade noch. Der Stürmer von Hertha BSC war im Begriff, das Feld zu verlassen, doch bevor er die Kreidelinie überquerte, legte Niemeyer ihm noch den Arm um die Schulter und richtete ein paar persönliche Worte an ihn. Der Tunesier hatte beim 3:0-Sieg des Berliner Fußball-Zweitligisten gegen 1860 München eine gute Chance durch Peer Kluge vorbereitet, dafür aber auch eine Riesenmöglichkeit ziemlich kläglich vergeben und sich zudem einige leichte Abspielfehler erlaubt. Aber Niemeyer wollte nicht auf dem Negativen herumreiten, Herthas Kapitän wählte den Weg der positiven Verstärkung. „Ich habe ihm gesagt, dass ich es stark fand, wie er gearbeitet hat“, berichtete Niemeyer.

Allagui stand damit in gewisser Weise sinnbildlich für den Auftritt seiner Mannschaft – und in gewisser Weise auch wieder nicht. Hertha überzeugte zunächst einmal kämpferisch gegen die Münchner, die bis zum Freitagabend noch ungeschlagen waren; die spielerische Leichtigkeit kam dann quasi durch die Hintertür: Sie war hart erarbeitet. Nur bei Allagui wollte sich die Leichtigkeit bis zu seiner Auswechslung leider nicht mehr einstellen.

Das Spiel Hertha gegen 1860 München in Bildern
Das 1:0 selbst erzielt, das 2:0 kurz darauf vorgelegt: Adrian Ramos (v.) hat gegen 1860 München seinen Einsatz im Angriff gerechtfertigt.Alle Bilder anzeigen
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05.10.2012 19:43Das 1:0 selbst erzielt, das 2:0 kurz darauf vorgelegt: Adrian Ramos (v.) hat gegen 1860 München seinen Einsatz im Angriff...

Der Stürmer, teuerster Einkauf der Zweiten Liga, war damit eine Ausnahme in Herthas Team. „Es gab eigentlich keine Schwachstelle“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Das war ein richtig starkes Kollektiv.“ Der Holländer hob gleich mehrere Spieler hervor, mit denen er unglaublich zufrieden war: Peer Kluge zum Beispiel, der nicht nur das 3:0 durch Änis Ben-Hatira grandios vorbereitete, sondern auch jede Lücke im Mittelfeld zulief. Oder Fabian Holland, der links in der Viererkette verteidigte. Peter Niemeyer, der laut Luhukay eigentlich noch gar nicht hätte spielen dürfen. Adrian Ramos natürlich, der mit seinem Kopfballtor zum 1:0 einen wichtigen Beitrag zum Sieg leistete. Und, nicht zuletzt, Änis Ben-Hatira, der die beiden anderen Tore erzielte. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Luhukay.

Alles in allem war es Herthas stärkste Saisonleistung, auch wenn Niemeyer sagte: „Ich tu mich immer schwer mit Superlativen.“ Dass die Münchner sich nicht nur hinten reingestellt, sondern mitgespielt hätten, habe die Sache schließlich deutlich erleichtert, fand Herthas Kapitän. Von Mitspielen aber konnte bei den Sechzigern in der zweiten Hälfte keine Rede mehr sein. „Aber sie haben es versucht“, sagte Niemeyer.

Es blieb beim Versuch, weil die Berliner so gut wie gar nichts mehr zuließen. Das Spiel gegen den Ball, angeführt von Niemeyer und dem überragenden Kluge, funktionierte nahezu perfekt. Bis kurz vor Schluss gestattete Hertha den Gästen keinen einzigen Torschuss mehr, und am Ende blieben die Berliner zum dritten Mal hintereinander zu Hause ohne Gegentor. „Wir haben einen Gegner, der bisher eine sehr starke offensive Qualität nachgewiesen hat, fast über 90 Minuten neutralisieren können“, sagte Luhukay.

Das Spiel war vermutlich ganz nach seinem Geschmack. Luhukay hat schon vor der Saison immer wieder gesagt, dass es in der Zweiten Liga weniger auf die theoretische Qualität des Kaders ankommen werde als auf die praktische Umsetzung. Erst die Arbeit, dann die Spielfreude. Kapitän Niemeyer war der Ansicht, dass der Auftritt gegen 1860 „dem sehr nahe kam, was der Trainer fordert“. Luhukay dürfte sehr zufrieden gewesen sein. „Ich hoffe doch“, sagte Herthas Kapitän. „Unser Ziel als Spieler sollte es immer sein, den Trainer zufriedenzustellen.“ Nicht nur den.

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